Jenseits der schützenden Barriere
Als der Krieg der Ahnen Suramar erreichte, errichtete Großmagistrix Elisande eine gewaltige Barriere um den Kern der Stadt. Sie bewahrte ihre Bewohner vor dem Großen Bruch und vor den Verwüstungen, die Kalimdor zerrissen. Der Schutz umfasste jedoch nicht jedes Viertel. Meredil lag außerhalb der Kuppel. Häuser, Plätze und Zugänge, die einst zum Leben Suramars gehört hatten, blieben der Katastrophe und den folgenden Jahrtausenden ausgesetzt.
Die Trennung war mehr als eine räumliche Grenze. Innerhalb der Barriere entwickelte sich aus den Hochgeborenen das Volk der Nachtgeborenen. Der Nachtbrunnen versorgte sie mit arkaner Energie, und Elisandes Hof machte den Zugang zu dieser Quelle zu einem Mittel der Herrschaft. Außerhalb verfielen die ungeschützten Bezirke. Pflanzen überwucherten das Mauerwerk, alte Wege brachen auf, und Verdorrte suchten zwischen den Ruinen nach jeder Spur von Magie. Wer aus Suramar verbannt wurde, musste durch dieselben Tore in eine Landschaft treten, die zeigte, was aus einem Leben ohne Schutz und Versorgung werden konnte.
Thalyssras Weg durch die Ruinen
Thalyssra erreichte Meredil, nachdem Elisande sie wegen ihres Widerstands gegen die Legion hatte beseitigen lassen wollen. Einst hatte sie als Erste Arkanistin im Zentrum der Macht gestanden. Nun schleppte sie sich geschwächt durch einen Bezirk, den die Stadt hinter sich gelassen hatte. Der Nachtbrunnen, von dem ihr Körper abhing, lag nur wenige Mauern entfernt und war dennoch unerreichbar. Diese Nähe machte Meredil zu einem besonders grausamen Ort der Verbannung.
In den Ruinen begegnete sie dem alten Magier Elieth, der ihr noch helfen konnte, bevor er selbst den Folgen seiner Auszehrung erlag. Sein Tod zeigte, wie wenig Zeit den Verbannten blieb. Unterhalb der Straßen fand Thalyssra schließlich den Zugang zu Shal'Aran. Dass die Verdorrten diese Kammern mieden, verschaffte ihr den Schutz, den sie an der Oberfläche nicht finden konnte. Meredil wurde so zum Vorraum der Rebellion: Wer aus Suramar floh, durchquerte zuerst die sichtbaren Folgen der Abschottung, bevor er in den Hallen darunter eine neue Gemeinschaft fand.
Die Ruine vor den Toren der Stadt
Während die Nachtgefallenen ihre Bewegung aufbauten, blieb Meredil gefährlich. Verdorrte, wilde Tiere und Patrouillen der Nachtgeborenen bewegten sich zwischen den zerfallenen Gebäuden. Die Stadttore lagen in Sichtweite, doch jeder Weg hinein wurde kontrolliert. Oculeths Teleportation und Valtrois' Arbeit an den Leylinien waren deshalb nicht bloß Bequemlichkeiten. Sie erlaubten es der Rebellion, die überwachten Straßen zu umgehen und Menschen, Nahrung sowie Informationen nach Shal'Aran zu bringen.
Meredil erzählt damit zwei Seiten derselben Entscheidung. Elisandes Barriere hatte einen Teil Suramars gerettet und einen anderen aufgegeben. Jahrtausende später verteidigte sie diese Grenze nicht mehr gegen den Untergang der Welt, sondern gegen ihr eigenes Volk. Die Ruinen erinnerten die Nachtgeborenen daran, dass Schutz ohne Verantwortung zur Ausgrenzung werden konnte. Gerade an diesem scheinbar verlorenen Rand begann die Bewegung, die später die Stadt zurückeroberte.
Nach dem Sieg über Elisande verschwand dieser Gegensatz nicht sofort. Die Mauern und Ruinen blieben bestehen, ebenso die Erinnerung an jene, die dort verhungert oder zu Verdorrten geworden waren. Shal'Aran unter Meredil blieb bewohnt. Aus dem ausgeschlossenen Viertel war ein Ort geworden, an dem Suramar gelernt hatte, dass seine Geschichte nicht nur in den Türmen der Privilegierten geschrieben wurde.