Der Weg nach Seuchensturz
Das Haus der Seuchen hatte Maldraxxus mit Tinkturen, Giften und lebenden Kampfstoffen versorgt, bis eine Explosion seinen Sitz zerriss. Danach floss das Werk zahlloser Seuchenerfinder ungehindert durch die Ruinen. Schleime verschmolzen, Experimente verselbstständigten sich, Überlebende suchten zwischen den Trümmern nach Macht, und tief unter allem blieb Markgräfin Stradama in dem Untergang gefangen, der ihr Haus vernichtet hatte. In Doktor Ickus nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Die Explosion hatte Laboratorien geöffnet, Kollegen getötet und jahrzehntelange Rezepturen unkontrollierbar vermischt. Ickus sah darin keinen Grund, seine Arbeit zu beenden. Wo andere nur giftige Dämpfe und einstürzende Plattformen erkannten, entdeckte er ein Labor ohne Aufsicht. Der Untergang des Hauses wurde in seinem Denken nicht zur Warnung, sondern zur Gelegenheit, Ergebnisse zu beobachten, die niemand bei klarem Verstand absichtlich erzeugt hätte.
Das vermutete Genie
Schon das Dungeonkompendium nannte sein Genie nur ein vermutetes. Ickus selbst kannte diesen Zweifel nicht. Er behandelte jede Mischung als Fortschritt und jedes überlebte Experiment als Bestätigung. Wahre Forschung hätte verlangt, Ursache und Wirkung voneinander zu trennen. In Seuchensturz lagen jedoch zu viele Stoffe übereinander. Der Doktor gab dem Chaos Namen, beanspruchte die Ergebnisse und verwechselte seine Bereitschaft zum Risiko mit Erkenntnis.
Ickus versetzte seine Gegner mit Schleiminjektionen und hinterließ Krankheiten, die von einem Körper zum nächsten sprangen. Er schleuderte Seuchenbomben und ließ die Ruinen selbst für ihn weiterarbeiten. Der Kampf wirkte wie eine Reihe improvisierter Versuche, doch die Versuchspersonen hatten nie zugestimmt. Was er als Daten betrachtete, bedeutete für jeden anderen Schmerz, Ansteckung und die ständige Angst, das eigene Leiden an einen Gefährten weiterzugeben.
Sobald der Druck wuchs, sprang Ickus auf eine andere Plattform und ließ seine Verfolger durch die giftigen Becken zu sich kommen. Die zerbrochene Anlage wurde zu seinem Schutz. Er kannte die Wege, die Höhe und die Stellen, an denen sich Schleime sammelten. Seine Beweglichkeit zeigte, dass er keineswegs nur ein rasender Narr war. Hinter der Selbstüberschätzung stand ein Forscher, der seine gefährliche Umgebung gut genug verstand, um immer andere zuerst hineinlaufen zu lassen.
Bomben und Schleime übernehmen den Versuch
Auf jeder neuen Position setzte Ickus weitere Erzeugnisse frei. Eine Seuchenbombe drohte ihre Ladung über den ganzen Bereich zu verteilen, während geronnene Schleime und andere Auswüchse den Zugang blockierten. Die Angreifer mussten entscheiden, welche Reaktion zuerst gestoppt werden musste. Damit verwandelte der Doktor die Schlacht in genau jenes Problem, das er selbst geschaffen hatte: Zu viele instabile Vorgänge liefen gleichzeitig, und ein einziger unbeachteter konnte alle anderen Bemühungen wertlos machen.
Ickus fiel nicht durch eine große theoretische Widerlegung. Seine Gegner überlebten seine Versuche, entschärften die Bomben und zerstreuten die Schleime, bis der Doktor keinen sicheren Vorsprung mehr fand. Für jemanden, der jede Gefahr zum Beleg eigener Größe erklärt hatte, war dies die härteste Antwort. Die Ruinen erkannten keinen Titel an, und eine Seuche ehrte ihren Erfinder nicht, wenn sie sich gegen ihn wandte.
Was von seinem Genie bleibt
Nach Ickus lag noch immer genug Gift in Seuchensturz, um Heere zu bedrohen. Er hatte diese Macht weder geschaffen noch beherrscht; er hatte sie nur neu angeordnet und dabei weitere Opfer riskiert. Sein Eintrag in der Geschichte des Hauses ist deshalb kein Triumph missverstandener Wissenschaft. Er zeigt, wie leicht Neugier zur Eitelkeit wird, wenn Erkenntnis nicht mehr daran gemessen wird, ob jemand die Folgen versteht, sondern nur daran, ob der Forscher als Letzter den Raum verlässt.