Der Weg nach Der Tiefenpfuhl
Unter Nazmir sickerte G'huuns Verderbnis aus Uldir in ein Geflecht aus Höhlen, Blut und wucherndem Pilzleben. Im Tiefenpfuhl war Fäulnis keine Spur mehr, sondern ein eigener Lebensraum. Blutkulte, befallene Tiere und wandelnde Körper bereiteten eine Seuche vor, die nicht in der Dunkelheit bleiben sollte. In Sporenrufer Zancha nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Zancha war von G'huun so vollständig verdorben worden, dass in seinem belebten Leichnam nur ein Wunsch übrigblieb: die Fäulnis weiterzutragen. Ob der frühere Mensch andere Namen, Bindungen oder Ziele besessen hatte, spielte für die Kreatur keine Rolle mehr. Die Seuche bewegte seine Glieder und sprach durch einen Körper, dessen Vergangenheit nur noch Material war.
Überall in der Höhle ließ Zancha Kapseln wachsen. Jede einzelne wartete auf Berührung oder Reife. Der Raum füllte sich nicht schlagartig, sondern Stück für Stück, bis sichere Wege verschwanden. So arbeitete Fäulnis am wirksamsten: nicht als ein großer Angriff, sondern als stetige Vermehrung, die jedes Zögern in weiteren Nährboden verwandelte.
Die faulige Ernte
Sobald Zancha genug Kraft gesammelt hatte, ließ er alle verbliebenen Sporen gleichzeitig platzen. Was zuvor nur unbequeme Hindernisse gewesen waren, wurde zur gemeinsamen Vergiftung. Je mehr Kapseln die Gruppe übersehen hatte, desto schwerer traf die Ernte. Der Kampf bestrafte nicht einen einzigen Fehler, sondern die Summe kleiner Unterlassungen. Jede unzerstörte Spore war eine Schuld, die später mit Zins zurückkehrte.
Zanchas mächtiger Schlag konnte Sporenkapseln vernichten. Die Gefährten mussten ihn so ausrichten, dass seine eigene Kraft das wachsende Feld traf. Wie bei Rothakens Bomben wurde der Angriff des Feindes zum Werkzeug gegen seine Umgebung. Doch hier ging es nicht um Ironie, sondern um Reinigung: Jeder richtig gelenkte Stoß nahm G'huuns Fäulnis einen künftigen Ort zum Aufbrechen.
Auch einzelne Zielmarkierungen ließen den Boden aufbrechen und konnten Sporen zerstören, wenn niemand unachtsam im Weg stand. Die Gruppe schrieb damit sichere Linien durch ein immer dichteres Feld. Nähe, Abstand und Zeitpunkt mussten zusammenpassen. Ein unbedachter Helfer konnte vergiftet werden; ein gut gesetzter Angriff verwandelte drohende Ernte in eine Reihe leerer Hüllen.
Der Leichnam kennt keine Selbsterhaltung
Zancha verteidigte die Sporen nicht wie ein Gärtner. Er schleuderte Kräfte, die sie selbst zerreißen konnten, solange auch lebende Gegner litten. Darin zeigte sich die Verschwendung von G'huuns Fäulnis. Sie wollte nicht dauerhaft ordnen oder bewahren. Sie wollte wachsen, platzen und erneut wachsen. Einzelne Körper und Kapseln waren entbehrlich, wenn ihr Ende nur neue Verderbnis hinterließ.
Zanchas Fall nahm der Seuche einen weiteren Träger. Dahinter wartete kein Priester und kein erinnerbarer Körper mehr. Die Entfesselte Monstrosität war Fäulnis in beinahe reiner Gestalt, geschützt durch eine Blutbarriere und verbunden mit Abbildern ihres eigenen Wesens. Der Weg durch den Tiefenpfuhl hatte alles Persönliche abgestreift. Übrig blieb nur noch der Drang, Leben zu infizieren.