Eine Festung am Fuß des Sanktums
Desmotaeron liegt in den Bestienkammern des Schlunds, dort, wo der Weg zum Sanktum der Herrschaft beginnt. Der Schlund war kein gewöhnliches Reich der Schattenlande. In diese trostlose Tiefe wurden Seelen verbannt, die als unverbesserlich galten, und über ihnen herrschte Zovaal, der Kerkermeister. Seine Ketten, Türme und Wächter machten Flucht beinahe unmöglich. Desmotaeron diente in dieser Ordnung als befestigter Vorhof: Wer das Sanktum erreichen wollte, musste an seinen Mauern, seinen Lagern und der darin liegenden Festung Helgarde vorbei.
Lange blieb der Ort Teil einer Landschaft, in der Zovaals Herrschaft kaum offen herausgefordert wurde. Das änderte sich, als die Pakte der Schattenlande nach Korthias Entführung gemeinsam in den Schlund vordrangen. Ihre Stützpunkte lagen nun näher am Sanktum, doch der Weg dorthin war weiterhin durch feindliche Armeen versperrt. Desmotaeron wurde dadurch von einem Bollwerk der Gefangenschaft zu einem der wichtigsten Ziele des Gegenangriffs.
Helya und Vyraz sammeln ihre Armeen
Helya übernahm einen großen Teil der Befestigung. Einst hatte Odyn sie gegen ihren Willen zur ersten Val'kyr gemacht. Aus Verbitterung wandte sie sich gegen ihn, schuf Helheim und band die Seelen gefallener Vrykul an ihr eigenes Reich. Später schloss sie sich Zovaal an. In Desmotaeron brachte sie ihre Kvaldir und andere Diener mit den Truppen des Schlunds zusammen. Ihre Anwesenheit verband den alten Streit um die Seelen der Vrykul unmittelbar mit dem Krieg des Kerkermeisters.
An ihrer Seite stand Baron Vyraz aus Maldraxxus. Er hatte den Sitz der Auserwählten verraten, den Primus aus dem Weg räumen helfen und seine eigene politische Stellung über die Verteidigung seines Reiches gestellt. Während Maldraxxus unter innerem Verrat zerfiel, führte Vyraz seine Truppen in den Schlund. Desmotaeron wurde so zum Sammelplatz zweier Verräter, deren Entscheidungen aus sehr unterschiedlichen Geschichten hervorgegangen waren, die nun aber demselben Herrn dienten.
Der Primus kehrt in den Krieg zurück
Die Lage veränderte sich, als der Runenmetz seine Erinnerungen zurückgewann. Hinter dem gefolterten Gefangenen in Torghast verbarg sich der Primus, der vermisste Anführer von Maldraxxus. Zovaal hatte ihn gezwungen, Waffen und Herrschaftsmagie für den Schlund zu schmieden. Nach seiner Befreiung kehrte der Primus nicht in ein unversehrtes Reich zurück. Er fand Maldraxxus geschwächt und Vyraz offen im Dienst des Feindes. Der Angriff auf Desmotaeron wurde deshalb auch zu einer Abrechnung mit dem Verrat in den eigenen Reihen.
Die vereinten Streitkräfte der Pakte rückten gegen die Festung vor. Maldraxxische Soldaten durchbrachen die Verteidigung, während ihre Verbündeten Helyas und Vyraz' Truppen banden. Der Primus stellte Helya und verbannte sie nach Helheim zurück. Vyraz fiel im Kampf. Mit ihm verlor Zovaal einen wichtigen Verbündeten, und Maldraxxus konnte beginnen, seinen eigenen Siegelstein neu zu erschaffen, ohne dass der Verräter erneut eingriff.
Der Weg zum Sanktum wird frei
Die Einnahme Desmotaerons beendete den Krieg im Schlund nicht. Über der Festung lag weiterhin das Sanktum der Herrschaft, in dem Zovaal seine Gefangenen, Waffen und gestohlenen Siegel sammelte. Doch die Niederlage Helyas und Vyraz' nahm ihm zwei Stützen seiner Macht. Zugleich bewies der Sieg, dass die Pakte nicht länger getrennt auf ihre eigenen Reiche beschränkt waren. Sie konnten gemeinsam bis an die Mauern seines Machtzentrums vordringen.
Desmotaeron steht deshalb zwischen Korthias Entführung und dem Angriff auf das Sanktum. Der Ort erklärt, wie aus einer Reihe einzelner Rettungsversuche eine organisierte Offensive wurde. Hier begegneten sich Helyas jahrtausendealte Feindschaft mit Odyn, Vyraz' Verrat an Maldraxxus und die Rückkehr des Primus. Erst nachdem diese Linien in der Festung zusammenliefen und entschieden wurden, war der Weg zur nächsten Auseinandersetzung mit Zovaal offen.