Der Weg nach Die Nekrotische Schneise
Über dem Tempel des Mutes brach der Himmel auf, als die fliegende Nekropole Zolramus aus Maldraxxus nach Bastion vorstieß. Die Angreifer kamen nicht nur, um ein Heiligtum zu erobern. Sie sammelten die Körper gefallener Kyrianer, verwandelten sie in Material für neue Konstrukte und wollten den Mut selbst unter einer Ernte aus Knochen, Eis und Seuchen begraben. Xandria führte die Verteidiger durch jene Schneise, die der Angriff in Bastions scheinbar unberührte Ordnung gerissen hatte. In Chirurg Fleischnaht nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Fleischnaht arbeitete in den Körperbanken und im Nahtwerk des Hauses der Konstrukte. Dort wurde Tod nicht als Ende verstanden, sondern als Beginn einer neuen militärischen Form. Der Chirurg beherrschte diese Kunst mit außergewöhnlicher Geschicklichkeit. Doch wo andere Maldraxxi wenigstens noch von Dienst und Stärke sprachen, hörte Fleischnaht in jedem Knochen bereits das Geräusch eines Werkzeugs und sah in jeder Gliedmaße einen Platz in einem künftigen Entwurf.
Lange vor dem Angriff auf Bastion arbeitete Fleischnaht mit Rathan an einem Konstruktkörper für Emeni. Die als Schlachtertochter bekannte Baronin hatte ihren früheren Leib verloren und brauchte ein neues Gefäß für ihre Seele. Dieses Werk zeigt, was die Kunst der Konstrukte auch bedeuten konnte: nicht bloß Entweihung, sondern Fortbestand und eine zweite Gestalt für jemanden, dessen Wille erhalten blieb. Fleischnaht kannte den Unterschied und entschied sich später dennoch für Körper ohne Zustimmung.
Pestknochen wird zur Vorhut
Für Zolramus nähte er Pestknochen zusammen, eine gewaltige Masse aus verwesendem Fleisch. Der Chirurg schickte das Geschöpf voran gegen den Tempel des Mutes und beobachtete, wie es die ersten Reihen brach. In seiner Vorstellung war dies vermutlich der Beweis eines gelungenen Entwurfs. Für die Kyrianer war es eine Warnung: Die Werkstatt wartete bereits hinter dem Schlachtfeld, und jeder Tote konnte im nächsten Angriff unter einem fremden Namen zurückkehren.
Als Xandrias Verbündete das Nahtwerk erreichten, begrüßte Fleischnaht sie nicht als Feinde, sondern als verspätete Lieferung. Er musterte Körperbau, Hörner, Ohren, Regeneration und arkane Kraft und ordnete jedem Merkmal eine mögliche Verwendung zu. Seine Begeisterung war beinahe höflich, gerade deshalb aber so entsetzlich. Er nahm den Menschen vor sich nicht nur das Recht auf Leben, sondern schon vor ihrem Tod jede Ganzheit.
Assistenten, Haken und missratene Schöpfungen
Fleischnaht ließ Assistenten und Konstrukte für sich kämpfen, während er auf einer erhöhten Plattform blieb. Ihre Fleischerhaken sollten Opfer zu ihm ziehen, konnten jedoch ebenso den eigenen Schöpfer treffen. Die Angreifer machten aus der Abhängigkeit seiner Werkstatt eine Waffe: Sie richteten die Haken so aus, dass der Chirurg aus seiner sicheren Stellung gerissen wurde. Zum ersten Mal lag das vermeintliche Rohmaterial nicht auf seinem Tisch; der Meister selbst wurde in den Arbeitsraum gezerrt.
Fleischnaht starb mit dem Gedanken, sein größtes Werk stehe noch bevor. Diese Behauptung erwies sich auf bedrückende Weise als wahr. Malkrex und Sharrex führten seine Versuche mit kyrianischem Fleisch fort und schufen ein seelenverschmolzenes Konstrukt. Selbst nachdem dieses Wesen befreit und die Assistenten getötet worden waren, arbeiteten weitere Anhänger nach den zurückgelassenen Plänen. Ein Chirurg konnte fallen; eine Methode blieb in Zeichnungen, Gewohnheiten und gehorsamen Händen erhalten.
Der Unterschied zwischen Heilung und Besitz
Fleischnahts Geschichte wird durch Emeni besonders scharf. Er hatte erlebt, dass ein neuer Körper einer Seele dienen konnte. In Zolramus machte er die Seele dagegen dem Körper und den Körper seinem Krieg dienstbar. Nicht die Nadel allein machte ihn zum Ungeheuer, sondern die Entscheidung, wen er noch als Person betrachtete. Der Weg durch seine Werkstatt war deshalb mehr als die Zerstörung eines Waffenlagers: Er war die Rückforderung der Namen, die seine Entwürfe zu Teilen verkürzt hatten.