Der Weg nach Das Kronsteiganwesen
Das Kronsteiganwesen war der Sitz eines Hauses, dessen Ahnherr Arom einst Gorak Tul und die Drust bezwungen hatte. Jahrtausende später öffnete Lady Meredith Kronsteig aus Angst um ihren sterbenden Mann dieselbe Tür erneut. Hexenmagie, gebundene Seelen und wiederbelebte Körper verwandelten das Familienheim in den Mittelpunkt von Drustvars Fluch. In Seelengebundener Goliath nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Der Goliath war kein einzelnes Wesen, das die Hexen lediglich vergrößert hatten. In ihm lagen die Seelen der Kul Tiraner, die er verschlungen hatte. Ihre Qual wurde zusammengebunden und in eine Gestalt gezwungen, deren Schritte weitere Opfer suchten. Jeder Ruf aus seinem Inneren gehörte jemandem, dessen Tod nicht einmal das Recht auf eine eigene Stimme bewahrt hatte.
Die Klagen im Inneren kündigten den Goliath an, lange bevor seine Fäuste trafen. Für die Bewohner Drustvars war dieser Laut eine Warnung und ein Hohn. Das Anwesen des Hauses, das einst die Drust besiegt hatte, ließ nun die Stimmen seines eigenen Volkes als Begleitmusik einer Drustkonstruktion ertönen. Gorak Tuls Rache zielte nicht nur auf Leben, sondern auf Erinnerung und Würde.
Die Seelenernte wächst ohne Grenze
Mit der Zeit zog der Goliath immer mehr Kraft aus dem Jenseits. Jede Schicht machte seine Schläge schwerer. Ein gewöhnlicher Kampf der Ausdauer hätte ihn deshalb nur gestärkt. Die Gefährten mussten einen Weg finden, die gesammelten Seelenkräfte regelmäßig aus seinem Körper zu brennen, bevor aus dem langsamen Anwachsen eine unaufhaltsame Gewalt wurde.
Blitze entzündeten trockenes Gestrüpp und schufen wilde Feuerstellen. Führte man den Goliath hinein, verbrannte ein Teil seiner Seelenernte. Die Flammen verletzten auch alle in der Nähe, doch sie lösten die angestaute Macht. Im verfluchten Anwesen war Feuer nicht bloß Zerstörung. Richtig eingesetzt trennte es den Goliath von jener Kraft, die gefangene Tote gegen die Lebenden richtete.
Seelendornen brachen unter einem Menschen hervor und hielten ihn fest. Gefährten mussten die Ranken zerschlagen, bevor der Goliath seine ganze Kraft gegen das unbewegliche Ziel wandte. Die Konstruktion wiederholte so ihren Ursprung im Kleinen: Sie nahm einen Einzelnen, band ihn an sich und versuchte, aus persönlichem Leiden neuen Bestandteil ihrer Macht zu machen.
Jeder Schlag trägt fremde Qual
Der Goliath zerschmetterte Gegner mit schwerer Faust, doch die eigentliche Grausamkeit lag hinter der Bewegung. Seine Kraft gehörte nicht nur ihm. Sie war aus geraubten Seelen gewonnen. Wer gegen ihn kämpfte, stand damit vor Körper und Gefängnis zugleich. Der Sieg musste die Gestalt zerstören, obwohl in ihr jene Gefangenen lagen, die man eigentlich befreien wollte.
Mit seinem Fall endete der gemeinsame Leib. Das Anwesen verlor eine wandelnde Sammlung seiner Opfer, doch die Hexen hatten noch andere Formen des Hungers geschaffen. In der Küche wartete Raal der Unersättliche, einst Koch der Familie. Auch er hatte Dienst und Versorgung verdreht, bis Gäste, Diener und sein eigener Körper nur noch verschiedene Portionen derselben endlosen Mahlzeit waren.