Zwei Freunde an derselben Werkbank
Sicco Thermaplugg und Gelbin Mekkadrill kannten einander seit ihrer Jugend. Gelbin half Sicco durch die Universität, beschäftigte ihn später in seiner Gießerei und arbeitete mit ihm an Erfindungen. Zur gemeinsamen Abschlussfeier schenkte Sicco ihm eine Brille mit Mithrilrand, die Gelbin Jahrzehnte trug. Ihre Freundschaft war in Schrauben, Entwürfen und alltäglichem Vertrauen verankert.
Doch Sicco verglich ihre Anerkennung. Gelbins spontane Genialität zog Bewunderung an, während Sicco sich für die Arbeit dahinter übersehen fühlte. Gelbin schätzte ihn als einen der klügsten Gnome, hielt seine Berechnungen aber für ungeduldig und gefährlich ungenau. Er korrigierte Fehler heimlich und ließ Sicco trotzdem Ruhm. Was als Schutz eines Freundes gemeint war, wirkte auf Sicco wie weiterer Beweis, dass Gelbin ihm gönnerhaft jenen Platz zuteilte, der eigentlich ihm selbst zustand.
Neid, der jedes Geschenk umdeutet
Als Gelbin zum Hochtüftler gewählt wurde, sah Sicco darin keinen Erfolg eines Freundes. Er sah gestohlene Herrschaft. Gelbin nahm ihn dennoch in den Tüftlerrat auf und machte ihn zum engsten Berater. Jede neue Verantwortung hätte Vertrauen bestätigen können; in Siccos Erzählung wurde sie zur verspäteten Entschädigung. Selbst Anerkennung konnte seinen Neid nicht stillen, weil sie aus der Hand des Mannes kam, den er übertreffen wollte.
Sicco stahl außerdem Baupläne von Oglethorpe Obnoticus, baute daraus einen größeren Roboter und sorgte dafür, dass der eigentliche Erfinder verbannt wurde. Das Muster war bereits vollständig: Wenn die Wirklichkeit Siccos Größe nicht bestätigte, veränderte er Beweise, nahm fremde Leistung oder schob anderen die Schuld zu. Gnomischer Erfindergeist, der durch Prüfung und Zusammenarbeit sicher wurde, erschien ihm als Bühne für einen einzigen Namen.
Die Rechnung mit den Toten
Als Troggs Gnomeregan überrannten, hielt Gelbin die Krise vor der Allianz geheim, um deren Krieg nicht weiter zu belasten. Nach Jahren brachen die Angreifer in gefährliche Bereiche vor. Sicco schlug vor, die unteren Hallen mit Strahlung zu fluten. Er legte gefälschte Berechnungen vor, nach denen das Gas unten bleiben und seine Filter die Bevölkerung schützen würden.
In Wahrheit wollte er, dass etwa dreißig Prozent der Gnome starben. Die Toten sollten Gelbin angelastet werden; Sicco plante anschließend die Troggs zu besiegen und als Retter zum Hochtüftler gewählt zu werden. Selbst in seinem Verrat behandelte er Leben wie eine technische Größe. Dreißig Prozent waren für ihn keine Familien und Freunde, sondern eine statistisch ausreichende Menge, um die öffentliche Meinung in die gewünschte Richtung zu bewegen.
Gnomeregan erstickt
Die Strahlung stieg durch die gesamte Stadt und drang durch Siccos nutzlose Filter. Troggs wurden wilder, Gnome starben oder verwandelten sich in wahnsinnige Lepra-Gnome. Fast achtzig Prozent des Volkes kamen ums Leben, weit mehr als selbst Siccos mörderische Rechnung vorgesehen hatte. Die Überlebenden folgten weiterhin Gelbin und flohen nach Eisenschmiede. Der geplante politische Triumph blieb aus.
Auch Sicco wurde verstrahlt. Er sammelte Lepra-Gnome um sich und erklärte sich zum König Gnomeregans. Damit erhielt er schließlich den Titel, nach dem er verlangt hatte, aber nur über den verseuchten Rest einer Stadt, die er selbst zerstört hatte. Seine Maschinen liefen weiter, seine Versuche blieben hastig, und selbst die Kreaturen in den Hallen fürchteten ihn. Der Thron bewies nicht seine Größe. Er machte sichtbar, was von einer Gemeinschaft übrig bleibt, wenn Führung nur noch Besitz am höchsten Sitz bedeutet.
Der Hof des falschen Königs
Der Weg durch Gnomeregan machte Siccos Verrat Raum für Raum sichtbar. Grubbis war durch das Gas zu einem Riesen angeschwollen und streifte mit seinem Basilisken Mümmler durch die Tunnel. In den Wasserwegen litt ein Elementar als Verflüssigte Ablagerung, weil die Verseuchung selbst seine flüssige Gestalt durchdrungen hatte. Keiner von ihnen musste Siccos politische Absicht verstehen. Ihre Körper genügten als Beweis dafür, dass er jede Folge seiner Tat entweder zur Waffe erklärte oder in den Hallen zurückließ.
Weiter innen erzählten die Maschinen von einem älteren Muster. Der Elektrokutor 6000 schickte seine Fahrer in einen kaum erprobten Mechanopanzer, während der Meuteverprügler 9-60 auf Bauplänen beruhte, die Sicco Glotz Widrikus gestohlen hatte. Widrikus war für die Folgen der Fälschung verbannt worden. Selbst ein Botschafter der Dunkeleisenzwerge hielt sich in den Ruinen auf und deutete Bündnisse an, deren genauer Umfang nie vollständig offengelegt wurde. Siccos Reich bestand damit aus mutierten Opfern, gestohlener Arbeit, gefährlichen Versuchen und Beziehungen, die nur im Schatten bestehen konnten.
Im Tüftlerhof schloss sich dieser Weg um den selbsternannten König. Bomben und Alarmknöpfe machten seine letzte Kammer zu einer Maschine, in der jeder Fehler weitere Vernichtung auslösen konnte. Nach seinem Fall blieb mit Endgenieur Omegadraht sogar eine verborgene, übermächtige Dampfrüstung zurück, die erst durch einen unscheinbaren Knopf geweckt wurde. Der falsche Hof zeigte deshalb nicht nur, wie Sicco herrschte. Er zeigte, was seine Herrschaft unter Größe verstand: Alles durfte explodieren, solange er als Letzter behaupten konnte, die Zündung sei sein Werk gewesen.
Der König von nichts
Gelbin schickte Helden gegen seinen früheren Freund. Zunächst blieb unklar, ob nur eine mechanische Nachbildung Thermapluggs gefallen war; spätere Angriffe beendeten seine Herrschaft. Die oberen Bereiche Gnomeregans konnten zurückgewonnen werden, während tiefere Hallen weiterhin die Strahlung tragen. Eine Stadt heilt langsamer als ihr Verräter stirbt.
Für Gelbin blieb neben Trauer die Unbegreiflichkeit, dass ausgerechnet ein Gnom das eigene Volk für Macht opfern konnte. Gnomeregan hatte auf gegenseitiges Vertrauen gebaut, weil komplizierte Maschinen und enge unterirdische Räume ohne Verlässlichkeit tödlich werden. Sicco nutzte genau dieses Vertrauen als Zugang zur Katastrophe. Seine Geschichte warnt deshalb nicht vor Ehrgeiz allein. Sie warnt vor einem Gnom, der jede Freundschaft als Wettbewerb liest, bis selbst ein Geschenk nur noch Material für die Anklage ist, der andere habe ihm das Leben gestohlen, das er zu verdienen glaubt.