Die Stadt, die Nein sagte
Orsis lag westlich des Flusses von Uldum. Wie Ramkahen und Neferset wurde die Stadt von Tol'vir bewohnt, deren steinerne Vorfahren einst im Auftrag der Titanen wachten. Auch die Bewohner von Orsis waren durch den Fluch des Fleisches sterblich geworden. Todesschwinge bot ihnen an, diesen Zustand rückgängig zu machen. Die Rückkehr zum Stein verlangte jedoch, dass sie sich ihm und Al'Akir unterwarfen.
Der Stamm lehnte ab. Seine Bewohner entschieden sich gegen eine Unvergänglichkeit, die ihnen nur als Lohn für Gehorsam gewährt wurde. Diese Antwort blieb nicht ungestraft. Al'Akir schickte einen gewaltigen Sandsturm über die Stadt. Gebäude, Straßen und Bewohner verschwanden unter den Dünen. Die Zerstörung sollte nicht nur Orsis treffen, sondern den übrigen Tol'vir zeigen, was mit jedem geschah, der Todesschwinges Angebot ausschlug.
Überleben unter dem Sand
Nicht alle Bewohner starben. Unter den verschütteten Ruinen hielten Überlebende aus, während Luft- und Erdelementare den Ort bewachten. König Phaoris von Ramkahen schickte Hilfe, sobald er vom Schicksal der Stadt erfuhr. Die Rettung war zugleich politisch wichtig: Orsis hatte dieselbe Entscheidung getroffen wie Ramkahen und den Preis dafür bereits bezahlt. Wenn Phaoris die Verschütteten ihrem Schicksal überließ, würde sein eigenes Bündnis zerbrechlicher wirken.
Im Zentrum des Konflikts stand auch das Zepter von Orsis. Der Stamm hatte geschworen, dieses Artefakt vor bösen Mächten zu bewahren. Al'Akirs Diener suchten danach, während die Überlebenden unter dem Sand festsaßen. Die Rettungsversuche mussten deshalb zwei Aufgaben verbinden: Menschen aus den Ruinen befreien und verhindern, dass der Windlord gerade durch seine Strafaktion an einen Gegenstand gelangte, den Orsis so lange geschützt hatte.
Eine Ruine als Warnung
Orsis wurde nicht einfach wiederaufgebaut. Die verschüttete Stadt blieb eine offene Narbe in Uldum. Später, nach N'Zoths Befreiung, breiteten sich dort Aqir aus. Verteidiger der Allianz hielten den Ort gegen die neuen Eindringlinge, und manche starben zwischen Ruinen, die schon durch einen früheren Diener der Alten Götter verwüstet worden waren.
Die Geschichte von Orsis ist deshalb kurz, aber keineswegs nebensächlich. Hier wird sichtbar, welchen Preis freie Entscheidung in Uldum haben konnte. Die Bewohner verloren ihre Stadt nicht durch Unwissen oder inneren Verrat. Sie wussten, was Todesschwinge verlangte, und verweigerten ihm den Gehorsam. Der Sandsturm zerstörte ihre Häuser, aber er verwandelte ihre Ablehnung zugleich in das deutlichste Argument dafür, weshalb Ramkahen dem gleichen Angebot niemals trauen durfte.