Ehre und StärkeBlackmoore
Raal der Unersättliche
Bosse

Raal der Unersättliche

Raal der Unersättliche war einst Leibkoch der Kronsteigs. Unter dem Fluch wurde seine Küche zur Kammer des Grauens, in der er Stücke seiner selbst an verdammte Gäste gab und ausgemergelte Diener verschlang. Jeder Ruf nach der nächsten Portion machte aus häuslicher Fürsorge einen Kreislauf aus Hunger und Verzehr.

Der Weg nach Das Kronsteiganwesen

Das Kronsteiganwesen war der Sitz eines Hauses, dessen Ahnherr Arom einst Gorak Tul und die Drust bezwungen hatte. Jahrtausende später öffnete Lady Meredith Kronsteig aus Angst um ihren sterbenden Mann dieselbe Tür erneut. Hexenmagie, gebundene Seelen und wiederbelebte Körper verwandelten das Familienheim in den Mittelpunkt von Drustvars Fluch. In Raal der Unersättliche nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.

Bevor der Fluch das Anwesen veränderte, versorgte Raal die Familie Kronsteig und ihre Gäste. Eine Küche war der Ort, an dem Reichtum in Mahlzeiten, Gastfreundschaft und tägliche Ordnung übersetzt wurde. Der Leibkoch kannte Vorräte, Vorlieben und den Rhythmus des Hauses. Gerade deshalb wirkte seine Verwandlung so gründlich: Gorak Tuls Einfluss musste nichts Neues bauen, sondern nur den Sinn eines vertrauten Raumes umkehren.

Aus Versorgung wird Verzehr

Raal bereitete keine Nahrung mehr für Lebende. Er servierte den verdammten Gästen Teile seines eigenen veränderten Körpers. Essen nährte nicht länger Gemeinschaft, sondern hielt den Fluch in Bewegung. Koch, Speise und Gastgeber fielen in einer Gestalt zusammen. Seine Unersättlichkeit entstand nicht aus Genuss, sondern aus einer Magie, die jeden Körper nur noch danach beurteilte, wen er als Nächstes verschlingen konnte.

Ausgemergelte Diener schleppten sich zu Raal, sobald er nach ihnen verlangte. Erreichten sie ihn, fraß er sie und wurde stärker. Ihre Treue war keine freiwillige Pflichterfüllung mehr. Der Fluch führte sie direkt in den Mund dessen, dem sie einst Mahlzeiten gebracht hatten. Die Gefährten mussten die Diener aufhalten, bevor ein weiteres Leben zur Stärkung ihres früheren Vorgesetzten wurde.

Der Boden wird weichgeklopft

Raal schlug mit gewaltiger Kraft vor sich auf den Boden, als würde er Fleisch zart machen. Wer in der Bahn blieb, wurde selbst Teil seiner Küchenarbeit. Die vertraute Bewegung eines Kochs war zur Hinrichtung vergrößert worden. Man überlebte nicht durch Widerstand gegen den Schlag, sondern durch das rechtzeitige Verlassen jener Fläche, die Raal bereits als nächste Arbeitsplatte ausgewählt hatte.

Verdorbene Masse schoss aus seinem Körper und blieb auf den Fliesen liegen. Die Küche füllte sich mit Rückständen, die jede Bewegung gefährlicher machten. Nichts an diesem Festmahl konnte noch reinigen oder stärken. Selbst das, was Raal nicht verschlang, wurde zu Fäulnis. Der Raum zeigte, wohin unendlicher Hunger führt: nicht zu Fülle, sondern zu immer mehr unbrauchbarem Verfall.

Ohne nahes Opfer frisst er alle

Stand niemand in Reichweite, griff Raals Hunger nach jedem zugleich. Abstand allein bot deshalb keinen Schutz. Die Gruppe musste nahe genug bleiben, um seinen Blick zu binden, und beweglich genug, seinen Schlägen auszuweichen. Raal machte Gemeinschaft zur Gefahr und Vereinzelung ebenso. Er zwang seine Gegner in den engen Rhythmus eines Gastmahls, bei dem der Gastgeber selbst die Tischordnung mit Gewalt bestimmte.

Raal fiel zwischen den Resten seines verdorbenen Dienstes. Hinter ihm lag der Weg in die Katakomben, wo das persönliche Herz des Fluchs wartete. Arthur Kronsteigs Krankheit und Merediths Angst hatten Gorak Tul den Zugang eröffnet. Die Schwestern, der Goliath und Raal waren Folgen dieses Handels. Nun mussten die Eindringlinge jenem Paar begegnen, das Liebe in die Weigerung verwandelt hatte, den Tod überhaupt noch anzuerkennen.