Der Weg nach Seuchensturz
Das Haus der Seuchen hatte Maldraxxus mit Tinkturen, Giften und lebenden Kampfstoffen versorgt, bis eine Explosion seinen Sitz zerriss. Danach floss das Werk zahlloser Seuchenerfinder ungehindert durch die Ruinen. Schleime verschmolzen, Experimente verselbstständigten sich, Überlebende suchten zwischen den Trümmern nach Macht, und tief unter allem blieb Markgräfin Stradama in dem Untergang gefangen, der ihr Haus vernichtet hatte. In Domina Giftklinge nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Das Haus der Augen hatte Maldraxxus mit Spähern, Assassinen und Geheimnissen versorgt. Seine Mitglieder lebten von der Fähigkeit, Gefahren zu entdecken, bevor andere überhaupt an Verrat glaubten. Trotzdem fiel ihr Haus. Für Domina Giftklinge war diese Niederlage mehr als der Verlust einer militärischen Heimat. Sie stellte das ganze Versprechen ihrer Ausbildung infrage: Wenn selbst die Augen Maldraxxus' den eigenen Untergang nicht verhindern konnten, musste Rache dort beginnen, wo Wachsamkeit versagt hatte.
In den Ruinen liegt eine mögliche Antwort
Domina glaubte, im zerstörten Haus der Seuchen liege das Mittel für ihre Vergeltung. Die ausgelaufenen Stoffe konnten Körper, Armeen und vielleicht ganze Häuser vernichten. Wo Globgrog nur Besitztrieb und Ickus grenzenlose Neugier gezeigt hatten, brachte sie ein klares Ziel mit. Gerade das machte ihre Suche gefährlich. Eine Waffe erschien ihr sinnvoll, solange sie gegen die Schuldigen gerichtet werden konnte, auch wenn niemand mehr zuverlässig wusste, welche Seuche nach dem Wurf noch zwischen Täter und Unbeteiligtem unterschied.
Andere Maldraxxi wollten verhindern, dass die Ruinen weiter geplündert wurden. Domina erkannte darin keinen Schutz vor einer zweiten Katastrophe. Wer ihr den Weg versperrte, stand für sie zwischen den Toten des Hauses der Augen und der geschuldeten Antwort. Misstrauen, einst Werkzeug ihrer Arbeit, war zum alleinigen Urteil geworden. Sie fragte nicht mehr, weshalb jemand sie aufhielt, sondern nur, auf welche Weise dieser Mensch beseitigt werden musste.
Attentäterinnen im unsichtbaren Netz
Giftklinge kam nicht allein. Ihre Assassinen verbargen sich in den Schatten und bildeten ein Netz aus möglichen Angriffen. Manche waren nur Schemen, andere warteten tatsächlich mit Klingen. Die Schlundgänger mussten Nähe, Bewegung und kleine Unstimmigkeiten lesen, um die echten Gefahren zu erkennen. Damit machte Domina den Kampf zu einer letzten Prüfung des Hauses der Augen: Überleben konnte nur, wer sah, was sich absichtlich dem Blick entzog.
Spinnen und giftige Geschosse füllten den Raum, während Domina einzelne Ziele absonderte. Ein isolierter Mensch war leichter zu umstellen, zu betäuben und lautlos zu töten. Ihre Taktik spiegelte die innere Haltung, die sie nach dem Fall ihres Hauses angenommen hatte. Gemeinschaft bedeutete für sie kein Netz gegenseitiger Hilfe mehr. Es bestand aus Knoten, die man voneinander trennen musste, bis jeder Widerstand allein im Dunkel stand.
Die Rache erreicht Stradamas Tor nicht
Domina wollte den inneren Bereich erreichen, in den sich Stradama zurückgezogen hatte. Dort hoffte sie auf die Macht, die ihr Haus rächen würde. Die Schlundgänger fingen sie vorher ab und brachen den Ring ihrer Assassinen. Sie starb an der Schwelle zu einer Antwort, deren Folgen sie nie hätte beherrschen können. Hinter ihr lag das zerstörte Haus der Augen; vor ihr eine Markgräfin, die selbst zum Opfer jener Seuchen geworden war, die Domina verwenden wollte.
Giftklinges Wunsch nach Vergeltung war nicht grundlos. Ihr Haus war verraten und ausgelöscht worden. Doch in Seuchensturz suchte sie keinen Beweis, keine lebenden Verbündeten und keinen Weg, die Überreste ihres Hauses zu bewahren. Sie suchte eine Waffe. Dadurch ließ sie denselben Zorn, der an die Toten erinnern sollte, jede noch bestehende Bindung verbrennen. Die Augen hatten gelernt, verborgenes Unheil zu erkennen; Domina scheiterte an dem Unheil, das sie offen in den Händen tragen wollte.