Der Weg nach Terrasse der Magister
Auf der Insel von Quel'Danas wurde die Terrasse der Magister zur letzten Zuflucht Kael'thas Sonnenwanderers. Nach seiner Niederlage in der Festung der Stürme kehrte der Blutelfenprinz durch Delrissas Eingreifen und die Macht der Legion verändert zurück. Seine verbliebenen Anhänger hielten die Räume, während der Sonnenbrunnen nicht als Heiligtum, sondern als Tor für Kil'jaeden vorbereitet wurde. In Selin Feuerherz erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Bevor die grüne Glut seine Gedanken ausfüllte, galt Selin als angesehener Offizier. Er gehörte zu jenen Wächtern, die nicht nur einen Palast, sondern die Person des letzten Sonnenwanderers beschützten. Ein solcher Posten verlangte Können, Nähe und Vertrauen. Selin kannte Kael'thas nicht bloß als fernen Herrscher; sein Dienst richtete sich auf den Mann, dessen Sicherheit zum Mittelpunkt des eigenen Lebens geworden war.
Kael'thas führte seine Gefolgschaft von den Ruinen Quel'Thalas' durch die Scherbenwelt bis in den Dienst der Legion. An jeder dieser Grenzen hätten seine Leute umkehren können. Selin blieb. Selbst als aus Rettung Ausbeutung und aus dem Prinzen ein Werkzeug Kil'jaedens wurde, hielt er die Abkehr für den größeren Verrat. Seine Treue war so vollständig geworden, dass sie keinen Maßstab mehr außerhalb ihres Herrn besaß.
Die Kristallkammer
Auf der Terrasse umgaben Selin große, von Teufelsenergie erfüllte Kristalle. Sie waren Vorräte, Waffen und Versuchung zugleich. Anfangs mochte er ihre Kraft als Mittel verstanden haben, um seinen Posten gegen die Offensive der Zerschmetterten Sonne zu halten. Doch jeder Gebrauch verschob die Grenze. Bald bewachte er nicht mehr nur die Kristalle. Er wartete auf den Augenblick, in dem er wieder aus ihnen trinken konnte.
Die Energie machte Selin mächtiger und nahm ihm zugleich die Fähigkeit, genug zu empfinden. Wenn seine eigene Magie versiegte, eilte er zum nächsten Kristall, zog dessen Glut in sich und wuchs unter der fremden Kraft. Blieb kein Stein erreichbar, entzog er seinen Gegnern Mana und Leben. In seinen Drohungen verschmolzen Magie, Blut und Körper zu derselben Nahrung. Der frühere Beschützer sah in jedem Eindringling nur noch einen Vorrat, der sich wehrte.
Die Kammer wird zur Falle
Sobald Selin angegriffen wurde, schloss eine leuchtende Barriere den Eingang. Niemand sollte an ihm vorbeikommen, doch auch er selbst konnte die Notwendigkeit des nächsten Kristalls nicht verlassen. Der Kampf bewegte sich deshalb zwischen den grünen Säulen seiner Abhängigkeit. Zerstörten die Eindringlinge einen Kristall, nahmen sie ihm nicht bloß Kraft. Sie unterbrachen das Ritual, mit dem er den eigenen Verfall immer wieder für einen Augenblick als Unbesiegbarkeit missverstand.
Mit gefüllten Reserven ließ Selin Teufelsexplosionen durch die Kammer schlagen. Jede Welle verbrauchte einen Teil dessen, was er gerade geraubt hatte, und trieb ihn dadurch schneller zum nächsten Trank. Seine Gewalt folgte dem Kreislauf jeder Sucht: Die Befriedigung erzeugte bereits den neuen Mangel. Je stärker er sich fühlte, desto näher rückte der Augenblick, in dem der Hunger erneut über jede Erinnerung an Würde siegte.
Der letzte Dienst eines verlorenen Wächters
Selins Fall öffnete den Weg tiefer in die Terrasse, aber er beendete keine große Verschwörung. Er war der erste Preis, den Kael'thas' letzte Verteidigung verlangte: ein ehemals geachteter Soldat, dessen beste Eigenschaft in ihr Gegenteil gekehrt worden war. Treue hatte ihn beim Prinzen gehalten, als Urteilskraft ihn hätte fortführen müssen. Am Ende beschützte er weder Quel'Thalas noch einen lebenswerten Teil seiner Vergangenheit, sondern nur noch die Quelle des Hungers, der ihn ausgehöhlt hatte.