Der Weg nach Hallen der Sühne
In den Hallen der Sühne hatte die Anklägerin Seelen mit ihren Sünden konfrontiert, damit Reue möglich wurde und Anima aus freiwillig abgelegter Schuld hervorging. Nach ihrer Gefangennahme übernahm der Oberste Kämmerer den Ort. Er hortete die gewonnene Anima, machte aus Sündensteinen Waffen und ersetzte Läuterung durch Unterwerfung. Der Weg durch die Hallen führte daher nicht gegen Abbitte, sondern gegen ihren Missbrauch. In Oberster Kämmerer nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Der Kämmerer nannte Denathrius stets den Meister und behandelte dessen Rang als Quelle jeder Wahrheit. Gegenüber fast allen anderen zeigte er unverhüllten Hochmut. Titel, Erfahrung und Opfer zählten für ihn nur, wenn sie der Nähe zum Grafen dienten. Diese Haltung war mehr als schlechte Umgangsform. Sie machte ihn zum idealen Werkzeug für einen Herrscher, der Revendreths Ordnung mit seiner eigenen Person gleichgesetzt hatte.
Eine höfliche Fahrt nach Dunkelhafen
Als der Schlundgänger Revendreth erreichte, bot der Kämmerer eine Fahrt in seiner Kutsche an und führte den Fremden zu Denathrius. Er sprach beruhigend über Gerüchte, spielte die Animadürre herunter und bat um Vertrauen in den Plan des Meisters. Die Höflichkeit verbarg keine heimliche Güte. Sie war die weiche Seite derselben Kontrolle, die später in den Hallen offen hervortrat: Menschen sollten sich geführt fühlen, während man ihnen Richtung und Deutung bereits abnahm.
Der Kämmerer half, die rebellische Anklägerin gefangen zu nehmen, und stieg dadurch zum Ernter auf. Dann übernahm er ihre Hallen. Der Ort, an dem sie selbst mächtigen Seelen ihre Schuld ohne Rücksicht auf Rang vorgehalten hatte, geriet in die Hände eines Mannes, der Rang für den Beweis eigener Überlegenheit hielt. Ausgerechnet er bestimmte nun, wie Abbitte auszusehen hatte.
Unter seiner Herrschaft floss die aus Sünden gewonnene Anima nicht mehr dorthin, wo Revendreth und die Schattenlande sie brauchten. Sie wurde gesammelt, bewacht und für Denathrius' Pläne verwendet. Seelen sollten leiden, aber nicht unbedingt lernen; ein abgeschlossener Weg hätte den Ertrag beendet. So verwandelte der Kämmerer eine schwierige Form der Erlösung in ein Geschäftsmodell, dessen Gewinn nach oben und dessen Schmerzen immer nach unten gingen.
Die Statuen des gestohlenen Rituals
Im letzten Saal ließ der Kämmerer gewaltige Sündensteinstatuen durch die Luft fliegen und als Geschosse auf seine Gegner stürzen. Dann stellte er sie für ein Ritual der Pein auf, in dem Strahlen dunkler Macht durch den Raum liefen. Die Symbole der Erinnerung und des Urteils wurden zu beweglichen Waffen. Was früher einer Seele ihre Geschichte vor Augen halten sollte, gehorchte nun der Hand eines Mannes, der sich selbst von jeder Prüfung ausnahm.
Der Kämmerer rühmte sich, seine Hände nicht schmutzig zu machen. Seine Magie entsprach diesem Stolz. Er schleuderte Statuen, bewegte Gefäße und ließ gespeicherte Macht an seiner Stelle zuschlagen. Andere Körper trugen den Aufprall, andere Seelen lieferten die Anima, andere Diener bewachten die Wege. Seine Herrschaft beruhte darauf, Folgen auf Abstand zu halten, bis die Schlundgänger ihn zwangen, im Zentrum der eigenen Anordnung zu stehen.
Die Hallen erhalten ihre Möglichkeit zurück
Mit seinem Tod endete nicht jede Schuld in Revendreth, und die Anklägerin blieb eine strenge Richterin. Doch ihre Hallen konnten wieder einem Weg dienen, der wenigstens auf Veränderung zielte. Der Kämmerer fiel, weil er Sühne ohne Selbstprüfung verlangte. Er kannte die Vergehen anderer, betrachtete aber Stolz, Ausbeutung und blinden Dienst im eigenen Leben als Tugenden. Am Ende gaben die Hallen ihm keine Absolution; sie zeigten nur, wie vollständig er ihren Sinn verkehrt hatte.