Ein Ritter von Acherus
Orbaz Blutbann war ein menschlicher Todesritter im Dienst des Lichkönigs. Zu Beginn des Angriffs auf die Scharlachrote Enklave gehörte er den Todesrittern von Acherus an. Diese Kämpfer waren gefallene Helden, die von der Geißel wiedererweckt, an Runenklingen gebunden und als neue Elite gegen die Lebenden eingesetzt wurden. Unter Hochlord Darion Mograine eroberten sie Todesbresche und bereiteten die Vernichtung der Scharlachroten vor.
Schon in diesen ersten Einsätzen unterschied sich Orbaz von Todesrittern wie Thassarian oder Koltira Todesweber. Er zeigte wenig Mitgefühl für gefangene Kameraden und hielt an alten Vorurteilen gegen Blutelfen fest. Als Koltira von Hochinquisitor Valroth gefangen wurde, behandelte Orbaz dessen Schicksal vor allem als Hindernis für den Auftrag. Seine Haltung passte vollkommen zu der Ordnung, die der Lichkönig schaffen wollte: Gehorsam und Nutzen sollten jede frühere Bindung ersetzen.
Die Zerschlagung der Scharlachroten Armee
In Neu-Avalon erfuhren Orbaz, Thassarian und Koltira von einem Kurier aus Herdweiler. Der Bote trug eine Nachricht von Hochkommandant Galvar Reinzorn an Hochgeneral Brigitte Abbendis. Eine scharlachrote Armee sammelte sich zum Gegenangriff auf Acherus. Orbaz ließ den Kurier abfangen und einen Todesritter in dessen Gestalt die feindlichen Linien durchqueren, damit die Pläne der Kreuzfahrer vollständig offengelegt werden konnten.
Die Antwort erreichte Reinzorn nie rechtzeitig. Orbaz und der eingeschleuste Todesritter meldeten Darion Mograine die Stellung der Armee, worauf die Geißel sie vernichtete. Die Episode zeigt Orbaz als fähigen Agenten und Planer. Er kämpfte nicht nur mit der Runenklinge, sondern nutzte Täuschung und Informationen. Sein Erfolg stärkte die Offensive, die Acherus schließlich zur Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts führte.
Die Entscheidung an der Kapelle
Bei der zweiten Schlacht um die Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts trafen die Todesritter auf Tirion Fordring und die Verteidiger der Argentumdämmerung. Der Lichkönig hatte seine eigenen Ritter als Köder benutzt, um Tirion hervorzulocken. Als Darion diesen Verrat erkannte und der verderbte Aschenbringer gereinigt wurde, brachen viele Todesritter mit ihrem Herrn. Aus ihnen entstanden die Ritter der Schwarzen Klinge.
Orbaz traf die entgegengesetzte Entscheidung. Er floh vom Schlachtfeld und blieb der Geißel treu. Damit ist seine Geschichte ein wichtiges Gegenstück zur Befreiung der Spieler-Todesritter. Die Kontrolle des Lichkönigs war mächtig, doch der Bruch in der Kapelle eröffnete eine Wahl. Darion wandte sich gegen den Herrscher, der ihn geopfert hatte; Orbaz suchte keinen neuen Weg, sondern kehrte nach Nordend zurück und machte seinen Gehorsam zur Grundlage eigener Macht.
Dahlia Sonnenhand
Nach seiner Rückkehr nach Nordend erschien Orbaz beim Rubindrachenschrein. Dort tötete er Dahlia Sonnenhand und erhob sie als Banshee. Dahlia war eine Blutelfe und wurde durch den gewaltsamen Übergang in den Untod zu einem weiteren Werkzeug der Geißel. Die Tat passt zu Orbaz' früherer Verachtung für Blutelfen und zeigt, wie vollständig er die Methoden des Lichkönigs übernommen hatte.
Die Erhebung eines Feindes war in der Geißel nicht nur Verstärkung, sondern Auslöschung von Selbstbestimmung. Orbaz wiederholte damit an anderen, was ihm selbst widerfahren war, ohne den Kreislauf infrage zu stellen. Während viele Ritter von Acherus nach ihrer Befreiung um eine neue Identität rangen, nutzte Orbaz den Untod bewusst als Herrschaftsmittel. Der Beiname Hand des Leidens wurde so zu einer treffenden Beschreibung seiner Rolle.
Die Schar des Leidens
In Eiskrone übernahm Orbaz Malykriss, die Unheilvolle Feste, eine noch im Bau befindliche Nekropole der Geißel. Dort gründete er die Schar des Leidens, einen eigenen Todesritterorden. Er bezeichnete sich als Hand des Lichkönigs. Unterstützt wurde er von Sapph, dem Reiter des Frosts, Rokir, dem Reiter des Unheiligen, und Baelok, dem Reiter des Blutes. Gemeinsam bildeten sie eine neue Generation von Todesrittern aus.
Die drei Reiter verkörperten zentrale Kampfstile der Todesritter. Ihr Orden sollte die Verluste ersetzen, die der Lichkönig durch Darions Abfall erlitten hatte. Malykriss war deshalb mehr als ein gewöhnlicher Außenposten. Orbaz versuchte dort, eine loyale Nachfolge für Acherus aufzubauen und zu beweisen, dass die Rebellion der Schwarzen Klinge den militärischen Apparat der Geißel nicht dauerhaft geschwächt hatte.
Das Urteil der Schwarzen Klinge
Vereth der Listige erkannte die Gefahr und ließ die Schar des Leidens schwächen, bevor sie vollständig einsatzbereit war. Schließlich entsandte Darion Mograine die stärksten Kämpfer der Schwarzen Klinge unter die Eiskronenzitadelle. Dort stellten sie sich den Reitern und Orbaz. Der ehemalige Kamerad wurde von jener Gemeinschaft getötet, der er an der Kapelle den Rücken gekehrt hatte.
Orbaz ist wichtig, weil er zeigt, dass die Todesritter von Acherus nach ihrer Befreiung nicht automatisch eine einheitliche moralische Gruppe bildeten. Einige behielten Grausamkeit und Vorurteile, andere kämpften um Wiedergutmachung, und Orbaz entschied sich bewusst für den Lichkönig. Sein Ende ist daher sowohl militärischer Sieg als auch inneres Urteil: Die Schwarze Klinge vernichtet den Versuch, ihre alte Versklavung in einem neuen Orden fortzusetzen.