Ein Heiligtum für Yu'lon
Im Jadewald erhob sich der Tempel der Jadeschlange über grüne Hügel und ruhige Wasser. Die Pandaren hatten ihn Yu'lon gewidmet, einer der vier Erhabenen. Yu'lon stand für Weisheit, Voraussicht und die Geduld, eine schwierige Wahrheit auszuhalten. Im Tempel wurden ihre Lehren bewahrt, Schüler ausgebildet und Geschichten gesammelt.
Der Bau war zugleich mit einem alten Sieg verbunden. Vor langer Zeit hatten Pandaren das Sha des Zweifels bezwungen und unter dem Tempel eingeschlossen. Das Heiligtum erinnerte daran, dass Zweifel nicht durch Verdrängung verschwindet. Er musste erkannt, benannt und immer wieder daran gehindert werden, die Wahrnehmung zu beherrschen.
Der Krieg erreicht den Jadewald
Als Horde und Allianz an Pandarias Küsten landeten, brachten sie einen Konflikt mit, dessen Ursachen weit entfernt lagen. Beide Seiten suchten Stützpunkte, Verbündete und Vorteile. Im Jadewald wurden einheimische Völker in den Krieg hineingezogen, und die Gewalt weckte die Sha, die auf starke negative Gefühle reagierten.
Das Sha des Zweifels fand im Tempel einen besonders wirksamen Angriffspunkt. Ein Ort des Wissens lebt davon, dass Menschen unterscheiden können, was wahr ist und wem sie vertrauen. Zweifel, der jedes Urteil zersetzt, bedrohte deshalb nicht nur die Bewohner, sondern den Zweck des gesamten Heiligtums.
Verderbte Geschichten und lebendiges Wasser
Die Verderbnis erfasste die Bibliothek und die heiligen Bereiche. In den Schriftrollen gespeicherte Geschichten nahmen Gestalt an, Figuren aus Erzählungen wurden gefährlich, und selbst der weise Wassersprecher Mari geriet unter den Einfluss des Sha. Wissen, das Orientierung geben sollte, wandte sich gegen seine Bewahrer.
Der Fall Maris war besonders schmerzhaft, weil Jinyu Wasser als Träger von Erinnerung und Möglichkeit verstanden. Er hörte in Strömungen, was gewesen war und was sein konnte. Unter dem Zweifel wurde diese Gabe zu einem Gefängnis aus widersprüchlichen Wahrnehmungen.
Liu Flammenherz und die Jadeschlange
Liu Flammenherz, eine hochrangige Priesterin des Tempels, wollte Yu'lon mit leidenschaftlicher Hingabe dienen. Das Sha verdrehte diese Hingabe. Aus dem Wunsch, der Jadeschlange nahe zu sein, wurde eine fanatische Verwandlung, in der Liu glaubte, selbst zum vollkommenen Gefäß ihrer Herrin werden zu müssen.
Ihre jadefarbene Drachengestalt war keine Segnung Yu'lons, sondern eine Nachahmung, die Zweifel und Eifer zusammengefügt hatten. Erst nach ihrem Fall konnte der Weg zum eingeschlossenen Sha geöffnet werden. Damit endete die Krise nicht bei einer fehlgeleiteten Dienerin, sondern an ihrer eigentlichen Quelle.
Das Sha des Zweifels
Im innersten Bereich trat das Sha des Zweifels hervor. Es versuchte, Gegner an sich selbst zweifeln zu lassen, und schuf Spiegelbilder ihrer Unsicherheit. Seine Macht bestand nicht darin, eine neue Lüge zu erzählen. Es nahm vorhandene Fragen und machte sie so groß, dass jede Entscheidung unmöglich erschien.
Nach seiner Niederlage konnte der Tempel gereinigt werden. Doch der Angriff hatte gezeigt, wie schnell der Krieg von Horde und Allianz Pandarias alte Wunden öffnete. Der Tempel blieb ein Ort Yu'lons, aber nun wusste jeder Neuankömmling, dass die Sha nicht nur in fernen Ruinen warteten. Sie lebten dort auf, wo Gefühle die Kontrolle übernahmen.