Der Weg nach Das Azurblaue Gewölbe
Sindragosa hatte das Azurblaue Gewölbe als Ort des Wissens, der Forschung und der Verwahrung angelegt. Nach seiner Versiegelung vergingen Jahrtausende, in denen Pflanzen weiterwuchsen, Wächter auf vergebliche Rückkehr warteten und ein kranker Drache ohne Heilung schlief. Als die Splitterflammen nach Geheimnissen über die Herkunft der Dracthyr suchten, brach in den alten Hallen alles zugleich aus Stasis und Einsamkeit hervor. In Azurklinge nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Als das Gewölbe versiegelt wurde, hätte Azurklinge mit den anderen gehen können. Sie entschied sich dagegen. Jemand musste die Archive, Siegel und Forschungsstätten bewachen, und sie stellte diesen Auftrag über die eigene Sicherheit. Zu Beginn war ihre Wahl eine Form außergewöhnlicher Treue. Sie glaubte, der blaue Drachenschwarm werde zurückkehren und in ihr die Frau finden, die den Ort unversehrt gehalten hatte.
Jahre werden zu Jahrtausenden
Die erwarteten Schritte blieben aus. Aus Monaten wurden Jahre, aus Jahren Zeitalter. Azurklinge konnte keine Nachricht empfangen, die erklärte, weshalb der Schwarm nicht kam. Bitterkeit füllte die Leere, in der zuvor Pflicht gestanden hatte. Jede verschlossene Tür bestätigte, dass nur sie noch Verantwortung übernahm, während jene, für die sie wartete, scheinbar alles vergessen hatten.
Ein sterblicher Wächter hätte die Aufgabe irgendwann an den Tod verloren. Azurklinge griff deshalb auf die Magie des Gewölbes zurück und verlängerte das eigene Leben. Damit überschritt sie die Grenze ihres Auftrags. Die bewahrte Macht war nicht länger nur Schutzgut, sondern Nahrung ihrer Einsamkeit. Je länger sie lebte, desto weniger konnte sie sich vorstellen, dass jemand anderes noch einen rechtmäßigen Anspruch darauf besaß.
Von Pflicht zu Besitz
Schließlich erklärte Azurklinge alles, was der blaue Schwarm zurückgelassen hatte, zu ihrem Eigentum. In ihrem verzerrten Urteil war dies kein Diebstahl. Sie hatte gewacht, gelitten und bezahlt; also gehörte ihr, was alle anderen aufgegeben hatten. Als die Gefährten eintraten, begegneten sie daher keiner Dienerin, die nach einem Kennwort fragte, sondern einer Herrscherin, die ihr Reich gegen neue Plünderer verteidigte.
Azurklinge beschwor arkane Abbilder, die für sie kämpften und beim Zerfall instabile Magie freisetzten. Die Illusionen vervielfachten ihren Körper, nicht ihre Gesellschaft. Nach Jahrtausenden der Einsamkeit umgab sie sich mit Versionen ihrer selbst. Jeder Zauber machte sichtbar, wie vollständig ihre Vorstellung von Schutz auf eine einzige Person zusammengeschrumpft war.
Das drakonische Siegel
Wenn Azurklinge überwältigende Energie sammelte, stellte sie sich in die Mitte und ließ drakonische Illusionen das alte Siegel nähren. Solange diese Bilder standen, blieb sie unverwundbar und ließ arkanen Schaden durch die Halle schlagen. Die Gruppe musste die Abbilder zerstören, während Kugelfragmente durch den Raum strömten. Erst ohne ihre vervielfachte Pflicht konnte die Wächterin wieder erreicht werden.
Die blauen Drachen waren tatsächlich zu ihren Inseln zurückgekehrt, aber für Azurklinge hatte das Warten jeden Sinn dieser Heimkehr zerstört. Sie konnte die Ankommenden nicht mehr als jene Zukunft erkennen, für die sie geblieben war. Ihr Tod war deshalb kein einfacher Sieg über eine Verräterin. Er war das Ende einer Loyalität, die zu lange ohne Antwort geblieben war.
Ein Gewölbe voller Zurückgelassener
Hinter Azurklinge warteten weitere Menschen und Wesen, die vom Schweigen des blauen Schwarms geprägt worden waren. Telash Grauschwinge suchte Beweise dafür, dass die Drachen den Dracthyr Wissen vorenthielten. Umbrelskul schlief seit Jahrtausenden ohne Heilung. Azurklinges Wahnsinn war nicht der einzige Preis der Versiegelung, nur derjenige, der am längsten aufrecht an einer Tür gestanden hatte.