Ehre und StärkeBlackmoore
Edwin VanCleef
Charakter

Edwin VanCleef

Edwin VanCleef führte die Steinmetze, die Sturmwind aus Ruinen neu errichteten, und wurde um ihren Lohn gebracht. Aus berechtigtem Zorn schuf er die Defiasbruderschaft, doch sein Kampf gegen den Adel machte Westfalls Bauern zu Opfern und seine Tochter zur Erbin der Rache.

Der Mann hinter den Mauern

Edwin VanCleef kannte Sturmwind von oben und von unten. Als junger Mann bewegte er sich über Dächer und lernte mit Mathias Shaw die Kunst des lautlosen Eindringens. Zugleich stammte er aus einer Familie von Steinmetzen. Als die Stadt nach dem Zweiten Krieg in Ruinen lag, wählte ihn die Steinmetzgilde zu ihrem Anführer. Seine beiden Begabungen, Planung und Heimlichkeit, sollten nacheinander das Gesicht des Reiches prägen.

Unter VanCleefs Leitung errichteten Handwerker Sturmwind neu. Sie bauten die Burg, die Kathedrale und jene hellen Straßen, auf denen später kaum noch jemand an die verbrannte Stadt des Ersten Krieges dachte. Auch die Burg Nethergarde entstand unter seiner Aufsicht. VanCleef war kein adeliger Feldherr, aber er hatte zwei Monumente geschaffen, die das Königreich vor dem erneuten Untergang schützen sollten.

Der unbezahlte Wiederaufbau

Als die Arbeit vollendet war, stritten Gilde und Adel um den Lohn. Sturmwinds Finanzen waren durch Wiederaufbau und militärische Ausgaben erschöpft. Die Steinmetze forderten hohe Summen für jahrelange Arbeit, während das Haus der Adeligen nur einen Bruchteil zahlen wollte. Katrana Prestor, die menschliche Gestalt Onyxias, schürte beide Seiten gegeneinander, weil ein geschwächtes Reich ihren Plänen diente.

VanCleef verlangte Wiedergutmachung und wurde mit der Auflösung seiner Gilde beantwortet. Die Auseinandersetzung verwandelte sich in einen Aufruhr. Königin Tiffin versuchte zu vermitteln und starb, als ein geworfener Stein sie traf. Ihr Tod machte aus einem Arbeitskampf eine königliche Wunde. Varian reagierte mit Härte, die Steinmetze flohen nach Westfall, und jede Seite besaß nun einen Toten oder einen Verrat, mit dem sie die Weigerung zum Einlenken rechtfertigen konnte.

Aus Steinmetzen werden Defias

VanCleef sammelte die Vertriebenen zur Defiasbruderschaft. Das rote Tuch gab Handwerkern, Ausgestoßenen und später auch gewöhnlichen Verbrechern eine gemeinsame Identität. Anfangs erinnerte der Bund an den gestohlenen Lohn. Bald wurde Rache zu seinem eigentlichen Zweck. VanCleefs Ausbildung erlaubte ihm, Zellen, geheime Wege und Kontakte bis in Sturmwinds Adel aufzubauen.

In Westfall nahm die Bruderschaft Minen, vertrieb Bauern und ließ Erntegolems gegen die Menschen los, deren Arbeit Sturmwind ernährte. Damit wiederholte VanCleef an Schwächeren, was er dem Adel vorwarf: Er behandelte ihr Leben als Mittel für ein größeres Ziel. Die Not der Provinz brachte ihm neue Anhänger, doch seine Angriffe verschärften genau den Hunger, den er als Beweis für Sturmwinds Ungerechtigkeit benutzte.

Das Schiff unter der Erde

In den Todesminen ließ VanCleef einen gewaltigen Juggernaut bauen. Die Ironie war vollkommen. Der Baumeister, der Sturmwinds Mauern errichtet hatte, schuf nun unter Westfall eine Kriegsmaschine zu ihrer Zerstörung. Goblinische Ingenieure, Söldner und gestohlene Rohstoffe machten aus dem alten Bergwerk eine zweite, verborgene Stadt, deren gesamter Fleiß auf Vergeltung ausgerichtet war.

Die Volksmiliz Westfalls und Abenteurer der Allianz drangen in die Minen ein. Sie töteten VanCleef auf dem Deck seines unfertigen Schiffes und brachten seinen Kopf als Beweis zurück. Für Sturmwind war ein gefährlicher Aufstand beendet. Im Schatten sah seine Tochter Vanessa den Tod ihres Vaters. Das Reich hatte den Anführer besiegt, aber vor den Augen eines Kindes eine neue Erinnerung geschaffen, in der Gerechtigkeit wieder nur als Gewalt erschien.

Die Mannschaft des Zerstörers

Der Weg durch die Todesminen zeigte, dass VanCleefs Rache längst mehr als eine Bande verborgen hielt. Rhahk'Zor trieb Arbeiter und Material voran, Sneed schnitt mit seinem Schredder das Holz für den Schiffbau, und Gilnid goss Kanonen und Munition. Jeder von ihnen beherrschte nur einen Teil des Vorhabens. Zusammen bildeten sie eine Produktionskette, wie sie sonst ein Staat für seine Armee unterhalten hätte. Die Defias waren damit zum Spiegel Sturmwinds geworden: ebenfalls fähig, große Werke zu bauen, aber nun bereit, Menschen unter Druck zu setzen und Westfalls Rohstoffe für eine Macht zu verbrauchen, über die nur wenige entschieden.

Auf dem Zerstörer gaben Kapitän Grünhaut und sein erster Maat Pein dem unfertigen Schiff bereits eine Besatzung. Selbst der Murlockoch Krümel gehörte zu diesem kleinen Gemeinwesen im Berg. VanCleef wartete nicht allein am Ende eines Tunnels; er stand auf dem Deck eines beinahe vollendeten Gegenstaats. Jede zuvor durchquerte Werkhalle erklärte, wie berechtigter Zorn eine eigene Ordnung aus Vorarbeitern, Spezialisten, Söldnern und militärischer Disziplin geschaffen hatte. Sein Tod beendete daher nicht bloß ein Duell. Er zerschlug das Zentrum eines Plans, dessen viele Beteiligte längst gelernt hatten, Rache wie gewöhnliche Arbeit zu behandeln.

Das Erbe des roten Tuchs

Edwins Tod löste die Ursachen der Defias nicht. Westfall blieb arm, Soldaten blieben fern, und adelige Intrigen verschwanden nicht mit Onyxias Enttarnung. Vanessa konnte Jahre später dieselbe Wut sammeln, weil ihr Vater eine wahre Kränkung hinterlassen hatte. Sie erbte jedoch auch seine gefährlichste Lehre: dass erlittenes Unrecht jedes Mittel adeln könne.

VanCleef ist deshalb weder der heimliche Held, den seine Anhänger aus ihm machten, noch der gewöhnliche Bandit aus einem königlichen Steckbrief. Er war ein herausragender Baumeister, dem sein Lohn verweigert wurde, und ein Anführer, der aus dieser Schuld ein Recht auf die Verwüstung anderer ableitete. Sturmwinds schönste Mauern und Westfalls tiefste Wunde tragen denselben Namen. Wer nur eine Hälfte erzählt, versteht nicht, warum das rote Tuch so lange neue Gesichter fand.