Wut, die auf Pandaria einen Körper findet
Das Sha des Zorns ist eine der sieben großen Gestalten, die aus den Resten Y'Shaarjs hervorgingen. Auf Pandaria bleiben starke Gefühle nicht immer im Inneren. Sie ziehen die alte Verderbnis an, nähren sie und können als eigenständige Wesen zurückkehren. Das Sha ist deshalb nicht bloß eine wütende Kreatur. Es ist Zorn, der sich von seinem Anlass gelöst hat und nun jeden neuen Anlass benutzt, um weiterzuwachsen.
Wut kann auf Unrecht hinweisen und Kraft zur Gegenwehr geben. Das Sha bewahrt davon nur den Drang zum Angriff. Es kennt kein Ziel, nach dessen Erreichen der Zorn ruhen dürfte, und keine Grenze zwischen Täter und Verbündetem. Wer sich ihm überlässt, fühlt zunächst größere Entschlossenheit. Bald entscheidet jedoch nicht mehr der Mensch, wofür er kämpft; der Kampf sucht sich selbst immer neue Feinde.
Shaohaos vergeblicher Schlag
Kaiser Shaohao wollte die Shado-Pan für den kommenden Krieg gegen die Legion gewinnen. Xuen erkannte Dunkelheit in ihm und stellte eine Prüfung: Der Kaiser sollte einen einzelnen Krieger treffen. Shaohao schlug wieder und wieder, doch der Verteidiger wich aus. Aus Scham über das Scheitern und dem Gefühl, sein Rang müsse ihm Erfolg garantieren, wurde Frustration zu rasender Wut.
Das Sha des Zorns brach aus ihm hervor, gefolgt von Gewalt und Hass. Ein Shado-Pan opferte sich, um den Kaiser vor den drei Wesen zu retten. Shaohao lernte, dass Gemeinschaft, Liebe und innerer Frieden mehr vermochten als der erzwungene Treffer. Er hatte eine Armee führen wollen, bevor er seinen eigenen Zorn führen konnte. Erst die Rettung durch einen anderen zeigte ihm, dass Stärke nicht darin besteht, jede Grenze persönlich niederzuschlagen.
Das Gefängnis unter dem Kloster
Die Shado-Pan sperrten Zorn, Gewalt und Hass unter ihrem Kloster ein. Über zehntausend Jahre wachten sie über Mächte, die nie wirklich verhungerten, solange auf dem Kontinent Völker stritten. Das Gefängnis war daher auch eine Übung für seine Wächter. Wer das Sha bewachte, durfte die eigene Abneigung gegen Gefangene, Eindringlinge oder Fehler nicht zum Spalt in den Siegeln werden lassen.
Als Taran Zhu von einem gescheiterten Gespräch mit Xuen zurückkehrte und Pandaria unter dem Druck fremder Heere stand, sammelten die drei Sha genug Kraft zum Ausbruch. Gewalt blieb im Kloster, Hass griff Taran Zhu, und das Sha des Zorns entkam in den Kun-Lai-Gipfel. Die Trennung machte sie nicht unabhängig voneinander. Zorn bereitete Gewalt vor, Gewalt nährte Hass, und jeder neue Gegenschlag konnte die Kette von vorn beginnen lassen.
Der Krieg als Nahrung
Horde und Allianz brachten ihren Krieg nach Pandaria. Soldaten landeten mit Verlust, Misstrauen und Befehlen, die das fremde Land nur als neue Front behandelten. Das Sha des Zorns fand darin reichlich Nahrung. Es zog durch Kun-Lai, verdarb Lebewesen und ließ aus der Wut der Kämpfenden weitere Sha entstehen. Je entschlossener beide Fraktionen einander besiegen wollten, desto stärker wurde ein Feind, den keine von ihnen beabsichtigt hatte zu unterstützen.
Streiter aus beiden Lagern stellten sich der Erscheinung und vernichteten sie schließlich. Der Sieg verlangte Gewalt gegen ein Wesen der Wut, war aber nicht automatisch ein Widerspruch. Entscheidend war, ob die Kämpfenden nach dem Schlag aufhören konnten. Das Sha starb, weil sie ihre Kraft auf eine gemeinsame Gefahr richteten; es hätte in anderer Form weitergewonnen, wenn sein Tod nur zum Anlass der nächsten Vergeltung geworden wäre.
Die Leere nach dem letzten Schlag
Das Sha des Zorns gilt als getötet. Dennoch bleibt Zorn auf Pandaria möglich, und Y'Shaarjs Erbe hat wiederholt gezeigt, dass Gefühle Spuren hinterlassen können. Der Name bezeichnet daher eine bestimmte besiegte Gestalt, nicht die Abschaffung einer menschlichen Regung. Kein Orden kann jede künftige Wut unter Stein versiegeln.
Shaohaos Lehre verlangte nicht, Unrecht lächelnd hinzunehmen. Sie verlangte, den Unterschied zwischen Zorn und Führung zu erkennen. Wut kann den ersten Schritt aus Untätigkeit ermöglichen, darf aber nicht bestimmen, wohin alle folgenden Schritte führen. Das Sha war dort am mächtigsten, wo Sterbliche glaubten, ihre Raserei beweise die Reinheit ihrer Sache. Sein Tod erinnert daran, dass ein gerechter Grund nicht jede Handlung gerecht macht und ein gewonnener Kampf erst dann endet, wenn der Sieger nicht sofort einen neuen Gegner braucht.