Der erste Sohn von Revendreth
Sire Denathrius erschuf Renathal als ersten Venthyr. Er nannte ihn Sohn und machte ihn zum Ernter der Herrschaft. In den frühen Zeitaltern Revendreths glaubte Renathal an die Aufgabe ihres Reiches: stolze und schuldige Seelen sollten mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, bis sie Reue empfinden und einen neuen Weg wählen konnten. Wer dazu nicht fähig war, wurde nach langer Prüfung dem Schlund übergeben.
Renathal stand nahe am Herrscher und kannte den Hof von Schloss Nathria von innen. Er sah die Eleganz, mit der Denathrius Macht inszenierte, aber auch die Härte, die als notwendige Läuterung ausgegeben wurde. Lange hielt er diese Widersprüche für Teil einer schweren Pflicht. Erst als Ausnahmen zur Regel wurden und ganze Bezirke unter Mangel litten, musste er entscheiden, ob Treue zum Vater wichtiger war als Verantwortung für das Reich.
Die erste Rebellion
Denathrius entzog Revendreth Anima und ließ seine Untertanen glauben, die Dürre verlange Opfer. Tatsächlich sammelte er die Kraft für Zovaal. Renathal entdeckte den Verrat und gewann Verbündete unter den Erntenden und im Adel. Seine Rebellion scheiterte. Denathrius entzog ihm einen Teil seiner Macht, sperrte ihn in die Tiefen des Schlunds und erklärte den Aufstand zum Beweis undankbarer Anmaßung.
Die Verbannung nahm Renathal nicht nur Freiheit, sondern auch Gewissheit. Er musste anerkennen, wie lange er selbst Teil des Systems gewesen war. Nach seiner Rettung kehrte er nicht als makelloser Befreier zurück. Er kehrte als Sohn zurück, der wusste, dass die Missstände seines Vaters auch durch sein früheres Schweigen möglich geworden waren.
Die Errettung Revendreths
Mit Hilfe sterblicher Verbündeter sammelte Renathal den Hof der Ernter neu. General Draven, die Steinmetzin und andere widersetzten sich Denathrius aus unterschiedlichen Gründen. Manche wollten das alte Gleichgewicht wiederherstellen, andere hatten persönlich unter dem Adel gelitten. Renathal musste lernen, dass ein Aufstand mehr ist als die Gefolgschaft eines Prinzen. Er brauchte Menschen, die ihm auch widersprechen konnten.
Auf den Mauern und in den Dörfern Revendreths zeigte sich das Ausmaß des Verrats. Anima war nicht knapp, weil die Toten zu wenig geleistet hatten. Sie war gehortet und in den Schlund geleitet worden. Renathals Kampf erhielt dadurch einen klaren Zweck: Die gestohlene Kraft sollte den Seelen und Bezirken zurückgegeben werden, denen sie entzogen worden war.
Schloss Nathria
Der Angriff auf Schloss Nathria führte Renathal in das Zentrum seiner eigenen Vergangenheit. Hinter den Festmauern verteidigten Höflinge, Foltermeister und Denathrius' engste Diener eine Ordnung, von der sie profitierten. Am Ende stellte sich Renathal gemeinsam mit seinen Verbündeten seinem Schöpfer. Denathrius betrachtete den Aufstand noch immer als kindischen Verrat. Renathal sah nun, dass väterliche Zuneigung bei ihm stets an Gehorsam gebunden gewesen war.
Denathrius wurde besiegt und in Remornia gebunden, doch sein endgültiges Schicksal blieb offen. Die Schreckenslords entführten die Klinge später. Für Renathal bedeutete der Sieg deshalb keine abgeschlossene Rache. Er hatte Revendreth befreit, aber einen mächtigen Gegner verloren, dessen Netz weit über das Reich hinausreichte.
Ein Hof statt eines neuen Herrn
Renathal hätte nach dem Sieg den leeren Thron beanspruchen können. Stattdessen regierte der Hof der Ernter gemeinsam. Diese Entscheidung war nicht bloß Bescheidenheit. Revendreth hatte erlebt, was geschieht, wenn eine einzige unsterbliche Gestalt Buße, Gesetz und Ressourcen nach eigenem Willen bestimmt. Renathal blieb Prinz, aber nicht als Ersatz für Denathrius.
Seine Geschichte endet daher nicht mit einer Krone. Er muss ein Reich umbauen, dessen Schönheit, Grausamkeit und Aufgabe eng miteinander verwoben sind. Die Venthyr sollen schuldige Seelen weiterhin zur Einsicht führen, doch Läuterung darf nicht länger den Hunger einer Elite bemänteln. Renathals größte Prüfung beginnt erst nach dem Aufstand: Er muss beweisen, dass ein Sohn die Welt seines Vaters erben kann, ohne dessen Herrschaft zu wiederholen.