Der Weg nach Maraudon
Maraudon ist Grabmal, Heiligtum und Wunde zugleich. Unter Desolace ruht Zaetar, der Sohn Cenarius', den seine eigenen Zentaurenkinder erschlugen. Prinzessin Theradras hielt den Geist ihres Geliebten bei sich, während dessen Lebensessenz in den tieferen Höhlen eine erstaunlich schöne Natur nährte. Darüber breiteten sich Gift, Satyrn und verdorbene Elementare aus. Jeder Bewohner Maraudons steht deshalb zwischen zwei Wahrheiten: Der Ort schenkt Leben, und derselbe Ort hält einen Toten seit Jahrhunderten fest. In Prinzessin Theradras erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Als die titanengeschmiedeten Mächte die Elementare in ihre Ebenen verbannten, entkam Theradras. Die einzige Tochter Therazanes verbarg sich tief unter der Erde und fiel in einen langen Schlaf. Dort blieb sie, während Reiche entstanden und zerfielen. Ihre Mutter herrschte in Tiefenheim, doch die Tochter lag außerhalb jenes Gefängnisses und bewahrte eine unmittelbare Verbindung zur Erde Azeroths.
Das Erwachen und der Tod von Mashan'she
Etwa elfhundert Jahre vor dem Ersten Krieg weckten Taurenschamanen die schwachen Flüstern Theradras', weil sie darin irrtümlich die gütige Erdenmutter hörten. Nach dem langen Schlaf brauchte die Prinzessin Kraft. Sie griff in das fruchtbare Land Mashan'she und sog dessen Lebensenergie in sich. Grasland verdorrte, Tiere starben, und aus dem verwundeten Gebiet wurde jene trostlose Weite, die später Desolace hieß.
Der gewaltige Verlust war bis in den Smaragdgrünen Traum zu spüren. Zaetar, erster Sohn Cenarius', kam, um die Ursache zu finden. Er hätte Theradras bannen können, doch die geraubte Lebensenergie und die Gestalt der Prinzessin zogen ihn an. Theradras fand ebenfalls Gefallen an ihm und versprach, beide könnten gemeinsam die Schönheit des Landes wiederherstellen. Aus Begegnung wurde Liebe, obwohl Remulos gewarnt und die Familie die Verbindung gefürchtet hatte.
Die Kinder und der Vatermord
Aus der Verbindung gingen Kolk, Gelk, Magra, Maraudos und Veng hervor, die ersten fünf Khane der Zentauren. Als sie den Abscheu im Blick ihres Vaters sahen, erschlugen sie Zaetar. Theradras verzieh ihnen die Tat nicht leichtfertig; sie tadelte ihre Kinder, bis sie um Vergebung baten und versprachen, das Andenken des Getöteten zu ehren. Aus Scham und Furcht vor Cenarius entstand ein Heiligtum, dessen heiligster Toter von den eigenen Söhnen geschaffen worden war.
Theradras barg Zaetars Leib in ihren Höhlen und hielt seinen Geist bei sich. Die Zentauren nannten den Ort Maraudon und verehrten ihn als heiligen Ursprung. Für die Prinzessin war er Heimat und letzte Nähe zu ihrem Geliebten; für Zaetar blieb er ein Gefängnis. Seine Lebensessenz nährte das lebendige Innere, während Theradras unter dem Einfluss der Alten Götter Verderbnis und Leid ausbreitete. Liebe bewahrte hier nicht, sondern weigerte sich, den Toten gehen zu lassen.
Als die Horde stärker wurde und viele Zentaurenstämme um ihre Zukunft fürchteten, gab Theradras ihren Kindern neue Macht. Sie trieb sie zu Krieg und weiterer Landnahme. Darin verbanden sich mütterliche Sorge und zerstörerischer Besitzanspruch: Sie wollte das Volk retten, das aus ihrer Liebe hervorgegangen war, und akzeptierte dafür das Leid aller, die seinem Vormarsch im Weg standen. Der Magramklan entzog sich dieser Treue und wurde zum möglichen Verbündeten der Horde.
Der Fall im Kristallsanktum
Abenteurer drangen bis in Theradras' inneres Heiligtum vor. Ihr Tod brach die unmittelbare Verderbnis, befreite Zaetars Geist und nahm den kriegerischen Zentauren einen Ursprung ihrer Macht. Therazane trauerte später um ihre einzige Tochter und sah deren Tötung als grundlosen Angriff der Sterblichen. Maraudon erzählt deshalb keinen bequemen Sieg. Theradras war Täterin, Geliebte und Mutter; ihre Trauer war wirklich, doch sie hatte ein ganzes Land ausgesogen und den Mann, den sie liebte, über den Tod hinaus festgehalten. Erst ihre Niederlage gab ihm jene Freiheit, die ihre Liebe nicht mehr zulassen konnte.