Die Kornkammer am Rand des Reiches
Westfall liegt westlich des Elwynnwaldes und versorgte Sturmwind über Generationen mit Getreide. Seine Höfe und Wege wirken auf Karten schlicht, doch sie tragen eine Aufgabe, die jede Hauptstadt gern übersieht: Brot wächst nicht in Palästen. Der Wohlstand der Stadt begann auf Feldern, deren Bewohner selten über die Entscheidungen mitbestimmten, die ihr Leben prägten.
Die Kriege gegen die Horde verwüsteten die Region. Nach Sturmwinds Rückkehr wurden nicht alle Schäden zugleich behoben. Während in der Hauptstadt Mauern und Türme wieder aufstiegen, blieben viele Höfe, Straßen und Dörfer auf sich gestellt. Westfall wurde nicht nur ärmer; es wurde politisch weiter entfernt, obwohl es direkt vor Sturmwinds Toren lag.
Eine Wut findet ein Land
Die vertriebenen Steinmetze um Edwin Van Cleef fanden in Westfall Menschen, die die Vernachlässigung aus eigener Erfahrung kannten. Daraus entstand die Defiasbruderschaft. Ihr erster Anspruch war an einen echten Bruch gebunden: Die Arbeit am Wiederaufbau war geleistet worden, die versprochene Bezahlung blieb aus.
Doch die Bruderschaft verwandelte diese Kränkung in Überfälle und Drohungen. Sie verteidigte Westfall nicht, indem sie Nachbarn in Gefahr brachte. So blieb die Region zwischen zwei schlechten Antworten gefangen: einer Hauptstadt, die viel zu spät hinsah, und einer Bewegung, die aus der Not anderer ihre Macht gewann.
Die Volksmiliz
Gryan Starkmantel und die Volksmiliz hielten den Späherhügel, öffneten Straßen und schützten Höfe, als reguläre Hilfe aus Sturmwind nicht genügte. Die Miliz war keine glänzende Armee. Sie bestand aus Menschen, die blieben, weil ihr Land sonst niemand verteidigte. Ihr Sieg in den Todesminen verhinderte einen Angriff auf Sturmwind, konnte Westfalls soziale Krise aber nicht im Alleingang lösen.
Eine Region bleibt mehr als ihr Elend
Nach dem Kataklysmus nutzte Vanessa Van Cleef die Armut und die Wut der Region für eine neue Defias-Verschwörung. Wieder stand Westfall nicht nur für Felder, sondern für die Folgen von Abwesenheit. Die Menschen dort waren nie bloß Hintergrundfiguren in einem Konflikt der Hauptstadt. Sie waren Bauern, Handwerker, Familien und Veteranen, die mit der Frage leben mussten, wer kommt, wenn die Gefahr nicht mehr nur in Geschichten steht.
Westfalls Geschichte führt daher nicht zu einer einfachen Moral. Sie verlangt, Verantwortung nicht erst dann wahrzunehmen, wenn aus vernachlässigten Höfen eine Bedrohung wird. Ein Reich, das von seinen Feldern lebt, muss auch zu den Menschen gehören, die sie bestellen.