Der Weg nach Schwarzfelstiefen
Die Schwarzfelstiefen bilden das Herz der Schattenseite, jener gewaltigen Stadt, die der Dunkeleisenklan tief im Schwarzfels errichtete. Nach der Beschwörung Ragnaros' lebten die Zwerge zwischen eigener Krone und dem Zwang des Feuerfürsten. Gefängnisse, Arena, Manufaktur, Schenke, Gruft und imperialer Sitz lagen nicht wie getrennte Verliese nebeneinander, sondern wie Organe eines Reiches: Jeder Raum hielt die Herrschaft Dagrans am Leben und zeigte zugleich, welchen Preis sein Volk für Macht, Stolz und die Hoffnung auf Freiheit bezahlte. In Verhörmeisterin Gerstahn erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Gerstahn stammte aus dem Adel und bewahrte ihre Vorliebe für feine Speisen, teure Kleidung und Schmuck auch im Dienst des Schattenhammers. Nur ihre Werkzeuge verrieten, wohin dieser Geschmack geführt hatte. Edelsteine verzierten Instrumente, deren Wert nicht in Schönheit, sondern in dem Schmerz lag, den sie möglichst lange erzeugen konnten. Luxus war für sie kein Gegensatz zur Grausamkeit, sondern deren sorgfältig gepflegte Form.
Die einzige Herrin aller Zellen
Im berüchtigten Gefängnis der Dunkeleisenzwerge trug Gerstahn den Schlüssel, der jede Zellentür öffnen konnte. Dadurch besaß sie mehr als Zugang. Sie entschied, wer Licht sah, wer befragt wurde und wessen Name hinter Stein verschwand. Gefangene verschiedener Völker warteten auf dieselbe Hand, während ihre Schreie durch Korridore liefen, die Gerstahn stolz ihre Symphonie nannte.
Zu ihren wichtigsten Gefangenen gehörte Reginald Windsor aus Sturmwind. Seine Spur führte in eine Verschwörung, die bis zu Onyxias Einfluss am königlichen Hof reichte. Gerstahn sollte aus ihm Informationen und Widerstand herausbrechen, bevor die Wahrheit die Tiefen verlassen konnte. Damit wurde ihre Kammer zu einem frühen Tor in eine weit größere Geschichte: Hinter dem Schmerz eines einzelnen Marschalls stand die Frage, wer in Sturmwind wirklich Befehle lenkte.
Gerstahns Herrschaft endete, als Thargas Ambossar sie in Begleitung von Varian Wrynn, damals als Lo'Gosh bekannt, und dem Nachtelfen Broll Bärenfell stellte. Der verlorene König war selbst auf dem Weg durch Gefangenschaft und geraubte Erinnerung. Im Zellenblock trafen deshalb zwei Arten der Kontrolle aufeinander: Gerstahns Werkzeuge sollten Wahrheit aus Körpern zwingen, während Varian darum kämpfte, die Wahrheit über sich selbst wieder zusammenzufügen.
Der Schlüssel nach dem Schweigen
Mit Gerstahns Niederlage wechselte der Zellenschlüssel die Hand. Türen konnten geöffnet und Stimmen aus der Isolation geholt werden. Die Toten ihrer früheren Verhöre kehrten dadurch nicht zurück, und auch Windsor war noch nicht am Ende seines Weges. Doch die Frau, die Schreie für Musik hielt, verlor die Macht über den nächsten Ton. Aus ihrem kostbarsten Besitz wurde ein Werkzeug der Befreiung.