Ehre und StärkeBlackmoore
Henker Tarvold
Bosse

Henker Tarvold

Henker Tarvold verwaltete die Gefangenen der Blutigen Tiefen mit krankhaftem Vergnügen. Wo andere Venthyr von heiliger Pflicht und Sündenläuterung sprachen, machte er Folter zum Selbstzweck und ließ gequälte Manifestationen aus der latenten Anima seines Gefängnisses wachsen.

Der Weg nach Die Blutigen Tiefen

Tief unter Revendreth lagen die Blutigen Tiefen, Gefängnis und Speicher zugleich. Denathrius ließ dort Seelen leiden, Anima sammeln und besonders wertvolle Gefangene verbergen. Als die Rebellion die Naaru Z'rali befreien wollte, führte der Weg an einem Anima verschlingenden Eindringling, einem sadistischen Wärter und einer Forscherin vorbei, die selbst das Licht ihres Gefangenen in eine beherrschbare Waffe verwandeln wollte. In Henker Tarvold nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.

Tarvold erhielt die Aufsicht über Gefangene, denen Sünden und Anima entzogen werden sollten. Schon diese Aufgabe verlangte eine strenge Grenze zwischen notwendiger Konfrontation und Grausamkeit. In den Blutigen Tiefen war die Grenze aufgehoben. Der Henker durfte Schmerzen zufügen, weil sie ihm Freude bereiteten, solange aus den Körpern noch etwas gewonnen wurde. Sein Amt gab einem persönlichen Verlangen den Schutz heiliger Sprache.

Abbitte wird zur Ausrede

Viele Venthyr verstanden ihre Arbeit als Pflicht: Eine Seele sollte die eigenen Vergehen anerkennen und dadurch verändert werden. Tarvold interessierte sich nicht für Veränderung. Ein geläuterter Gefangener hätte seine Kammer verlassen; ein gebrochener Körper konnte weiter schreien. Er nannte Folter Sühne, weil dieses Wort den Opfern die Möglichkeit nahm, sein Vergnügen als das zu benennen, was es war.

Kugeln verdorbener Anima zogen durch das Gefängnis und machten selbst den Weg zum Wärter gefährlich. Sie waren Rückstände unzähliger Verhöre, gespeicherte Schuld ohne Ruhe. Tarvold musste sie nicht mit der Hand werfen. Die Anlage hatte so viel Schmerz aufgenommen, dass ihre Umgebung von allein weiterverletzte. Sein Gefängnis war zu einem zweiten Folterknecht geworden.

Manifestationen aus eingesperrtem Leid

Der Henker rief flüchtige Erscheinungen aus ihren Zellen. Sie saugten latente Anima auf, wuchsen und strahlten ihren Stolz als Schmerz über alle Anwesenden aus. Je länger sie bestanden, desto gefährlicher wurde ihr Tod. Tarvold hatte Leiden so lange gesammelt, bis es eigene Gestalten annahm, die selbst nach ihrer Vernichtung noch einen See aus roher Sünde zurückließen.

Tarvold wählte einzelne Gegner und ließ Wellen der Züchtigung von ihrem Körper ausgehen. Wer helfen wollte, musste Abstand halten, damit der Schmerz nicht auf andere übersprang. Die Folter isolierte das Opfer und machte Nähe gefährlich. Das war mehr als eine Kampftechnik. Es wiederholte die Logik des Gefängnisses: Jeder sollte glauben, allein schuldig zu sein und jede Verbindung schade den Menschen ringsum.

Der Wärter wartet auf keine Beichte mehr

Die Schlundgänger zerstörten die Manifestationen früh, wichen den kreisenden Resten aus und entzogen Tarvold die Kontrolle über seinen Raum. Sterbend dachte er noch an die Sünder, die auf seine Behandlung warteten. Er sah sie nicht als Menschen, deren Gefangenschaft enden könnte. Selbst im letzten Augenblick blieben sie eine unvollendete Arbeit, durch die sein Vergnügen weiter den Namen einer Pflicht tragen sollte.

Tarvolds Rang bewies nicht nur seine eigene Verderbtheit. Jemand hatte ihn eingesetzt, beobachtet und gewähren lassen. Die Blutigen Tiefen waren deshalb kein verborgener Unfall eines einzelnen Sadisten, sondern Teil eines Systems, das Animaertrag über jede Grenze stellte. Sein Fall öffnete Zellen und Wege, doch die eigentliche Anklage richtete sich nach oben: gegen eine Herrschaft, die aus einem Henker einen anerkannten Verwalter gemacht hatte.