Ein Meer aus dem Leib eines Riesen
Das Zangarmeer lag im Herzen Draenors. Seine Küsten berührten den Frostfeuergrat im Norden, Gorgrond im Osten, Talador im Süden und Nagrand im Westen. Es verband damit Regionen, die klimatisch und kulturell sehr verschieden waren. Für Reisende, Händler und wandernde Tiere war das Meer eine natürliche Grenze und zugleich ein Weg zwischen den Ländern. Seine auffälligsten Bewohner waren jedoch keine Völker, sondern gewaltige Pilze, deren Hüte wie Inseln über dem Wasser standen.
Diese Pilzwälder gingen auf Zang zurück, einen der großen Sporenhügel der Frühzeit. Sporenhügel waren keine gewöhnlichen Pflanzen. Sie waren riesige, miteinander verbundene Lebensformen, die Draenor überwucherten und andere Geschöpfe in ihr Wachstum einbanden. Aggramars Schöpfung Grond und dessen Nachkommen brachen ihre Herrschaft, doch Zangs Tod beendete seinen Einfluss nicht. Aus seinem zerfallenden Körper entstand das Meer, und seine Sporen lebten in Wasser, Schlamm und Küsten weiter. Das Zangarmeer war deshalb zugleich Landschaft und Überrest eines uralten Wesens.
Die langsame Ausbreitung der Pilze
Über Flüsse und feuchte Niederungen drangen die Pilze immer weiter ins Landesinnere. Im Norden schob sich das Meer an den Frostfeuergrat heran, im Süden entstanden in Talador sumpfige Buchten wie Zangarra. Auch Nagrands Küsten wurden von Sporen und riesigen Gewächsen geprägt. Diese Ausbreitung war kein plötzlicher Angriff. Sie vollzog sich über Generationen, indem Pilze neue Böden erschlossen, Tiere anzogen und andere Pflanzen verdrängten. Für die Bewohner Draenors wirkte sie deshalb lange wie ein natürlicher Wandel, obwohl in ihr dieselbe ungebändigte Lebenskraft fortbestand, die einst ganze Kontinente hatte verschlingen wollen.
Draenei und Orcs nutzten die Küsten auf unterschiedliche Weise. Die Draenei legten Wege und Siedlungen an, ohne das Meer vollständig zu beherrschen. Orcclans kannten Jagdgründe und Übergänge. Keines der Völker konnte jedoch bestimmen, wohin sich das Pilzgeflecht als Nächstes ausdehnte. Das Zangarmeer erinnerte sie daran, dass Draenor nicht nur von politischen Reichen geformt wurde. Unter jedem Streit um Grenzen arbeitete eine ältere Natur weiter, langsam genug, um unterschätzt zu werden, und stark genug, ganze Landschaften zu verwandeln.
Wie aus dem Meer die Zangarmarschen wurden
Als Draenor zerbrach, veränderten sich Küsten, Höhen und Wasserläufe. Ein großer Teil des Zangarmeers verschwand; andere Bereiche wurden angehoben oder voneinander getrennt. Die Pilze überlebten die Katastrophe besser als viele Städte. Ohne die alten Grenzen des Binnenmeeres breiteten sie sich über die feuchten Reste aus. Aus diesem Prozess entstanden die Zangarmarschen der Scherbenwelt, ein Land aus flachem Wasser, gewaltigen Pilzen und wenigen trockenen Inseln.
Später griff Lady Vashjs Naga in diesen Kreislauf ein. Sie pumpten Wasser ab, errichteten den Echsenkessel und bedrohten damit alle Bewohner der Marschen. Wer die Zangarmarschen nur in diesem Zustand kennt, sieht das Endergebnis mehrerer Umbrüche: den toten Sporenhügel, Jahrtausende des Wachstums, den Zerfall Draenors und schließlich die künstliche Austrocknung durch die Naga. Das Zangarmeer verbindet diese Schichten. Es zeigt, dass selbst eine vertraut wirkende Landschaft der Scherbenwelt aus einer langen Geschichte von Leben, Zerstörung und Anpassung hervorgegangen ist.