Ehre und StärkeBlackmoore
Sethraliss
Charakter

Sethraliss

Sethraliss ist die Schlangenloa von Vol'dun und Schutzgöttin der Sethrak. Vor rund sechzehntausend Jahren opferte sie sich im Kampf gegen Mythrax; ihr Opfer verwandelte das Land und ihr langes Schweigen spaltete ihre Anhänger in die Ergebenen und die Treulosen.

Die Loa eines grünen Landes

Vol'dun war nicht immer die trockene Weite, die spätere Reisende kennenlernten. In der frühen Geschichte des zandalari­schen Reiches war die Region fruchtbar, und sowohl Trolle als auch Sethrak verehrten dort Sethraliss. Die Schlangenloa war eng mit Gewitter, Blitz und der Lebenskraft des Landes verbunden. Für die Sethrak war sie nicht nur eine mächtige Schutzpatronin. Aus ihrer Verehrung entstanden politische Ordnung, Rituale und das Selbstverständnis eines Volkes, das sich als ihre Nachkommenschaft und Bewahrerin betrachtete.

Zu ihren Hütern gehörten Sulthis, Vorrik und Korthek. Sie dienten einer Gemeinschaft, in der der Glaube an Sethraliss noch kein Grund für Bürgerkrieg war. Die lange Lebensspanne der Sethrak bewahrte Erinnerungen über Jahrtausende. Dadurch blieb der Augenblick, in dem ihre Loa fiel, für sie nicht bloß ferne Sage. Einzelne Zeugen lebten noch, als die Folgen dieses Opfers längst zur Landschaft geworden waren.

Mythrax und der Krieg gegen die Aqir

Vor ungefähr sechzehntausend Jahren drangen die Aqirarmeen der Alten Götter gegen die Trollreiche vor. Mythrax der Auflöser erreichte Vol'dun. Er war ein gewaltiger C'Thrax, geschaffen, um Befestigungen und den Willen ihrer Verteidiger zu brechen. Trolle und Sethrak konnten ihn mit gewöhnlichen Mitteln nicht aufhalten. Sethraliss stellte sich ihm selbst entgegen.

Sie opferte sich, um Mythrax niederzuschlagen. Selbst im Fall zerstörte er noch die Scheibe im Herzen von Atul'Aman. Die Verwüstung und der Verlust der Loa ließen das grüne Land verdorren; spätere Quellen setzen unterschiedliche Akzente, doch alle führen Vol'duns Wandel auf jene Epoche zurück. Sethraliss' Körper wurde in einen Tempel gebracht, wo ihre Anhänger auf die für Loa mögliche Wiedergeburt warteten. Mythrax sperrten Sulthis, Vorrik und Korthek unter der großen Pyramide ein.

Ein Glaube zerbricht

Die Jahrtausende ohne Sethraliss veränderten ihre Diener. Vorrik hielt an der Überzeugung fest, dass die Loa zurückkehren werde und der alte Schwur weiter galt. Korthek sah im Warten dagegen Schwäche. Er erklärte sich zum Kaiser, sammelte jene Sethrak, die ihm Macht und Beute versprachen, und machte aus ihnen die Treulosen. Die Ergebenen wurden verfolgt und mussten sich in ihr Heiligtum zurückziehen.

Kortheks Herrschaft verband religiösen Verrat mit sehr weltlicher Gewalt. Seine Anhänger versklavten Vulpera und Tortollaner, kontrollierten Handelswege und wollten Mythrax befreien, um Zuldazar zu unterwerfen. Sethraliss' Abwesenheit wurde damit selbst zum politischen Werkzeug. Die einen verstanden Treue als Geduld und Schutz; die anderen behaupteten, eine schweigende Göttin habe jedes Recht auf Gehorsam verloren.

Der Tempel und die verhinderte Wiedergeburt

Als die Horde nach Vol'dun kam, war Kortheks Plan weit fortgeschritten. General Jakra'zet aus dem Zanchulirat arbeitete mit den Treulosen zusammen. Korthek fiel, doch Jakra'zet stahl die Schlüssel zu Atul'Aman und opferte sich, um Mythrax erneut zu erwecken. Gerade jetzt hätte Sethraliss zurückkehren müssen. Im Tempel hielten jedoch Eindringlinge ihre Erneuerung auf und versuchten, ihren Geist in eine dunkle Loa zu verwandeln.

Vorrik führte Verbündete in den Tempel. Sie reinigten die Anlage, verteidigten den Avatar der geschwächten Loa und gaben Sethraliss die geraubte Kraft zurück. Ihre Wiederkehr war deshalb kein plötzlicher göttlicher Eingriff. Sie wurde durch die Beharrlichkeit jener möglich, die ihren Namen über Jahrtausende bewahrt und zugleich den Mut gefunden hatten, für ihn zu handeln.

Nach der Rückkehr

Sethraliss kehrte zu den Ergebenen zurück und erschien später bei Talanjis Krönung in Zuldazar. Ihre Anwesenheit verband zwei Völker, die sie schon vor dem Fall Vol'duns verehrt hatten. Sie löschte die Vergangenheit der Treulosen nicht aus und machte die Wüste nicht augenblicklich wieder grün. Ihre Rückkehr gab den Sethrak jedoch einen Mittelpunkt, der nicht auf Kortheks Kaiserreich beruhte.

In ihrer Geschichte liegen Opfer, Geduld und die Frage, was ein Volk aus dem Schweigen seiner Schutzmacht macht. Sethraliss rettete Vol'dun, konnte aber nicht verhindern, dass ihr Tod neue Konflikte hervorbrachte. Erst als ihre Anhänger Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernahmen, wurde Wiedergeburt möglich.