Ein Gefängnis für unsterbliche Feinde
Bevor Sargeras zum Vernichter von Welten wurde, jagte er im Auftrag des Pantheons Dämonen. Ihr Tod löste das Problem nicht dauerhaft, denn Wesen, deren Seelen an den Wirbelnden Nether gebunden waren, konnten sich dort neu bilden. Sargeras schuf deshalb Mardum, die Ebene der Verbannung. In dieses abgeschlossene Gefängnis sperrte er die Dämonen, die er besiegte, und entzog ihnen den Weg zurück in den Kosmos.
Mit jedem neuen Gefangenen wuchs der Druck. Teufelsenergie und zahllose bösartige Willen drängten gegen die Grenzen der kleinen Gefängniswelt, die im Dunklen Jenseits wie ein grün brennender Stern erschien. Unter den Eingeschlossenen erhob sich Ulthalesh zu einem mächtigen Herrscher. Mardum war damit kein stiller Kerker. Es war ein zusammengepresstes Reich aus Hass, in dem Sargeras das Böse sammelte, ohne es zu verwandeln oder auszulöschen.
Der Wächter zerbricht die eigene Tür
Nachdem Sargeras von den Plänen der Leere und der möglichen Verderbnis schlafender Weltseelen erfahren hatte, verlor er den Glauben an die Arbeit des Pantheons. Er kam zu dem Schluss, ein toter Kosmos sei besser als einer unter der Herrschaft von Leerenfürsten. Für diesen Krieg brauchte er ein Heer. Also kehrte er zu Mardum zurück und zerbrach das Gefängnis, das er selbst geschaffen hatte.
Die freigesetzte Teufelsmacht verbrannte und veränderte Sargeras' titanische Gestalt. Den entkommenen Dämonen bot er keine Freiheit an, sondern eine neue Wahl zwischen Dienst und Vernichtung. Die meisten schlossen sich ihm an und wurden zum Kern der Brennenden Legion. Ulthalesh und andere, die sich widersetzten, wurden niedergemacht; ihre Seelen endeten in einer Sense. So entstand die Legion nicht aus einem Bündnis Gleichgesinnter, sondern aus einem Gefängnisausbruch, dessen Befreier sofort den Platz des Kerkermeisters einnahm.
Die zerbrochene Tiefe wird zur Festung
Mardum blieb nach seiner Zerstörung als zerklüftete, von Teufelsenergie durchdrungene Welt bestehen. Die Legion machte aus den Ruinen einen Stützpunkt. Brutmutter Tyranna herrschte dort über Dämonen, Gefangene und Kriegsmaschinen. Was einst verhindern sollte, dass dämonische Armeen immer wiederkehrten, half nun dabei, ihren Eroberungszug zwischen den Welten zu organisieren.
Im Zentrum dieser Macht lag der Sargeritschlüssel. Mit ihm ließen sich Portale zu Legionswelten öffnen, ohne auf die üblichen Grenzen und Vorbereitungen angewiesen zu sein. Das Artefakt machte Mardum zu mehr als einer weiteren Festung. Wer es eroberte, erhielt einen Weg durch das Netz des Feindes. Für Illidan Sturmgrimm war genau dies die Gelegenheit, die unüberwindlich wirkende Legion dort anzugreifen, wo sie sich sicher glaubte.
Der Feldzug der Illidari
Während Streitkräfte aus Azeroth den Schwarzen Tempel angriffen, sandte Illidan seine Dämonenjäger nach Mardum. Sie sollten Tyranna töten und den Sargeritschlüssel stehlen. Die Illidari kämpften sich durch die zerbrochene Welt, befreiten eigene Gefährten, nutzten dämonische Portale gegen ihre Besitzer und kaperten schließlich den Teufelshammer. Sie erfüllten ihre Aufgabe, während ihr Meister in der Scherbenwelt fiel.
Bei ihrer Rückkehr wurden die erschöpften Dämonenjäger von Maiev Schattensang gefangen genommen. Der Schlüssel blieb zunächst außer Reichweite, doch Mardum war nicht vergessen. Während der dritten Legioninvasion kehrten die befreiten Illidari zurück, machten den Teufelshammer zu ihrem Ordenssitz und hielten die Stellung gegen neue Angriffe. Die alte Gefängniswelt wurde nun von Kämpfern benutzt, die selbst jahrelang eingesperrt gewesen waren.
Eine Waffe aus den Ruinen eines Fehlers
Von Mardum aus sammelten die Illidari Verbündete und führten ihren Krieg gegen die Legion. Der Sargeritschlüssel wurde später Teil des Weges nach Argus, während der Teufelshammer als bewegliche Zentrale diente. In der Netheresse wurden sogar die Seelen dort getöteter Dämonen genutzt, um Waffen der Dämonenjäger zu stärken. Der Kampf gegen Sargeras griff damit auf dieselbe gefährliche Energie zurück, die Mardum einst bis zum Bersten gefüllt hatte.
Mardum ist deshalb weder nur Sargeras' Gefängniswelt noch nur ein Schauplatz des Illidari-Feldzugs. Der Ort verbindet zwei Versuche, Dämonen durch Beherrschung ihrer eigenen Macht zu besiegen. Sargeras sammelte sie ein und verwandelte den Kerker schließlich in eine Armee. Die Illidari nahmen Schlüssel, Schiff und Teufelsenergie an sich, um diese Armee zu zerschlagen. Ihr Erfolg war real, doch die Ruinen bewahren die Warnung: Wer den Feind in eine Waffe verwandelt, muss auch nach dem Sieg noch wissen, welche Hand diese Waffe führt.