Ehre und StärkeBlackmoore
Der weise Mari
Bosse

Der weise Mari

Der weise Mari war ein verehrter Wassersprecher der Jinyu. Im Quell des Allsehenden hörte er Wissen und mögliche Zukunft in den Strömungen, bis das Sha des Zweifels das vertraute Wasser verdarb. Aus Voraussicht wurde Argwohn, und der Hüter des Quells begann in jedem Besucher eine Gefahr zu erkennen.

Der Weg nach Tempel der Jadeschlange

Der Tempel der Jadeschlange war Yu'lon geweiht, dem Himmlischen Erhabenen der Weisheit. In seinen Hallen bewahrten Priester, Lehrensucher und Wassersprecher nicht nur Schriften, sondern die lebendige Erinnerung Pandarias. Als die Ankunft der Fremden alte Ängste weckte, fand das Sha des Zweifels in gerade diesem Ort ein verlockendes Ziel: Es wollte Weisheit in Argwohn, Geschichten in Drohungen und die erwartete Wiedergeburt Yu'lons in Furcht verwandeln. In Der weise Mari nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.

Die Jinyu lauschen dem Wasser, weil Strömungen Erinnerungen tragen und Wege verbinden, die für andere Augen voneinander getrennt scheinen. Unter ihnen galt Mari als weise, nicht weil er jede Antwort bereits besaß, sondern weil er gelernt hatte, geduldig genug zu hören. Im Tempel der Jadeschlange diente er als Wassersprecher an einem Ort, an dem Erkenntnis nicht in einem verschlossenen Buch, sondern in unaufhörlicher Bewegung lag.

Der Quell des Allsehenden

Im Quell des Allsehenden empfing Mari unzählige Male Wissen und Voraussicht. Wasser zeigte keine bequeme, festgeschriebene Zukunft. Es brachte Bilder, Möglichkeiten und Spuren ferner Ereignisse, die gedeutet werden mussten. Gerade deshalb brauchte der Quell einen Hüter, der Unsicherheit ertragen konnte. Mari hatte diese Fähigkeit lange bewiesen und aus wechselnden Zeichen Rat für jene gewonnen, die den Tempel aufsuchten.

Als das Sha des Zweifels in den Tempel eindrang, griff es Mari nicht mit einer gewöhnlichen Waffe an. Es verdarb das Wasser, dem er sein Leben lang vertraut hatte. Jede Strömung konnte nun Lüge sein, jedes Bild eine Falle und jeder Besucher der Vorbote einer Katastrophe. Das Sha musste ihm seine Weisheit nicht nehmen. Es genügte, die Grundlage dieser Weisheit so unsicher zu machen, dass Mari seiner eigenen Deutung nicht mehr traute.

Argwohn wird zur neuen Gewissheit

Von grenzenlosem Misstrauen überwältigt, bewachte Mari den Quell gegen jene, die ihn eigentlich reinigen wollten. Darin lag die besondere Grausamkeit des Sha. Zweifel kann eine notwendige Frage sein, die vor Irrtum schützt. Wird er jedoch grenzenlos, lässt er keine Antwort mehr gelten. Mari sah nicht länger Fremde, die Hilfe bringen konnten; er sah nur unbekannte Absichten, und jede unbekannte Absicht erschien ihm gefährlicher als die Verderbnis, die bereits neben ihm stand.

Mari rief verderbte Tropfen aus dem Quell und schleuderte mächtige Wasserstrahlen durch die Kammer. Eine kreisende Fontäne zwang seine Gegner, in Bewegung zu bleiben, während aus allen Richtungen Gefahr aufstieg. Die Gabe des Wassersprechers, einst zum Hören und Verstehen genutzt, wurde zum Mittel der Abschottung. Aus dem Quell, der Möglichkeiten gezeigt hatte, machte er einen Raum, in dem nur noch eine einzige Deutung gelten sollte: Niemand durfte ihm nahe kommen.

Fortgespült

Als der Kampf seinen Höhepunkt erreichte, ließ Mari eine gewaltige Welle durch den Raum fahren. Sein Ruf, alles fortzuspülen, klang wie der Wunsch, nicht nur Eindringlinge, sondern jede widersprechende Möglichkeit auszulöschen. Wer der Welle entging, widerstand damit mehr als körperlicher Gewalt. Er bewies, dass Unsicherheit nicht dadurch endet, dass man alles vernichtet, was eine andere Antwort tragen könnte.

Mit Maris Fall wurde das Wasser nicht augenblicklich unschuldig, doch der Weg zur Reinigung öffnete sich. Zurück blieb die Tragödie eines Hüters, dessen größte Stärke gegen ihn gewandt worden war. Der weise Mari scheiterte nicht, weil er zu wenig wusste. Er scheiterte, weil das Sha ihn glauben ließ, Wissen müsse vollkommene Sicherheit bedeuten. Wo diese Sicherheit fehlte, sah er nur Feinde und verlor dadurch gerade jene Offenheit, die wahre Voraussicht erst möglich macht.