Zhu Langbraue baut einen sicheren Halt
Der Weg durch die Krasarangwildnis zum Tempel des Roten Kranichs war schon immer gefährlich. Pilger verirrten sich, wurden von wilden Tieren angegriffen oder verschwanden in den Sümpfen. Zhu Langbraue wollte diesen Verlust nicht länger hinnehmen. Mit seiner Familie gründete er eine Siedlung im Nordosten der Wildnis. Reisende sollten dort ausruhen, Vorräte erhalten und den nächsten Abschnitt ihres Weges gemeinsam antreten können.
Aus dem Schutzposten wurde über Jahrhunderte ein Dorf. Die Bewohner von Zhus Wacht pflegten die Sitte, guten Freunden einen Baum zu schenken. Ein Baum stand für Frieden, Wachstum und ein langes Leben. An der Grenze zum Dschungel hielten sie drei Gedenkfeuer am Brennen, die wilde Tiere fernhalten und zugleich an jene erinnern sollten, die auf den alten Wegen gestorben waren. So bewahrte der Ort den ursprünglichen Gedanken seines Gründers: Niemand sollte den gefährlichen Weg allein gehen müssen.
Das Dorf verliert den Willen zum Leben
Als das Sha der Verzweiflung in Krasarang stärker wurde, veränderte sich Zhus Wacht. Die Bewohner wurden nicht in rasende Feinde verwandelt. Sie hörten auf, sich um Dinge zu kümmern. Arbeiten blieben liegen, Gefahren wurden gleichgültig hingenommen und selbst die Erinnerung an bessere Tage schien keinen Sinn mehr zu besitzen. Diese stille Wirkung machte das Sha besonders gefährlich. Ein Dorf ohne Hoffnung musste nicht erobert werden; es gab sich selbst auf.
Der Hozen Ken-Ken erkannte, dass gewöhnliche Ermutigung nicht ausreichte. Gemeinsam mit Fremden suchte er nach der Ursache des Zustands und half, einzelne Bewohner aus ihrer Lähmung zu lösen. Erst dann konnte das Sha bekämpft werden, das ihre Gefühle verstärkte. Die Heilung war kein Befehl, fröhlich zu sein. Die Menschen mussten wieder erleben, dass ihr Handeln einen Unterschied machte und dass andere bereit waren, bei ihnen zu bleiben.
Ein kleiner Ort erklärt Pandarias größte Gefahr
Zhus Wacht zeigte früh, wie die Sha arbeiteten. Sie pflanzten keine völlig fremden Gedanken ein. Sie nahmen vorhandene Trauer, Angst oder Erschöpfung und ließen daraus eine Gewissheit werden, gegen die kein anderer Gedanke mehr ankam. Für die Neuankömmlinge von Horde und Allianz war das eine Warnung. Ihre Kriege erzeugten genau jene Gefühle, aus denen die Sha Kraft bezogen.
Nach der Befreiung kehrte der Alltag zurück. Die Feuer wurden wieder gepflegt, Reisende fanden Unterkunft und Bäume konnten erneut als Zeichen der Freundschaft verschenkt werden. Zhus Wacht wurde nicht berühmt, weil dort ein Kaiser fiel. Der Ort blieb in Erinnerung, weil seine Bewohner etwas zurückgewannen, das eine unsichtbare Macht ihnen genommen hatte: den Wunsch, füreinander zu sorgen und den nächsten Tag überhaupt noch zu erwarten.