Ein Dorf verliert seine Bewohner
Rabenflucht lag einst an den Wegen des westlichen Dämmerwalds. Als sich nach dem Ersten Krieg Dunkelheit, Untote und andere Gefahren in der Region ausbreiteten, verließen die meisten Bewohner den Ort. Zurück blieben leere Häuser und der Friedhof nördlich des Dorfes, dessen Gräber bald nicht mehr still blieben.
Die wenigen Lebenden, die sich noch in den Ruinen aufhielten, waren keine Gemeinde mehr. Sie versteckten sich vor den Wesen, die nachts zwischen den Gebäuden umhergingen. Rabenflucht wurde so zu einem Ort, an dem die Grenze zwischen aufgegebener Heimat und offener Grabstätte verschwamm.
Der Friedhof und die Toten des Dämmerwalds
Der Friedhof von Rabenflucht nahm über Generationen Tote aus der Umgebung auf. Als Nekromantie und der Einfluss dunkler Mächte den Dämmerwald erfassten, erhoben sich viele von ihnen wieder. Morbent Fel und andere Diener der Finsternis nutzten die abgelegene Gegend, während Bewohner von Dunkelhain versuchten, die Ausbreitung der Untoten einzudämmen.
Die Ruinen waren deshalb nicht nur verlassen. Sie wurden Teil eines größeren Netzes aus Gräbern, Flüchen und ungesühnten Verbrechen, das den gesamten Wald prägte. Wer nach Rabenflucht kam, begegnete den Folgen einer Geschichte, die unter der Erde weiterarbeitete.
Worgen auf der Suche nach Heilung
Später ließen sich Gilneer in Rabenflucht nieder, die selbst vom Worgenfluch betroffen waren. Unter ihnen suchte Oliver Harris nach einem Mittel gegen jene Form des Fluchs, bei der jede menschliche Vernunft verloren ging. Die verlassenen Häuser boten Schutz und zugleich Nähe zu den Nachtbannworgen, an denen die Krankheit sichtbar wurde.
Auch Tess Graumähne kam auf ihrer Suche nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Worgen hierher. Damit wandelte sich Rabenflucht von einer bloßen Ruine zu einem Ort, an dem Betroffene versuchten, aus dem Fluch Wissen zu gewinnen. Heilung bedeutete dabei nicht, die Vergangenheit auszulöschen, sondern mit ihr leben zu lernen.
Eine Zuflucht ohne Frieden
Rabenflucht blieb düster, doch seine Geschichte endet nicht bei Verfall. Gerade weil das Dorf von den meisten aufgegeben worden war, fanden dort Menschen Platz, die anderswo gefürchtet wurden. Zwischen Friedhof und Ruinen entstand keine neue Stadt, wohl aber ein Ort des Ausharrens: für Verfluchte, Forscher und jene, die sich weigerten, den Dämmerwald vollständig den Toten zu überlassen.