Die Lichtblüte erreicht Harandar
Harandar war eine verborgene Welt aus Wurzeln, Pilzen und uralten Lebenskreisläufen. Als sich die Lichtblüte ausbreitete, wirkte sie zunächst wie neues Leben. Leuchtende Pflanzen brachen aus dem Boden, und ihre Energie zog sich durch die unterirdischen Wege des Landes. Doch ihr Wachstum kannte kein Maß. Es verdrängte bestehende Arten, veränderte vertraute Orte und folgte einer Ordnung, die nicht aus Harandar selbst stammte.
Orweyna erkannte früher als viele andere, dass Schönheit und Gefahr hier nebeneinanderstanden. Die Lichtblüte war kein gewöhnlicher Garten, den man nur pflegen musste. Sie hatte einen Ursprung und einen Willen, der sich in ihren Dienern zeigte. Um Harandar zu schützen, folgte Orweyna den Wurzeln bis in das blendende Tal.
Die Rutaani treten aus dem Garten
Im Tal lebten die Rutaani, Wesen, die aus der Lichtblüte hervorgegangen waren. Sie betrachteten Wachstum als höchste Wahrheit. Wo neues Leben entstand, sahen sie Bestätigung; wo etwas Altes weichen musste, erkannten sie kein Opfer, sondern notwendigen Raum. Diese Vorstellung machte Verhandlungen schwierig. Für die Rutaani war Begrenzung keine Fürsorge, sondern ein Angriff auf das, was sie für ihre Bestimmung hielten.
Ihre Ausbreitung war deshalb nicht bloß eine Wanderung. Sie trugen die Lichtblüte weiter und formten die Umgebung nach ihrem Bild. Andere Lebensformen sollten sich anpassen oder verschwinden. Das Tal zeigte, wie eine Macht des Lichts dieselbe Rücksichtslosigkeit entwickeln konnte, die man sonst mit Verderbnis verband: Nicht weil sie Leben hasste, sondern weil sie nur eine einzige Form von Leben gelten ließ.
Orweynas begrenzter Krieg
Orweyna wollte Harandar retten, ohne alles zu vernichten, was die Lichtblüte berührt hatte. Ihr Vorgehen war deshalb gezielt. Sie suchte nach den Wurzeln, die das Wachstum speisten, und nach jenen Rutaani, die seine Ausbreitung anführten. Jeder Angriff sollte eine Verbindung trennen, statt den gesamten Garten in Brand zu setzen.
Diese Zurückhaltung war kein Zeichen von Unsicherheit. Orweyna kannte den Wert lebendiger Systeme und wusste, dass eine brutale Säuberung neue Wunden hinterlassen hätte. Doch je tiefer sie in das Tal vordrang, desto deutlicher wurde, dass die Anführer der Rutaani jede Grenze ablehnten. Um den übrigen Garten zu bewahren, musste sie jene aufhalten, die Wachstum mit totaler Herrschaft gleichsetzten.
Ein Garten, der alles werden will
Im leuchtenden Garten erschufen die Rutaani Kreaturen und Magien, die ihrer Vorstellung einer vollkommenen Zukunft entsprachen. Licht und Natur waren dort nicht im Gleichgewicht. Das Licht trieb die Natur vor sich her, beschleunigte sie und entschied, welche Formen bestehen durften. Aus Vielfalt wurde eine einzige überwältigende Blüte.
Der Kampf im Tal richtete sich daher gegen mehr als einzelne Wächter. Er unterbrach ein System, das jedes Stück Land als noch ungenutzten Platz betrachtete. Die Rutaani wollten nicht zerstören, was sie berührten; sie wollten es verbessern. Gerade diese Gewissheit machte sie gefährlich, denn sie ließ keinen Raum für die Frage, ob Harandar ihre Verbesserung überhaupt wollte.
Nach der Blendung
Als die führenden Kräfte der Lichtblüte gefallen waren, verlangsamte sich ihre Ausbreitung. Das blendende Tal blieb verändert. Leuchtende Pflanzen, neue Kreaturen und Narben im Wurzelwerk ließen sich nicht einfach entfernen, ohne erneut Gewalt über das Land auszuüben. Orweynas Aufgabe bestand nun darin, ein Gleichgewicht zu finden, das weder die alte Welt künstlich wiederherstellte noch der Lichtblüte freie Herrschaft ließ.
Der Dungeon machte damit eine wichtige Seite von Midnight sichtbar. Licht war nicht automatisch die Antwort auf die Leere. Auch eine Kraft, die Leben hervorbrachte, konnte gefährlich werden, wenn sie keine Grenze anerkannte. Harandar wurde gerettet, weil Orweyna zwischen Heilung und Unterwerfung unterschied und bereit war, eine schöne Macht dort zu stoppen, wo sie alles andere erstickte.