Das Herz des Gurubashi-Imperiums
Lange bevor menschliche Schiffe die südliche Küste erreichten, war das Schlingendorntal ein Zentrum trollischer Macht. Das Gurubashi-Imperium herrschte von Zul'Gurub aus über weite Teile des Südens. Tempel, Straßen und befestigte Städte lagen im Dschungel; viele ihrer Ruinen wurden erst sichtbar, als das Reich längst zerfallen war. Die Trolle betrachteten das Land nicht als Wildnis. Es war ihre Heimat, ihr Heiligtum und der Mittelpunkt einer Ordnung, die älter war als die Königreiche der Menschen.
Nach der Großen Teilung brachen Hunger und Verzweiflung über die Gurubashi herein. In dieser Not wandten sie sich Hakkar dem Seelenschinder zu. Der Loa versprach Macht, verlangte jedoch Blut und immer größere Opfer. Als deutlich wurde, dass Hakkar nicht nur Feinde, sondern schließlich alles Leben verschlingen würde, erhoben sich andere Trollstämme gegen seine Priester. Der Bürgerkrieg zerschlug das Imperium, und viele Gruppen verließen das Tal.
Zul'Gurub und die Rückkehr Hakkars
Die Gurubashi blieben in Zul'Gurub zurück, geschwächt, aber nicht bedeutungslos. Der Stamm bewahrte die Erinnerung an seine frühere Größe und suchte wiederholt nach einem Weg, sie zurückzugewinnen. Der Hexendoktor Jin'do versuchte schließlich, Hakkar erneut in die Welt zu rufen. Die Atal'ai in den Sümpfen des Elends arbeiteten demselben Ziel entgegen und schufen dadurch eine Verbindung zwischen dem Dschungel und dem Versunkenen Tempel.
Als Hakkars Einfluss Zul'Gurub erfasste, wurden selbst andere Loa und ihre Hohepriester in den Konflikt gezogen. Der Zandalarstamm bat Außenstehende um Hilfe, weil ein vollständig erwachter Hakkar nicht im Tal geblieben wäre. Die Kämpfe in Zul'Gurub beendeten den unmittelbaren Aufstieg des Seelenschinders, löschten aber weder die Gurubashi noch ihren Wunsch nach Erneuerung aus.
Beutebucht und die Küste der Freibeuter
An der Südspitze entstand mit Beutebucht ein völlig anderes Machtzentrum. Goblins des Dampfdruckkartells bauten in einer geschützten Bucht einen Hafen, in dem Handel wichtiger war als Herkunft. Schmuggler, Abenteurer und Kapitäne fanden dort Waren, Informationen und Arbeit. Die Stadt lebte davon, dass sie kaum Fragen stellte, solange Geschäfte bezahlt wurden.
Vor der Küste lagen die Schiffe der Blutsegelbukaniere. Ihr Krieg gegen Beutebucht war nicht bloß gewöhnliche Piraterie, sondern ein Ringen um Kontrolle über die Seewege und den Reichtum des Tals. Zwischen beiden Seiten gerieten Reisende in eine Welt, in der Verträge nur so lange galten, wie jemand stark genug war, sie durchzusetzen.
Expeditionen, Jagd und geraubte Geschichte
Forscher und Großwildjäger kamen in das Tal, um Tiere, Pflanzen und Ruinen zu untersuchen. Hemet Nesingwary machte die Jagd zu seinem Lebenswerk und zog zahlreiche Nachahmer an. Andere Expeditionen suchten Artefakte der Gurubashi oder die sagenhafte Gezeitenstein-Macht. Für die Trolle bedeuteten solche Unternehmungen häufig, dass Fremde ihre heiligen Orte betraten und Überreste ihrer Vergangenheit als Fundstücke behandelten.
Das Tal wurde dadurch zu einem Ort konkurrierender Erzählungen. Goblins sahen Handelsmöglichkeiten, Menschen und Zwerge ein Forschungsgebiet, Piraten ein Jagdrevier und die Gurubashi ein verlorenes Reich. Keine dieser Gruppen besaß das Land vollständig, doch jede versuchte, einen Teil davon zu beherrschen.
Der Kataklysmus teilt den Dschungel
Als Todesschwinge die Welt erschütterte, riss eine gewaltige Senke das Tal entzwei. Der Norden und das Kap des Schlingendorntals wurden voneinander getrennt, Wasser stürzte in die neue Schlucht und alte Wege verschwanden. Die geographische Teilung machte sichtbar, was politisch längst galt: Das frühere Herz eines Imperiums war in viele Herrschaftsräume zerfallen.
Schlingendorntal bleibt deshalb eine der dichtesten Geschichtslandschaften der südlichen Kontinente. Unter jeder Handelsstraße liegen Trollruinen, hinter jeder Expedition steht die Frage nach Besitz, und selbst die scheinbar freie Piratenküste ist Teil eines viel älteren Kampfes um das Erbe der Gurubashi.