Ein verlassener Besitz im Glutbezirk
Sinfall liegt am Rand des Glutbezirks von Revendreth, jener verbrannten Landschaft, in der das Licht einst ungehindert auf die Venthyr traf. Für diese Wesen ist Licht keine Quelle des Trostes. Es verbrennt sie, und deshalb wurde der Bezirk zu einem Ort der Verbannung. Sinfall gehörte ursprünglich Sire Denathrius, dem Schöpfer der Venthyr und Herrscher von Revendreth. Die Hallen, Höfe und unterirdischen Kammern trugen seine Ordnung in sich, verloren aber ihre Bedeutung, als Denathrius den Besitz aufgab und andere Machtzentren bevorzugte.
Der Name blieb dennoch mit seiner Herrschaft verbunden. Sinfall war kein neutraler Zufluchtsort, der zufällig leer stand. Wer die Anlage betrat, bewegte sich in den Überresten einer Ordnung, die Denathrius geschaffen hatte. Alte Geräte zur Leitung von Anima, Zugänge in den Glutbezirk und Spuren des venthyrischen Hoflebens machten den Ort wertvoll. Gerade weil er verfallen war, wurde er von den Dienern des Meisters weniger streng bewacht als Schloss Nathria oder die großen Bezirke Revendreths.
Renathals Aufstand
Prinz Renathal war der erste Venthyr, den Denathrius erschaffen hatte. Lange diente er seinem Vater und glaubte an die Aufgabe Revendreths: Stolze Seelen sollten mit ihren Verfehlungen konfrontiert werden, Reue lernen und danach ihren Weg durch die Schattenlande fortsetzen. Als Renathal erkannte, dass Denathrius den Strom der Anima absichtlich drosselte und den Kerkermeister im Schlund unterstützte, erhob er sich gegen ihn. Der Aufstand scheiterte. Renathal wurde entmachtet, gefangen und in den Schlund geworfen.
Nach seiner Befreiung brauchte Renathal einen Ort, an dem sich die verstreuten Gegner des Meisters sammeln konnten. Sinfall bot Schutz, Räume für Planung und einen Zugang zum Glutbezirk, in dem weitere Verbannte lebten. General Draven, die ehemalige Ernteherrin der Begierde und andere Venthyr schlossen sich ihm an. Aus einem aufgegebenen Anwesen wurde so das Hauptquartier einer Rebellion. Die Anlage erhielt ihre Bedeutung nicht durch Glanz, sondern durch die Menschen und Venthyr, die dort trotz früherer Niederlagen weiterarbeiteten.
Die Medaillons der Ernter und der Weg nach Nathria
Die Macht Revendreths war auf die Ernter verteilt. Jeder von ihnen trug ein Medaillon, in dem ein Teil der Autorität des Reiches ruhte. Denathrius hatte diese Ämter geschaffen, um die Bezirke zu verwalten, doch im Laufe der Zeit wurden manche Ernter ermordet, verraten oder ersetzt. Renathals Verbündete suchten die verlorenen Medaillons und versuchten, ihre Träger für den Widerstand zu gewinnen. In Sinfall liefen diese Wege zusammen. Dort wurden Informationen gesammelt, neue Ernter eingesetzt und Angriffe auf die Loyalisten vorbereitet.
Der Kampf führte schließlich nach Schloss Nathria. Dort stellte sich der Widerstand Denathrius selbst. Sein Sturz beendete die unmittelbare Herrschaft des Meisters, doch er beseitigte nicht die Folgen seiner Politik. Revendreth litt weiterhin unter Animamangel, alte Rivalitäten bestanden fort und viele Venthyr mussten entscheiden, ob sie einer erneuerten Aufgabe dienen oder nur den bisherigen Hof durch einen anderen ersetzen wollten. Sinfall blieb der Ort, an dem diese neue Ordnung vorbereitet wurde.
Der Gluthof und das Revendreth nach Denathrius
Nach dem Sieg wurde Sinfall nicht zu einem zweiten Schloss Nathria. Die Anlage behielt den Charakter eines Arbeitsortes. Von hier aus leitete der Widerstand Anima in ausgetrocknete Gebiete, half verlorenen Seelen und stellte die Verbindungen zwischen den Bezirken wieder her. Der Gluthof brachte Bewohner Revendreths und Gäste anderer Reiche zusammen. Seine Zusammenkünfte wirkten festlich, dienten aber auch dazu, Vertrauen neu aufzubauen und Bündnisse zu pflegen, die während Denathrius' langer Herrschaft zerbrochen waren.
Sinfall erzählt deshalb eine andere Geschichte als die Paläste Revendreths. Der Ort wurde nicht wegen seiner ursprünglichen Bestimmung berühmt, sondern weil seine Bewohner ihn neu deuteten. In Räumen, die einst Denathrius gehörten, entstand eine Bewegung gegen ihn. Der verlassene Besitz wurde zum politischen Zentrum eines Reiches, das lernen musste, seine Aufgabe ohne den Herrscher zu erfüllen, der diese Aufgabe selbst verraten hatte.