Ein Oger ohne eigenen Namen
In den unteren Vierteln von Hochfels lebte ein Oger, den kaum jemand als Person behandelte. Er war größer und stärker als die meisten seiner Art, sprach jedoch nur wenig und verstand die Welt vor allem durch Hunger, Schmerz und die Befehle seiner Aufseher. Die Bewohner nannten ihn schlicht den Schlächter. Ein anderer Name ist nicht überliefert, denn für seine Herren zählte nicht, wer er war, sondern was sein Körper leisten konnte.
Die Gorianer rühmten Hochfels als Zentrum einer hochentwickelten Ogerkultur. In den oberen Hallen studierten Magier arkane Runen, Adlige handelten um Einfluss und Imperator Mar'gok regierte über ein weit verzweigtes Reich. Doch derselbe Hof hielt in seinen Elendsvierteln Wesen wie den Schlächter gefangen. Die Pracht der Stadt ruhte deshalb auch auf einer Ordnung, die Stärke bewunderte und Schwächere bedenkenlos verbrauchte.
Vom Gefangenen zur Attraktion
Seine Größe machte den Oger für die Arena wertvoll. Dort musste er Tiere, Gefangene und schließlich jeden zerreißen, den man vor ihn brachte. Zwei gewaltige Fleischerbeile wurden zu seinen Werkzeugen. Die Zuschauer sahen in ihm keine tragische Gestalt, sondern eine Attraktion, deren Blutdurst ihnen die Macht Hochfels' vor Augen führen sollte.
Ob er schon vor seiner Gefangenschaft gewalttätig gewesen war, lässt sich kaum noch trennen von dem, was die Arena aus ihm machte. Jahre der Einsperrung und ständigen Kämpfe ließen ihm keinen Raum für ein anderes Leben. Wenn er losgelassen wurde, tat er genau das, wofür man ihn gehalten, gefüttert und bestraft hatte. Die Verantwortung lag deshalb nicht nur bei dem Koloss auf dem Sand, sondern auch bei jenen, die seine Gewalt planmäßig gezüchtet hatten.
Hochfels wird zum Kriegsschauplatz
Als die Streitkräfte aus Azeroth Hochfels angriffen, war Kargath Messerfaust bereits in der Arena gefallen. Der Hof verlor damit den Kriegshäuptling, den die Eiserne Horde als Verbindung zum Gorianischen Reich benutzt hatte. Die Tore blieben dennoch verschlossen, und der Schlächter wurde in den Weg der Eindringlinge getrieben.
Er verteidigte weder Imperator Mar'goks politische Pläne noch die Zusammenarbeit mit der Eisernen Horde aus eigener Überzeugung. Er kannte diese Zusammenhänge wahrscheinlich nicht. Für ihn setzte sich nur die alte Abfolge fort: Eine Tür öffnete sich, Aufseher bestimmten einen Feind, und Gewalt war die einzige Antwort, die man ihm gelassen hatte.
Das Ende in der ummauerten Stadt
Der Schlächter stürzte sich mit einer Schnelligkeit in den Kampf, die seinem schwerfälligen Körper widersprach. Seine Beile trafen nicht aus militärischer Präzision, sondern aus jahrelang eingeübter Vernichtung. Doch außerhalb der kontrollierten Regeln der Arena reichte rohe Kraft nicht aus. Gemeinsam konnten seine Gegner standhalten und den Koloss zu Fall bringen.
Sein Tod veränderte die Politik Draenors nicht unmittelbar. Er öffnete jedoch den Weg tiefer in Hochfels und zeigte, was hinter den prunkvollen Mauern verborgen lag. Das Gorianische Reich hatte Wissen, Handel und Architektur hervorgebracht, zugleich aber Menschen und Oger in Werkzeuge verwandelt. Der Schlächter war eines der deutlichsten Opfer dieser Herrschaft.
Was von ihm blieb
Vom Schlächter blieben keine Reden, kein Clan und keine eigenen Pläne zurück. Gerade diese Leere gehört zu seiner Geschichte. Andere hatten ihm einen Zweck gegeben, bis von seinem früheren Leben kaum etwas erinnerbar war. Er erscheint in den Chroniken nur als Gegner, weil Hochfels ihm jede andere Rolle genommen hatte.
Sein Platz im Feldzug gegen das Gorianische Reich erinnert daran, dass nicht jeder Feind aus Ehrgeiz oder Bosheit handelt. Manche werden durch Gefangenschaft, Ausbeutung und jahrelange Gewalt zu einer Gefahr geformt. Der Sieg über den Schlächter war notwendig, aber er war kein Triumph über einen selbstgewählten Tyrannen. Er beendete das Leiden eines Wesens, das von den Tyrannen der Stadt erschaffen worden war.