Ehre und StärkeBlackmoore
Eranog
Bosse

Eranog

Eranog bewachte einst Valdrakkens Südtor, ehe er es den Primalisten auslieferte. Im Gewölbe der Inkarnationen opferte der frühere Beschützer selbst seine treuesten Kämpfer der Macht.

Der Wächter am Südtor

Eranog war ein roter Drakonid und stand einst im Dienst Valdrakkens. Als Kommandant der Garnison am Südtor trug er Verantwortung für einen Zugang zur Stadt der Drachen. Wer dort Wache hielt, bewachte nicht nur Mauern. Nach Jahrtausenden der Abwesenheit sollte er eine Ordnung schützen, die mit den zurückkehrenden Drachenschwärmen wieder lebendig werden wollte.

Über die Jahre vor seinem Verrat ist wenig überliefert. Gerade deshalb wiegt sein Amt so schwer. Eranog war kein Fremder, der die Verteidigung erst von außen studieren musste. Er kannte Befehlswege, Wachposten und jene Personen, die ihm vertrauten. Der spätere Angriff begann daher mit einem Verlust, den kein Stein abfangen konnte: Der Kommandant selbst hatte die Seite gewechselt.

Ein Tor wird von innen geöffnet

Als Primalisten die Garnison bedrängten, stellte sich heraus, dass Eranog sie nicht abwehren wollte. Er hatte Valdrakken verraten und überließ den Angriff am Südtor Magmatalon. Verwundete Wächter mussten begreifen, dass die Streitmacht vor ihnen von demjenigen hereingeführt worden war, dessen Name bis eben noch Sicherheit bedeutet hatte.

Die Quellen nennen Eranogs Streben nach Macht, nicht aber jedes Gespräch, das ihn zu den Primalisten führte. Sein Verrat lässt sich deshalb nicht redlich mit einer erfundenen Bekehrung ausschmücken. Sichtbar ist das Ergebnis: Aus dem Hüter einer Grenze wurde ein Befehlshaber, der die Kenntnis seiner früheren Gemeinschaft gegen sie wandte. Kritik an titanischer Ordnung mag viele Primalisten bewegt haben; Eranog machte daraus einen persönlichen Aufstieg.

Feuer vor dem Gefängnis

Im Gewölbe der Inkarnationen übernahm Eranog die erste Verteidigung des primalistischen Vormarschs. Hinter ihm lag das Gefängnis Raszageths und ihrer Geschwister, vor ihm sammelten sich jene, die eine erneute Herrschaft der Inkarnationen verhindern wollten. Er kämpfte mit einer geschmolzenen Axt, öffnete Flammenrisse und ließ elementares Feuer über den Boden kriechen.

Seine größte Waffe war jedoch eine Armee, die ihm ergeben folgte. Flammenschuppen-Tarasek und lebendige Brände schlossen seine Gegner ein. Der Abenteuerführer hält ausdrücklich fest, dass Eranog nicht zögern würde, selbst seine hingebungsvollsten Anhänger für den Sieg zu opfern. Damit zeigte der neue Kommandant früh, welche Freiheit seine Bewegung unter seiner Führung versprach: Er hatte einen Herrn verlassen und behandelte die eigenen Gefolgsleute bereits wie verbrauchbare Glut.

Diurnas verlorener Sohn

Für Bruthüterin Diurna war Eranog mehr als ein Offizier. Sie hatte ihn als Sohn angenommen. Als seine Bezwinger tiefer in das Gewölbe vordrangen, erkannte sie an ihrem Erscheinen, dass er gefallen sein musste. Was für die Angreifer das erste überwundene Hindernis gewesen war, war für sie der Tod eines Kindes.

Diese Bindung entschuldigt weder Verrat noch Opferbereitschaft. Sie verhindert aber, dass Eranog zu einer gesichtslosen Wache am Eingang schrumpft. Diurnas Trauer verwandelte ihren Schutz der primalistischen Brut in Rache. So setzte sein Tod die Gewalt fort, die sein Leben im Gewölbe bereits angetrieben hatte: Ein persönlicher Verlust wurde nicht betrauert, sondern sofort in den nächsten Kampf gegossen.

Die kurze Spur eines Verräters

Eranog fiel, bevor Raszageth besiegt wurde und lange bevor Fyrakk, Iridikron und Vyranoth ihre verschiedenen Wege offenbarten. Er erlebte nicht, wie die gemeinsame Anklage der Inkarnationen in Machtgier, Zweifel und neue Bündnisse zerfiel. Sein kleinerer Teil der Geschichte enthält diesen Bruch dennoch schon im Voraus.

Der frühere Torwächter suchte bei den Primalisten eine mächtigere Stellung und endete als Torwächter eines anderen Systems. Er verteidigte erneut Mauern, führte erneut Untergebene und verlangte erneut Gehorsam. Nur das Banner und das Element hatten sich verändert. Eranogs Geschichte ist darum keine große Lebenschronik, sondern ein scharfes Bild des Verrats: Wer jede Bindung als Fessel verwirft, kann am Ende genau jene Herrschaft nachbauen, von der er sich angeblich befreien wollte.