Der Weg nach Thron der Gezeiten
Im Abyssischen Schlund lag Neptulons Reich wie ein Palast aus Strömung, Muschel und uralter elementarer Gewalt. Als die Naga im Auftrag dunkler Mächte einfielen, wurde der Thron der Gezeiten zum Mittelpunkt eines Krieges um das Meer selbst. Wer seine Hallen betrat, folgte keiner gewöhnlichen Belagerung, sondern einer Spur aus geraubtem Willen, verseuchtem Wasser und einem Elementarfürsten, den seine Feinde lebend brauchten. In Geistbeuger Ghur'sha nahm ein eigener Teil dieses Angriffs Gestalt an.
Erunak Steinsprecher war ein Schamane des Irdenen Rings. Am Wirbelnden Abgrund stellte er sich den Kräften entgegen, die Vashj'ir und Neptulons Reich bedrohten. Sein Mut machte ihn jedoch nicht unverwundbar. Die Naga nahmen ihn gefangen und brachten ihn tiefer in den besetzten Thron der Gezeiten.
Ein Parasit findet einen mächtigen Wirt
Ghur'sha war klein im Vergleich zu den gewaltigen Wesen der Tiefe, doch seine Macht brauchte keinen großen Körper. Der Geistbeuger setzte sich auf Erunaks Kopf und drang in seinen Willen ein. Manche Überlieferungen nennen diese Parasiten Kinder Ozumats. Sicher ist, dass Ghur'sha nicht nur Fleisch suchte, sondern einen fremden Geist als Tür zu bereits erlernter Macht benutzte.
Unter der Kontrolle des Parasiten schleuderte Erunak Erdsplitter, Feuer und Glut gegen jene, die ihn retten wollten. Jede Fähigkeit war ursprünglich aus einem Verhältnis zu den Elementen erwachsen. Nun wurde sie ohne seine Zustimmung gesprochen. Ghur'shas Grausamkeit lag gerade darin, dass er einen guten Mann nicht zum Schweigen brachte, sondern dessen eigenes Können zur Waffe gegen Freunde machte.
Der Wirt darf nicht sterben
Die erste Hälfte des Kampfes verlangte Zurückhaltung. Erunak musste geschwächt werden, damit Ghur'sha seinen Halt verlor, doch sein Tod hätte nur dem Opfer die letzte Möglichkeit zur Rückkehr genommen. So wurde jeder Schlag zu einer schwierigen Form der Hilfe: stark genug, den Parasiten zu lösen, und begrenzt genug, den Menschen darunter nicht mit ihm zu vernichten.
Als Ghur'sha Erunak verlassen musste, suchte er sofort einen neuen Körper. Er sprang auf andere Menschen, übernahm ihre Bewegung und zwang Gefährten, den Besessenen anzugreifen. Der Parasit machte Vertrauen unsicher. Für wenige Augenblicke konnte dieselbe Person, die eben noch gerettet hatte, zum Werkzeug des Feindes werden, ohne selbst diese Entscheidung getroffen zu haben.
Eine Schale gegen Gedanken
Von seinem Wirt getrennt, schützte Ghur'sha sich mit einer Hülle, die erlittenen Schaden in eigene Heilung verwandelte. Zugleich ließ er geistige Qual durch den Raum dringen. Der Körper des Parasiten war verletzlich, doch seine stärkste Verteidigung bestand weiterhin darin, die Handlungen anderer umzudeuten und ihre Kraft gegen sie selbst zu verwenden.
Mit Ghur'shas Tod erhielt Erunak seinen Körper zurück. Die Rettung löschte nicht aus, was durch seine Hände geschehen war, doch sie gab ihm wieder die Urheberschaft über den nächsten Schritt. In einem Palast, dessen Feinde Neptulon selbst versklaven wollten, war diese kleine Rückgabe des eigenen Willens mehr als ein persönlicher Sieg. Sie widersprach dem ganzen Plan der Invasoren.