Freundschaft vor der Ordnung
Vyranoth kannte Alexstrasza, bevor Titanen aus Protodrachen Aspekte machten. Ihre Freundschaft entstand in einer Welt, in der Drachen noch nicht in fünf große Schwärme und heilige Aufgaben geordnet waren. Als Alexstrasza die Gabe der Titanen annahm, blieb Vyranoth zurück. Sie misstraute einer Macht, die Drachen verbessern wollte und dabei festlegte, welche Gestalt als richtig galt.
Die Spannung wurde zum Verrat, als geordnete Drachen Eier freier Protodrachen nahmen und mit Ordnungsmagie erfüllten. Alexstrasza hatte zugesagt, dies zu verhindern, konnte oder wollte das Versprechen aber nicht halten. Nach Raszageths Gefangennahme nahm Vyranoth schließlich elementare Macht an. Eis durchdrang ihren Körper, und aus der alten Freundin wurde die Inkarnation des Frosts.
Der Krieg gegen die frühere Schwester
Im Krieg der Schuppengeborenen kämpfte Vyranoth an der Seite Fyrakks und Iridikrons. Ihr Motiv war nicht derselbe Hunger wie der ihrer Brüder. Sie wollte eine Welt, in der Protodrachen nicht gegen ihren Willen umgeformt wurden. Doch der Krieg machte aus berechtigter Anklage eine Front, an der beide Seiten Gefangenschaft und Vernichtung rechtfertigten.
Alexstrasza stellte Vyranoth in den Gefrorenen Fängen zum Zweikampf. Beide verletzten einander beinahe tödlich. Die Drachenkönigin konnte ihre frühere Freundin nicht töten und bat sie um Aufgabe. Vyranoth ergab sich und wurde in magischen Schlaf versetzt. Im Gewölbe der Inkarnationen hörte sie später Alexstraszas Eingeständnis, dass sich das Ende des Krieges ohne sie nicht wie ein Sieg anfühlte.
Freiheit und Bruch
Raszageths Tod öffnete das Gefängnis. Vyranoth kehrte mit Iridikron und Fyrakk zurück. Zunächst führte sie die Primalisten weiter. Doch Fyrakk trank die Schattenflamme und verlor jedes Maß. Er wollte Amirdrassil verbrennen und Azeroth nach seinem Bild neu schaffen. Vyranoth erkannte, dass ihre Sache erneut zur Ausrede für die Herrschaft eines Einzelnen geworden war.
Sie ging nach Valdrakken und bot Alexstrasza Hilfe an. Vertrauen entstand nicht sofort. Zu viel lag zwischen ihnen: gebrochene Versprechen, ein Jahrhundert Krieg und zwanzigtausend Jahre Gefangenschaft. Vyranoth verlangte keine schnelle Vergebung. Sie handelte. Sie gewann Netherdrachen und Thorignir als Verbündete, Völker, die ebenfalls unter fremder Kontrolle oder einer aufgezwungenen Ordnung gelitten hatten.
Aspekt der Stürme
Im Kampf um Amirdrassil stellte sich Vyranoth gegen Fyrakk. Nach seinem Tod segnete Azeroth die vereinten Aspekte. Vyranoth erhielt Macht nicht als nachträgliche Unterwerfung unter die Titanen, sondern als Anerkennung durch die Welt selbst. Sie nannte sich Aspekt der Stürme, zum Gedenken an Raszageth und an die freien Drachengruppen, die sie vertrat.
Aus den zeitweiligen Verbündeten wurde eine bleibende Verantwortung. Die Netherdrachen erhielten einen neuen Horst in Thaldraszus. Die Thorignir folgten Vyranoth auf die Dracheninseln, nachdem sie Odyn in seinen eigenen Hallen gezwungen hatte, ihnen eine eigene Wahl zu lassen. Auch überlebende Mitglieder ihrer früheren Elite, der Klauen Vyranoths, fanden wieder zu ihr. Als Aspekt der Stürme vertritt sie damit Netherwing, Thorignir und freie Protodrachen, deren Geschichte in keinem der fünf alten Schwärme aufgeht.
Ihre neue Rolle löst den alten Konflikt nicht einfach. Vyranoth sitzt neben jenen, die sie bekämpfte, und muss darauf achten, dass Versöhnung nicht zum Vergessen der ursprünglichen Schuld wird. Zugleich trägt sie Verantwortung für Drachen, die sich keiner traditionellen Farbe und keinem alten Eidstein zugehörig fühlen. Ihr Platz erweitert die Ordnung der Aspekte, statt die bisher Ausgeschlossenen nachträglich in deren alte Formen zu pressen.
Vyranoths Geschichte endet deshalb nicht mit einem Seitenwechsel. Sie beweist, dass Treue zu einer Sache auch bedeuten kann, ihre Anführer zu verlassen, wenn sie den Sinn der Sache verraten. Einst hielt Vyranoth jedes Entgegenkommen für Schwäche. Heute besteht ihre Stärke darin, zwischen Aufgabe und Vernichtung zu unterscheiden. Das Eis in ihr ist geblieben; nur hat es aufgehört, jedes andere Leben erstarren zu wollen.