Ein Herzog am Hof Denathrius'
Theotar gehörte zur venthyrischen Aristokratie Revendreths und kannte die Regeln eines Hofes, an dem Etikette ebenso tödlich sein konnte wie ein Schwert. Er schloss sich Prinz Renathals Widerstand gegen Denathrius an. Der Meister hatte Anima gehortet und die Seelen seines Reiches ausgebeutet, während die übrigen Schattenlande an Dürre litten. Als die Rebellion scheiterte, wurde Renathal in den Schlund geworfen. Theotar erhielt eine andere Strafe.
Denathrius verbannte ihn in den Glutbezirk, eine Landschaft, die vom Licht verbrannt worden war. Für Venthyr ist dieses Licht qualvoll. Es trocknet Körper und Geist aus, bis von den Verbannten nur ascheartige Kreaturen bleiben. Die Verbannung sollte Theotar langsam auslöschen.
Tee im Glutbezirk
Theotar überlebte mit seinen Schlickdienern Tubbins und Gubbins. Aus den knappen Zutaten des Bezirks bereiteten sie einen besonderen Tee, der Körper und Verstand zusammenhielt. Seine Teegesellschaften wirkten absurd, erfüllten aber eine ernste Aufgabe. Wo Denathrius seine Gegner durch Isolation brechen wollte, schuf Theotar Rituale, Gäste und Gespräch.
Die Qualen hinterließen Spuren. Theotar sprach sprunghaft, behandelte Schatten als Bekannte und begegnete Gefahr mit höfischer Begeisterung. Doch sein Wahnsinn machte ihn nicht unzuverlässig. Er erinnerte sich daran, wem er die Treue geschworen hatte, und wartete auf eine Möglichkeit, Renathals Aufstand fortzusetzen.
Rückkehr nach Sinfall
Als der Schlundgänger in den Glutbezirk kam, führte die verlorene Sybille ihn zu Theotar. Nach einer Reihe eigenwilliger Begegnungen half der Herzog, den Weg nach Sinfall zu öffnen. Dort fand er Renathal wieder. Die beiden begrüßten einander mit jener Mischung aus Zuneigung und Spott, die zeigte, dass ihre Verbindung älter als die gescheiterte Rebellion war.
Theotar trat erneut in Renathals Dienst. Er half, Verbündete unter den Höfen Revendreths zu gewinnen und den Einfluss der Medaillons der Ernter zu brechen. Seine Kenntnis höfischer Eitelkeiten war ebenso wertvoll wie militärische Stärke.
Die Krone der Ernter
Gemeinsam mit General Draven brachte Theotar die Medaillons nach Bastion. Mikanikos sollte daraus die Krone der Ernter schaffen, ein Gefäß, das ihre Macht vereinen konnte. Dabei mussten Theotar und Draven sich früheren Taten stellen, die sie unter Denathrius' Befehl begangen hatten. Widerstand machte ihre Vergangenheit nicht ungeschehen.
Da die Medaillons Essenz des Meisters enthielten, drohte dessen Einfluss den Träger zu überwältigen. In der Zitadelle der Treue wurde die Krone gereinigt und Renathal übergeben. Theotar half damit, eine neue Ordnung vorzubereiten, ohne so zu tun, als ließe sich der alte Hof einfach abschütteln.
Der Sinn seiner Verschrobenheit
Theotars Tee, Sonnenschirme und Schlickdiener sind keine bloße Komik neben Revendreths düsterer Geschichte. Sie sind seine Antwort auf eine Welt, in der Macht jede Beziehung in Rang und Schuld verwandeln will. Der Herzog bewahrt sich durch Rituale eine eigene Wirklichkeit, die Denathrius nicht vollständig kontrollieren konnte.
Seine Loyalität zu Renathal beruht deshalb nicht auf blindem Gehorsam. Theotar hat erlebt, wohin ein Hof führt, der nur dem Willen seines Meisters folgt. Er dient einer Rebellion, die Revendreth verändern soll, und erinnert sie mit jeder Teegesellschaft daran, dass ein Reich aus mehr besteht als Medaillons, Strafen und Anima. Selbst unter ewigen Toten kann eine gedeckte Tafel ein Akt des Widerstands sein.