Der Angriff auf den Tempel des Mutes
Bastion sollte die Seelen schützen, die als Kyrianer den Weg der Toten bewahrten. Der Tempel des Mutes war eine ihrer wichtigsten Ausbildungsstätten. Dort lernten Aspiranten, Angst und Zweifel zu überwinden, bevor sie Verantwortung für andere Seelen übernahmen. Als Maldraxxi-Truppen über dem Tempel erschienen, traf ihr Angriff deshalb nicht irgendeinen Außenposten. Er traf einen Ort, an dem Bastion seine künftigen Verteidiger formte.
Die Angreifer stammten aus mehreren verräterischen Häusern Maldraxxus'. Das Haus der Konstrukte stellte mit Chirurg Fleischnaht die Fleischformer und ihre Abscheulichkeiten, während Amarth und Nalthor als Nekromanten des Hauses der Rituale den Angriff anführten. Ihre Künste dienten einst der Verteidigung der Schattenlande; nun wurden sie gegen die Kyrianer gerichtet. Aus Verteidigern wurden Eroberer, und aus der Nekropole Zolramus wurde eine schwimmende Belagerungsmaschine.
Körper als Material
Auf dem Weg durch die Schneise begegneten die Verteidiger Amarth, der gefallene Kämpfer wieder aufrichtete, und dem Chirurgen Fleischnaht, dessen Werkstatt das grausame Handwerk des Hauses der Konstrukte offenlegte. Fleischnaht nähte aus fremden Leibern neue Krieger zusammen. Für ihn waren Körper keine Erinnerung an ein Leben, sondern austauschbare Teile. Selbst Kyrianer, die im Angriff fielen, drohten in seine Arbeit einzugehen.
Diese Praxis erklärte, warum der Angriff so schnell wachsen konnte. Jeder Tote lieferte neues Material. Der Krieg ernährte die Armee, die ihn führte. Damit stand Bastion einem Feind gegenüber, der nicht nur Land gewinnen wollte, sondern die Gefallenen des Gegners in den nächsten Angriff zwang. Die Nekrotische Schneise war daher zugleich Frontlinie und Fabrik.
Im Herzen von Zolramus wartete Nalthor der Eisbinder. Er war nicht bloß ein Feldherr, sondern ein Symbol für den Verrat der maldraxxischen Häuser. Maldraxxus war geschaffen worden, um alle Reiche des Todes zu schützen. Nalthor benutzte dieselbe Macht, um eine dieser Domänen zu schwächen und ihre Tempel zu plündern.
Seine Niederlage beendete den unmittelbaren Angriff auf den Tempel des Mutes. Sie erklärte jedoch noch nicht, weshalb die maldraxxischen Häuser gegeneinander kämpften oder wer von diesem Bürgerkrieg profitierte. Die Spur führte tiefer nach Maldraxxus, wo das Verschwinden des Primus ein Machtvakuum hinterlassen hatte und die Verbündeten des Kerkermeisters ihre Gelegenheit erkannten.
Ein Krieg, der größer war als Bastion
Nach der Rückeroberung blieb deutlich, dass Bastion nicht durch einen zufälligen Überfall getroffen worden war. Die Nekrotische Schneise verband die Krise der Kyrianer mit dem Zerfall von Maldraxxus. Während Devos und die Verschmähten Bastion von innen spalteten, griffen außen jene an, die eigentlich Verbündete hätten sein müssen.
Der Tempel überstand die Belagerung, doch die alte Gewissheit war verloren. Die Reiche des Todes konnten sich nicht länger darauf verlassen, dass ihre Aufgaben sie zusammenhielten. Zolramus hatte gezeigt, wie leicht aus einer Schutzmacht eine Besatzungsarmee werden konnte, wenn Ehrgeiz, Angst und Verrat ihre Führung bestimmten.