Der Weg nach Die Nekrotische Schneise
Über dem Tempel des Mutes brach der Himmel auf, als die fliegende Nekropole Zolramus aus Maldraxxus nach Bastion vorstieß. Die Angreifer kamen nicht nur, um ein Heiligtum zu erobern. Sie sammelten die Körper gefallener Kyrianer, verwandelten sie in Material für neue Konstrukte und wollten den Mut selbst unter einer Ernte aus Knochen, Eis und Seuchen begraben. Xandria führte die Verteidiger durch jene Schneise, die der Angriff in Bastions scheinbar unberührte Ordnung gerissen hatte. In Pestknochen nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Pestknochen wurde nicht geboren und auch nicht als einzelner Toter erhoben. Chirurg Fleischnaht setzte ihn aus verwesenden Körperteilen zusammen und behandelte das Werk mit jener verdrehten Zuneigung, die ein Handwerker für ein gelungenes Werkzeug empfindet. Jeder Arm und jede Naht gehörte zu einem Plan: Vor dem eigentlichen Heer sollte eine Masse marschieren, die Bastions Verteidiger zugleich erschlug und ihnen zeigte, welches Schicksal ihre eigenen Körper erwartete.
Zolramus erreicht den Tempel des Mutes
Als die Nekropole Zolramus über Bastion erschien, traf der Angriff einen Ort, dessen Aspiranten gelernt hatten, Furcht zu überwinden. Nun sahen sie gefallene Gefährten nicht in Frieden aufsteigen, sondern als Rohstoff unter maldraxxischen Messern verschwinden. Pestknochen führte diesen Überfall an. Hinter ihm kamen Nekromanten, Seelensammler und Konstrukte; vor ihm wich die goldene Landschaft einer Schneise aus Trümmern, Leichen und grünlicher Fäulnis.
Fleischnaht hatte seinem Geschöpf keine Vergangenheit gelassen, an die es sich hätte klammern können. Pestknochen kannte weder den Namen eines früheren Lebens noch einen Zweifel an seinem Auftrag. Er fraß sich durch die Verteidigung, rülpste ätzende Gase aus und suchte stets das nächste lebende Ziel. Gerade diese Leere machte ihn für Zolramus wertvoll: Ein Soldat konnte desertieren, ein zusammengenähter Hunger nur aufgehalten werden.
Fäulnis wird zu einem lebenden Schwarm
Unter Pestknochens gespannter Haut wimmelte es. Aaswürmer brachen aus den Wunden hervor, sobald sein fauliger Atem neue Opfer fand. Die Parasiten waren keine zufällige Begleiterscheinung seines Zerfalls. Sie gehörten zu einer Kriegsführung, in der selbst Verwesung weiterkämpfte. Wer dem gewaltigen Körper auswich, musste noch immer verhindern, dass kleinere Mäuler sich festbissen und aus jedem Augenblick der Unachtsamkeit neue Nahrung gewannen.
Die Kyrianer verstanden den Tod als Übergang. Eine Seele sollte nach ihrem sterblichen Leben geprüft, geführt und schließlich zu einer neuen Aufgabe erhoben werden. Pestknochen verhöhnte diese Ordnung, ohne ein Wort zu sprechen. Sein Leib behauptete, dass vom Tod nur verwertbare Masse bleibe. Zolramus griff deshalb nicht allein Mauern an, sondern die Vorstellung, ein gefallener Körper dürfe ruhen und eine Seele ihren Weg ohne fremde Hand fortsetzen.
Xandrias Gegenstoß beginnt
Xandria, das Vorbild des Mutes, sammelte die überlebenden Kyrianer und führte die Schlundgänger gegen die Eindringlinge. Pestknochen stand ihnen als erste große Waffe der Nekropole gegenüber. Sein Fall beendete den Angriff nicht, doch er nahm Zolramus die Vorhut und bewies den erschütterten Verteidigern, dass Fleischnahts Werke zerbrechen konnten. Hinter dem Kadaver lag der Weg zu jenen offen, die seine Teile ausgewählt hatten.
Pestknochen hinterließ keine letzten Worte, nur einen Haufen aufbrechender Nähte. Darin lag die ganze Grausamkeit seiner Geschichte. Die einzelnen Toten, aus denen er bestand, hatten Namen besessen; das Konstrukt löschte sie unter einem einzigen neuen Namen aus. Als es fiel, war nicht bloß ein Ungeheuer besiegt. Der Vormarsch verlor ein wandelndes Versprechen, dass Zolramus jeden Gefallenen verschlingen und als namenlose Waffe zurückschicken könne.