Die Zitadelle der Kyrianer
Hoch über den goldenen Feldern Bastions liegt die Elysische Feste. Die Archon Kyrestia die Erstgeborene schuf sie als Sitz der kyrianischen Ordnung. Von hier aus wachen Aufgestiegene über Tempel, Ausbildungspfade und die Aufgabe, verstorbene Seelen aus den Welten der Sterblichen zum Richter nach Oribos zu bringen. Die Feste steht deshalb am Anfang fast jeder Reise durch die Schattenlande, auch wenn die meisten Seelen ihren Namen niemals erfahren.
Wer in Bastion ein Aspirant wird, soll die Erinnerungen an sein sterbliches Leben nach und nach ablegen. Die Kyrianer glauben, dass persönliche Bindungen das Urteil über eine Seele verfälschen könnten. Prüfungen, Meditationen und die Tempel der Reinheit bereiten sie auf den Aufstieg vor. Die Elysische Feste verkörpert diese Lehre: klare Ordnung, lichte Höhen und eine Führung, die ihre Regeln lange für notwendig und unveränderlich hält.
Devos hört Uthers Zweifel
Der Zweifel begann nicht in der Feste, sondern mit einer verwundeten Seele. Uther Lichtbringer war von Frostgram getötet worden. Die Runenklinge riss einen Teil seiner Seele in sich, während ein anderer Teil nach Bastion gelangte. Devos, eine Paragonin der Loyalität, erkannte an dieser Wunde die Macht des Schlunds. Als sie die Archon warnte, wollte Kyrestia an den überlieferten Pfaden festhalten und lehnte ein vorschnelles Eingreifen ab.
Devos deutete diese Zurückhaltung als Beweis, dass die Führung Bastions ihre eigene Aufgabe nicht mehr verstand. Sie sammelte die Verschmähten, jene Kyrianer, die ihre Erinnerungen nicht verlieren wollten oder an den Prüfungen zerbrochen waren. Uthers Schmerz wurde zur Bestätigung ihrer Anklage. Die Verschmähten griffen Tempel an, stahlen Anima und erklärten, wahre Freiheit könne nur außerhalb der bisherigen Ordnung entstehen.
Der Angriff auf die Archon
Der Konflikt erreichte die Spitzen des Aufstiegs. Devos wollte sich über die Archon erheben und Bastion nach ihren Vorstellungen neu ordnen. Ihre Anhänger waren nicht alle aus denselben Gründen gefolgt. Manche wollten Erinnerungen bewahren, andere suchten Macht, und wieder andere glaubten, dass Kyrestia die Gefahr des Schlunds absichtlich ignoriere. Dadurch war der Aufstand mehr als eine gewöhnliche Invasion. Er entstand aus einer wirklichen Wunde der kyrianischen Gesellschaft.
Devos fiel, doch ihre Fragen verschwanden nicht. Später griff Lysonia als neue Anführerin der Verschmähten die Elysische Feste selbst an. Die Archon wurde verwundet, und ihre Gegner versuchten, das Siegel Bastions zu rauben. Die Verteidiger retteten die Feste, konnten aber nicht mehr behaupten, das alte System sei unfehlbar. Zu viele Aspiranten hatten unter dem erzwungenen Verlust ihrer Erinnerungen gelitten.
Eine veränderte Lehre
Nach der Niederlage des Kerkermeisters begann Bastion seine Regeln zu verändern. Erinnerungen sollten nicht länger vollständig ausgelöscht werden. Aspiranten durften ihre Vergangenheit annehmen und dennoch lernen, eine Seele ohne Vorurteil zu tragen. Damit gab die Archon einen Teil jener Gewissheit auf, auf der die Elysische Feste erbaut worden war. Die Aufgabe der Kyrianer blieb bestehen, doch der Weg zu ihr wurde menschlicher.
Die Feste ist daher nicht nur ein Denkmal unerschütterlicher Ordnung. Sie wurde zum Ort einer Korrektur. Devos' Gewalt und ihr Bündnis mit dem Kerkermeister machten sie zur Feindin, aber die Missstände, die ihren Aufstand ermöglicht hatten, waren real. Als Bastion diese Wahrheit anerkannte, konnte die Elysische Feste wieder zum Zentrum der Kyrianer werden, ohne jede Kritik als Abweichung zu behandeln.