Der Weg nach Der Immergrüne Flor
Im Immergrünen Flor zeigte Gorgrond, dass Leben ebenso erbarmungslos erobern konnte wie Feuer oder Eisen. Die Botani überwucherten einen Außenposten der Kirin Tor und fanden dort ein instabiles Portal nach Azeroth. Zwischen Sporen, Ranken und uralten Pflanzenriesen entschied sich deshalb nicht nur das Schicksal einiger Magier, sondern auch, ob Draenors ungebremstes Wachstum bis vor die Tore Sturmwinds gelangen würde. In Bleichborke nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Bleichborke stand tief in den Wäldern Gorgronds, lange bevor fremde Portale und eiserne Bahnen die Landschaft zerschnitten. Um ihn wuchs Leben, starb ab und kehrte in anderer Gestalt zurück. Was für Sterbliche ein Zeitalter bedeutete, war für ihn nur eine weitere Bewegung im großen Kreislauf. Aus dieser Dauer entstand keine Milde, sondern eine Gelassenheit, die kurze Leben kaum als gleichwertig wahrnahm.
Eine alte Schlange in neuer Haut
Die Eiserne Horde beeindruckte ihn nicht. Rüstung, Rauch und neue Maschinen erschienen Bleichborke als bloße Wiederholung eines vertrauten Musters: Eine junge Macht hielt sich für unvergänglich, weil sie ihre eigene Grenze noch nicht erlebt hatte. Auch die Fremden, die den Orcs nach Draenor folgten, würden seiner Überzeugung nach verschwinden. Der Wald musste nur länger warten als sie.
Während die Botani den Kirin-Tor-Außenposten überwucherten, lag Bleichborke auf ihrem Weg. Er war kein Soldat mit Rang und Befehl, sondern eine Verkörperung des Waldes, der verlorenen Boden zurücknahm. Wurzeln hoben sich unter Stein, Ranken brachen durch angelegte Wege. Für die Magier bedeutete dies Invasion; für Bleichborke war es die Berichtigung eines kurzen menschlichen Eingriffs.
Wasser im alten Holz
Seine Macht war dennoch an einen einfachen Stoff gebunden. Im Kampf verbrauchte Bleichborke die wässrige Energie in seinem Körper, bis die Rinde trocken und brüchig wurde. Dann verwurzelte er sich und rief Wasser aus dem nahen See zu sich. Kleine Wassergebilde wanderten über den Boden, als folgte der ganze Ort dem Durst des uralten Baums.
Solange die Wassergebilde ihn erreichten, schloss sich der Kreislauf und seine Kraft kehrte zurück. Wurden sie vorher zerstört, blieb Bleichborkes ausgedörrte Rinde verwundbar. Ausgerechnet ein Wesen, das Äonen überstanden hatte, konnte in einem kurzen Zustand zwischen Verbrauch und Erneuerung getroffen werden. Dauer bedeutete nicht Unverletzlichkeit; sie beruhte auf wiederholter Versorgung.
Der Wald verliert einen Alten
Bleichborke fiel, obwohl er die Eindringlinge für vorübergehende Erscheinungen gehalten hatte. Vielleicht behielt er im größten Maßstab sogar recht: Reiche vergehen schneller als Wälder. Für diesen Augenblick jedoch war sein Tod entscheidend. Der Weg in den Immergrünen Flor öffnete sich, und die Verfolger konnten tiefer zu jenen vordringen, die das Portal nach Azeroth bereits in ihre lebende Eroberung einbezogen.