Der Weg nach Tempel der Jadeschlange
Der Tempel der Jadeschlange war Yu'lon geweiht, dem Himmlischen Erhabenen der Weisheit. In seinen Hallen bewahrten Priester, Lehrensucher und Wassersprecher nicht nur Schriften, sondern die lebendige Erinnerung Pandarias. Als die Ankunft der Fremden alte Ängste weckte, fand das Sha des Zweifels in gerade diesem Ort ein verlockendes Ziel: Es wollte Weisheit in Argwohn, Geschichten in Drohungen und die erwartete Wiedergeburt Yu'lons in Furcht verwandeln. In Sha des Zweifels nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Vor zehntausend Jahren suchte Kaiser Shaohao einen Weg, Pandaria vor der kommenden Katastrophe zu bewahren. Um seiner Aufgabe gewachsen zu sein, stellte er sich den dunklen Regungen in seinem eigenen Inneren. Zweifel war eine davon. Als Shaohao ihn überwand, verschwand diese Macht nicht aus der Welt. Sie nahm Gestalt an und wurde zu einem Sha, einem Wesen, das die entsprechende Empfindung in anderen fand, verstärkte und gegen sie richtete.
Das Sha des Zweifels blieb im Jadewald gebunden, während Pandaria sich hinter Nebeln verbarg. Zeitalter vergingen, doch Gefangenschaft bedeutete für ein solches Wesen keine stille Reue. Es wartete in der Nähe jener Menschen und Orte, deren Entscheidungen stets einen Rest Unsicherheit trugen. Als die Nebel fielen und neuer Krieg das Land erreichte, wurden aus kleinen Fragen wieder offene Wege.
Besessen von Yu'lons Weisheit
Yu'lon verkörperte Weisheit und Weitblick, also genau jene Fähigkeiten, die Zweifel in eine hilfreiche Prüfung verwandeln können. Das Sha wurde von ihr besessen. Es wollte nicht einfach einen Tempel zerstören, sondern zeigen, dass jede Voraussicht in Misstrauen enden und jede Weisheit durch genügend Ungewissheit gelähmt werden könne. Die Verderbnis ihres Heiligtums war deshalb Angriff und Behauptung zugleich.
Der weise Mari misstraute den Strömungen, Steinschritts Geschichten erhoben sich gegen ihre Leser, und Liu Flammenherz fürchtete, ihre heiligste Aufgabe nicht erfüllen zu können. Das Sha hatte für jeden ein anderes Einfallstor gefunden. Es herrschte nicht, indem es alle gleich machte, sondern indem es die persönliche Stärke jedes Hüters so weit verdrehte, bis daraus ein persönliches Gefängnis wurde.
Spiegelbilder des Argwohns
Im letzten Kampf rief das Sha Abbilder seiner Gegner hervor. Diese Figuren des Zweifels trugen vertraute Gesichter und Fähigkeiten, als wollten sie beweisen, dass der gefährlichste Feind bereits in jedem selbst vorhanden sei. Die Gruppe musste ihre eigenen Spiegelungen vernichten, bevor diese sich festigen konnten. Vertrauen entstand dabei nicht durch die Behauptung, niemand trage Dunkelheit in sich, sondern durch die gemeinsame Weigerung, sich auf diese Dunkelheit reduzieren zu lassen.
Das Sha umschloss den Raum mit seiner Macht und ließ Zweifel zu beinahe greifbarem Gewicht werden. Angriffe kamen nicht nur von seinem Körper, sondern aus dem Gefühl, die Wirklichkeit selbst könne unzuverlässig sein. Wer sich ihm stellte, brauchte mehr als Stärke. Jede Handlung setzte die Entscheidung voraus, dass der Mensch neben einem wirklich Verbündeter war und das eigene Spiegelbild nicht die ganze Wahrheit über das eigene Wesen erzählte.
Der Tempel atmet wieder
Mit der Auflösung des Sha endete seine unmittelbare Herrschaft über den Tempel. Yu'lons Heimstatt konnte gereinigt und der Kreislauf ihrer Wiedergeburt fortgeführt werden. Doch der Sieg vernichtete Zweifel nicht aus allen Herzen, und das sollte er auch nicht. Pandarias Lehre bestand darin, Gefühle zu erkennen, bevor sie Gestalt und Hunger gewinnen. Zweifel durfte wieder Frage sein, statt Urteil über jede Hoffnung.