Der Weg nach Düsterbruch
Düsterbruch war einst Eldre'Thalas, das abgeschiedene Archiv von Azsharas Hochgeborenen. Im Westflügel überlebten die Shen'dralar den Großen Bruch, indem sie Immol'thar in einem Feld aus fünf Pylonen fesselten und seine Energie für Magie und Unsterblichkeit aussaugten. Als der Dämon schwächer wurde, verwandelte Prinz Tortheldrin den eigenen Hof in eine Auswahl zwischen Gehorsam, Mord und einem Tod, der selbst die Seele nicht freigab. In Illyanna Rabeneiche erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Illyanna kannte die Gärten, Wege und Gefahren Eldre'Thalas' besser als fast jeder andere Hofangehörige. Mit Ferra an ihrer Seite wurde sie zu Tortheldrins wertvollster Jägerin. Ihre Stellung beruhte nicht nur auf Treffgenauigkeit. Eine gute Jägerin liest Spuren, schützt eine Gemeinschaft und weiß, wann Verfolgung Leben erhält statt es sinnlos zu beenden.
Der Befehl gegen die eigenen Freunde
Als Immol'thars Energie schwand, ordnete Tortheldrin die Tötung vieler Shen'dralar an. Auch Illyanna sollte Menschen jagen, mit denen sie gelebt hatte. Hier endete ihre Loyalität zum Prinzen. Sie verweigerte den Befehl, nicht weil sie plötzlich schwächer geworden war, sondern weil ihre Fähigkeiten nie dafür gedacht waren, einen Hof für den Hunger seines Herrschers zu entvölkern.
Der Prinz tötete Illyanna und Ferra. Damit bestrafte er nicht nur die Jägerin, sondern auch den Gefährten, der zu ihrem Leben und ihrer Arbeit gehörte. Der Tod genügte ihm jedoch nicht. Illyannas Widerspruch sollte kein Beispiel für Befreiung werden.
Mit dämonischer Macht band Tortheldrin beide Seelen an ihre Leichname. Illyanna blieb eine untote Beschützerin der Ruine, die sie gegen den Willen ihres Herrschers hatte menschlich halten wollen. Die Strafe verdrehte ihre Entscheidung: Weil sie Freunde nicht töten wollte, musste sie fortan jeden angreifen, der sich dem Reich ihres Mörders näherte.
Ferra kämpft noch an ihrer Seite
Auch nach dem Tod blieb Ferra bei ihr. Illyanna schoss Salven, legte Fallen und verlangsamte Gegner, während der Bär heranstürmte und sie im Nahkampf schützte. Tortheldrin hatte ihre Körper versklavt, aber die Bindung zwischen Jägerin und Tier nicht getrennt. Das machte beide gefährlich und bewahrte zugleich den letzten ehrlichen Teil ihres früheren Lebens.
Illyanna konnte Tortheldrins Säuberung nicht verhindern. Ihre Weigerung endete in Tod und jahrtausendelanger Gefangenschaft. Dennoch unterscheidet sie sich grundlegend von Kalendris. Der Magister bewahrte sein Amt durch Gehorsam; Illyanna verlor Leben und Freiheit, weil sie eine Grenze zog. In einer Stadt, die fast alles moralische Maß dem Überleben geopfert hatte, war dieses Nein ein kleiner, dauerhafter Rest von Würde.