Völker unter alten Bäumen
Furbolgs lebten in Kalimdors Wäldern, lange bevor jüngere Reiche ihre Grenzen durch diese Gebiete zogen. Ihre Vorfahren waren die Jalgar. Über Generationen entstanden zahlreiche Stämme, die gemeinsame Züge trugen, aber keine einzige Nation bildeten. Ein Furbolg aus Winterquell, dem Eschental oder den Grizzlyhügeln konnte andere Bräuche und Verbündete kennen als ein Verwandter jenseits des Meeres.
Ihre Siedlungen verbinden Holz, Stein und Höhlen mit den Wegen des Waldes. Jagd und Sammeln stehen neben Braukunst und der Pflege von Bienen. Schamanen hören auf Elemente und Ahnen; manche Furbolgs beherrschen einfache Gestaltwandlung. Geschmückte Perlen, Federn und Totems erzählen Rang und Erinnerung, ohne dass Außenstehende ihre Bedeutung auf den ersten Blick lesen können.
Ursoc und Ursol
Viele Stämme verehren die Bärenahnen Ursoc und Ursol. Ursoc verkörpert rohe Kraft, Mut und die Verteidigung des Lebens, Ursol Weisheit und schamanisches Verständnis. Ihre Verehrung erklärt eine geistige Verwandtschaft, aber keine sicher belegte direkte Abstammung aller Furbolgs. Chroniken führen das Volk auf Jalgar zurück; wie diese zu den Wildgöttern standen, bleibt nicht vollständig geklärt.
Diese Ungewissheit mindert den Glauben nicht. Für einen Stamm entsteht Herkunft nicht nur aus Blutlinien, sondern aus Ritualen, Erzählungen und den Pflichten, die eine Gemeinschaft übernimmt. Als Ursoc durch den Smaragdgrünen Alptraum verdorben wurde, traf das die Furbolgs deshalb wie ein Angriff auf eine lebende Grundlage ihrer Welt.
Verderbnis als fremde Sprache
Viele Begegnungen anderer Völker mit Furbolgs fanden erst statt, nachdem ein Stamm bereits dem Wahnsinn verfallen war. Dämonische Magie, Satyrn, verseuchte Wasser und der Smaragdgrüne Alptraum verwandelten Misstrauen in Raserei. Dadurch entstand das bequeme Bild eines wilden Volkes, obwohl der sichtbare Angriff oft das Endstadium einer von außen zugefügten Krankheit war.
Die Totenwaldfeste und Winterfelle zeigen, wie schwer Heilung wird, wenn Handelnde nur die tobenden Krieger sehen. Andere Gemeinschaften wie die Holzschlundfeste bewahrten ihren Willen und schlossen vorsichtige Bündnisse. Vertrauen musste über Federn, Vorräte und wiederholte Hilfe wachsen. Es war kein Geschenk, das nach einer einzigen guten Tat jede alte Verletzung verschwinden ließ.
Stämme über mehrere Länder
Auf der Azurmythosinsel lebten die Tannenruhfeste, ehe der Absturz der Exodar neue Gefahren brachte. In Nordend bewahrten Furbolgs der Grizzlyhügel alte Verbindungen zu Ursoc. Auf den Dracheninseln hielten sich die Winterpelze so lange abseits, dass ihre Sprache selbst erfahrenen Reisenden unverständlich blieb.
Als Primalisten Macht anboten, lehnten die Winterpelze ab und wurden dafür versklavt. Erst geduldiges Entziffern ihrer Sprache machte Zusammenarbeit möglich. Diese Geschichte kehrt das alte Muster um: Nicht die Furbolgs mussten lernen, verständlich zu werden. Fremde mussten Zeit investieren, bis aus Geräuschen Worte und aus einer scheinbar abgeschlossenen Gruppe Personen mit eigenen Entscheidungen wurden.
Mehr als ein verdorbener Stamm
Furbolgs besitzen keinen einzelnen Herrscher, der für alle sprechen könnte. Diese Vielfalt macht ihre Geschichte schwerer in eine Zeile zu pressen und schützt sie zugleich vor der Behauptung, ein korrumpierter Stamm zeige das Wesen des ganzen Volkes. Manche Gemeinschaften kämpfen gegen Fremde, andere mit ihnen; manche schließen sich ein, andere bewachen Wege zwischen Völkern.
Wer einem Furbolg begegnet, trifft deshalb nicht zuerst auf eine Nebenfigur des Nachtelfenwaldes. Er trifft auf ein Mitglied einer alten, vielfach verwundeten Kultur. Ihre Wut kann Gefahr sein, doch sie hat Ursachen. Ihre Rituale mögen fremd wirken, doch sie tragen Erinnerung. Zwischen Honig, Totem und Bärengott bewahren die Furbolgs eine Wahrheit, die Eroberer häufig übersehen: Ein Wald ist niemals leer, nur weil seine Bewohner keine Städte nach fremdem Vorbild bauen.