Ein Gefängnis für alte Freunde
Das Gewölbe der Inkarnationen wurde nicht für namenlose Ungeheuer gebaut. In seinen tiefsten Kammern lagen Iridikron, Fyrakk und Vyranoth, drei Proto-Drachen, die einst den späteren Aspekten so nahe gewesen waren wie Gelegegefährten. Sie hatten die Ordnungsmagie der Titanen abgelehnt, sich mit elementarer Macht erfüllt und im Krieg der Schuppengeborenen gegen die Drachenflüge gekämpft.
Alexstrasza konnte sie nach ihrer Niederlage nicht töten. Ein Teil dieser Entscheidung war Liebe, ein anderer vielleicht die Weigerung, das endgültige Urteil über einen Streit zu sprechen, an dem auch die erzwungene Ordnung von Eiern und gebrochene Versprechen Anteil hatten. Die Urinkarnationen wurden in ein titanisches Gefängnis unter Thaldraszus gebracht. Gnade erhielt so die Form jahrtausendelanger Haft.
Raszageth vor den Siegeln
Raszageth war an einem anderen Ort eingesperrt worden und kam zuerst frei. Sie sammelte Primalisten, griff die Dracheninseln an und zog zum Gewölbe, um ihre Geschwister zu befreien. Der Weg dorthin war keine bloße Rettungsmission. Mit Iridikrons Planung, Fyrakks Feuer und Vyranoths Eis sollte der alte Krieg in einer Welt fortgesetzt werden, deren Drachen ihre Heimat gerade erst wiedergefunden hatten.
Khadgar, Kalecgos und Streitkräfte der Drachenflüge begleiteten Azeroths Streiter zum äußeren Siegel. Im Inneren hatten Primalisten bereits Elemente, Tiere und Verteidiger für den Angriff umgeformt. Eranog hielt die ersten Linien, Terros war in der Erde gefangen und tobte gegen alles um sich, Sennarth verwandelte eisige Höhen in ein Nest. Kurog Grimmtotem lenkte mehrere Elementarkräfte zugleich und machte aus dem Gewölbe einen Tempel ursprünglicher Gewalt.
Die Brut in den Kammern
Bruthüterin Diurna bewachte die Eier der Primalisten. Damit kehrte im Gefängnis eine der ältesten Streitfragen wieder: Wer darf über die Zukunft ungeborener Drachen bestimmen? Die Titanen hatten Proto-Dracheneier mit Ordnungsmagie erfüllt; nun schützten Primalisten ihre eigene Brut vor den Eindringlingen. Beide Seiten sprachen von Bewahrung und sahen in der anderen eine Verfälschung.
Das Gewölbe war deshalb mehr als Stein um drei Gefangene. Es bewahrte einen ungelösten Konflikt. Die Aspekte hatten den Krieg gewonnen, aber keine gemeinsame Wahrheit über Freiheit, Ordnung und Verantwortung geschaffen. Hinter den Siegeln alterte der Zorn nicht. Er wartete.
Der Tod, der die Tore öffnete
Am Ende stellte sich Raszageth auf den Höhen des Gewölbes den Angreifern entgegen. Ihre Stürme erschütterten die titanischen Fesseln. Die Streiter töteten sie, doch sie erreichte ihr wichtigstes Ziel noch im Sterben: Die Gefängnisse ihrer Geschwister brachen. Iridikron, Fyrakk und Vyranoth traten in die Welt zurück.
Der Sieg im Schlachtzug war damit zugleich eine Niederlage. Eine Inkarnation fiel, drei wurden frei. Diese Umkehr gibt dem Ort seine erzählerische Kraft. Die Helden dringen ein, überwinden jede Verteidigung und können dennoch nicht verhindern, dass ein jahrtausendealter Plan im letzten Atemzug vollendet wird.
Später wählten die drei Befreiten verschiedene Wege. Fyrakk stürzte sich in Vernichtung, Vyranoth wandte sich von ihm ab, Iridikron verfolgte einen weiter reichenden Krieg gegen die Titanen. Das Gewölbe hatte sie gemeinsam festgehalten, aber nie ihre Motive gleichgemacht. Als seine Tore fielen, zeigte sich, was die Gefangenschaft verdeckt hatte: Hinter einer Bewegung standen drei sehr verschiedene Antworten auf dieselbe alte Kränkung.