Unter den Wurzeln aufgewachsen
Orweyna wuchs in Harandar auf, in einer leuchtenden Wildnis aus Pilzen, Blättern und uralten Wurzelpfaden. Dort laufen die Wurzeln der Weltenbäume zusammen; auch Teldrassils Wurzeln fanden in dieser Tiefe ihre Wiege. Für die Haranir ist dieses Geflecht keine Straße zwischen fernen Orten. Es ist eine lebendige Ordnung, deren Stimmen gehört und deren Verletzungen bewacht werden müssen.
Amarakk war Orweynas engster Gefährte, Hagar eine Großmutter im weiteren Sinn ihrer Gemeinschaft. Doch die Ältesten hatten den Haranir strenge Grenzen gesetzt. Fremde an der Oberfläche sollten nichts von ihnen wissen, und selbst in der Tiefe banden Eide die Kundschafter an Schweigen. Schutz bedeutete für die Älteren, verborgen zu bleiben. Orweyna begann zu fürchten, dass Verborgenheit auch bedeuten konnte, eine wachsende Gefahr allein zu lassen.
Das Blut an den großen Wurzeln
Der Ruf ihrer Göttin Aln'hara führte Orweyna mit einer kleinen Gruppe nach Azj-Kahet. Dort sickerte Schwarzes Blut der Alten Götter durch die Tiefe und griff nach den großen Wurzeln. Andere Haranir hielten die seit Zeitaltern ruhende Substanz nicht für eine unmittelbare Bedrohung. Orweyna hörte in der Harmonie der Welt eine Dissonanz.
Sie zeigte Fremden die atmende Grube und half der arathischen Luftflotte, als nerubische Netze sie in die Tiefe rissen. Damit brach sie mehr als eine Gewohnheit. Sie setzte das Urteil der eigenen Sinne über den Eid, der ihre Gemeinschaft zusammenhielt. Ihre Offenheit war kein leichter Fortschritt. Jeder gerettete Fremde konnte später der Grund sein, aus dem die Ältesten alle Kundschafter noch strenger zurückriefen.
Allein dem Ruf folgend
In Heilsturz wurden Orweynas Gefährten von Wesen des Schwarzen Blutes überwältigt. Nach ihrer Rettung wollten sie nach Harandar zurückkehren und den Bruch der Tradition beenden. Orweyna bot an, die Verantwortung vor den Ältesten allein zu tragen. Ihre Freunde verließen sie nicht im Zorn, aber sie gingen, während ihre Visionen sie weiterführten.
Sie begegnete Alleria und Magni und schloss sich Gazlowe und Renzik an. Die Spur führte nach Lorenhall, wo Gallywix Schwarzes Blut lagerte und für seine Machtpläne nutzte. Zwischen Goblinmaschinen und Kartellherrschaft wirkte Orweynas Wurzelmagie fremd; die Gefahr war dieselbe. Was unter Azj-Kahet aus dem Boden sickerte, wurde hier abgefüllt, berechnet und verkauft.
Die Rückkehr nach Harandar
Später folgte Orweyna der Lichtblüte bis an die Oberfläche von Quel'Thalas. Das gewöhnlich harmlose, lichtdurchdrungene Wachstum war nach dem Aufflammen des Sonnenbrunnens wild geworden. Gemeinsam mit Arator schützte sie Dörfer und erkannte unter den veränderten Kreaturen Rutaani aus Harandar. Die Krankheit der Oberfläche kam aus ihrer verborgenen Heimat zurück.
Obwohl sie dort keine freundliche Aufnahme erwartete, führte sie Verbündete nach Harandar. Die Ältesten bestritten nicht nur ihre Entscheidungen; sie beharrten darauf, dass Aln'haras vermeintlicher Ruf kein Auftrag zur Öffnung sei. Orweyna erfuhr, dass die gehörte Stimme ein Echo war und die Göttin schon lange aus Harandar entfernt worden war. Gehorsam hätte diese Wahrheit nicht zurückgebracht. Nur der verbotene Weg zu Fremden hatte die Frage bis in den innersten Hain getragen.
Eine Hüterin öffnet keinen Besitz
Mit Amarakk durchquerte Orweyna die Kluft von Aln und gewann Alnstaub, der die Lichtblüte reinigen konnte. Als die Ältesten Hilfe für Quel'Thalas weiterhin verweigerten, standen Hagar und andere an ihrer Seite. Haranir, Rutaani und ihre neuen Verbündeten drängten das wuchernde Licht zurück. Danach traten Angehörige ihres Volkes offen vor Elfen und Trolle.
Orweynas Weg ist keine Geschichte darüber, wie eine verschlossene Kultur von außen belehrt werden musste. Sie selbst ist Haranir und handelt aus der Verantwortung für deren Heimat. Gerade deshalb weiß sie, dass Wurzeln keine Grenzen achten, die Älteste in Worte fassen. Eine Hüterin besitzt die Wurzel nicht. Sie folgt ihr dorthin, wo sie verletzt wird, und nimmt in Kauf, dass die Rückkehr schwieriger ist als das sichere Schweigen.