Eine Festung, die aus dem Land wächst
Dornogal liegt im Herzen der Insel von Dorn und wirkt zugleich uralt und überraschend lebendig. Breite Steinbauten, Schmiedehöfe und titanische Formen bestimmen die Stadt, doch zwischen ihnen wachsen Gras, Bäume und Gärten. Die Irdenen haben ihre Hauptstadt nicht wie eine fremde Maschine auf die Insel gesetzt. Sie scheint aus der Landschaft gehoben, als hätten Fels und Handwerk gemeinsam entschieden, welche Gestalt eine Stadt annehmen soll.
Ihr Name erinnert an die Wächter Dornic und Galan. Ursprünglich entstand Dornogal als Festung über dem Kernweg, jener gewaltigen titanischen Verbindung, die von der Oberfläche tief nach Khaz Algar führt. Wer die Stadt hielt, bewachte damit nicht nur Häuser und Archive, sondern einen Zugang zum Inneren der Welt. Diese Aufgabe prägte die Gesellschaft der Irdenen über lange Zeitalter. Erlasse, Schwüre und zugewiesene Pflichten sollten jeden an seinem Platz halten.
Gebundene und Ungebundene
Mit der Zeit folgten nicht mehr alle Irdenen den alten Erlassen. Adelgonn und die Ungebundenen verließen die Ordnung der Stadt, weil sie ein Leben suchten, das nicht vollständig von titanischen Befehlen bestimmt war. Dornogal verlor Bewohner und verfiel in Teilen. Zwischen den Zurückgebliebenen und den Ausgezogenen wuchs mehr als eine politische Trennung. Jede Seite sah in der anderen eine Gefahr: hier den Verlust von Pflicht und Stabilität, dort die Fortsetzung eines Gehorsams, der keinen eigenen Willen duldete.
Der Rat von Dornogal führte die Stadt weiter. Ratshüter Merrix stand für ihre Verwaltung, Sturmwächter Baelgrim und seine Sturmreiter für den Schutz aus der Luft, während Hochsprecher Eirich die Stimme der alten Ordnung trug. Hinter ihren Titeln lagen jedoch unterschiedliche Vorstellungen davon, was es bedeutete, ein Volk zu bewahren. Dornogal war dadurch keine starre Titanenruine. Es war eine Gesellschaft in einem langsamen Streit mit der eigenen Erschaffung.
Der Angriff von unten
Als Xal'atath die Neruber von Azj-Kahet losschickte und Dalaran zerstört über Khaz Algar abstürzte, wurde die lange Absonderung der Stadt mit Gewalt beendet. Baelgrim und seine Sturmreiter eilten zu den Überlebenden, während der eigentliche Angriff den Kernweg traf. Neruber beschädigten die Verbindung und bedrohten damit die Grundlage von Dornogals Auftrag. Die Fremden von Horde und Allianz halfen bei der Verteidigung. Ausgerechnet in einer Stunde, in der die alte Pflicht versagte, kamen jene zur Hilfe, die in keinem Erlass vorgesehen waren.
Für die Reparatur des Kernwegs brauchte Dornogal die Ungebundenen. Baelgrim musste Adelgonn aufsuchen und sich der Schuld stellen, ihr Volk einst nicht geschützt zu haben. Die folgende Annäherung heilte den alten Bruch nicht mit einem einzigen Handschlag, aber sie brachte die Ausgezogenen in die Stadt zurück und gab dem Wiederaufbau eine neue Grundlage. Später nahmen Vertreter verschiedener Völker Quartier in Dornogal. Aus einer isolierten Festung wurde ein Treffpunkt für den Krieg gegen Xal'atath.
Eine Stadt mit einem freien Platz
Dornogals politische Ordnung veränderte sich unter dem Druck dieser Ereignisse. Opfer, Verrat und neue Bündnisse machten sichtbar, dass ein Rat nicht nur Ämter verwalten darf; er muss Stimmen aufnehmen, die in der ursprünglichen Ordnung keinen Platz hatten. Die Stadt blieb irden, ernst und vom Handwerk geprägt. Doch zwischen Botschaften, Werkbänken und den Heimkehrern aus Freywold entstand eine offenere Vorstellung von Gemeinschaft.
Darum erzählt Dornogal nicht bloß von einer Hauptstadt unter Belagerung. Die Stadt steht über einem Weg in die Tiefe und zugleich an einer Schwelle im Denken ihres Volkes. Jahrtausendelang bestand Schutz darin, einen Auftrag unverändert auszuführen. Nun muss Dornogal lernen, dass Bewahren manchmal bedeutet, den alten Plan zu verlassen, Fremde einzulassen und einen freien Sitz nicht sofort mit der Stimme der Vergangenheit zu füllen.