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Die Sandkönigin
Bosse

Die Sandkönigin

Die Sandkönigin lauerte im Strand rund um Tol Dagor und machte die See zum Teil des Gefängnisses. Kein entflohener Häftling hatte ihre Jagd überlebt; Wärter fanden nur Stoff und Knochen. Als Flynn Schönwind und seine Gefährten ausbrachen, erhob sich die unbekannte Monstrosität mit Drohnen, Fallen und bebendem Sand.

Der Weg nach Tol Dagor

Tol Dagor erhob sich als Gefängnisinsel vor der Küste von Kul Tiras. Unter Priscilla Aschenwinds Einfluss verschwanden dort nicht nur Verbrecher, sondern auch politische Gegner und Menschen, die ihren Plänen im Weg standen. Eine Flucht führte vom Sand vor den Mauern durch Zellen, Arsenal und Kanonen bis zum Aufseher, der das Gefängnis wie ein persönliches Versuchslabor behandelte. In Die Sandkönigin nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.

Tol Dagor brauchte nicht an jeder Stelle Gitter. Das Meer, die felsige Küste und der tiefe Sand bildeten eine äußere Zelle, in der schon der erste Schritt in Freiheit tödlich werden konnte. Wer die Mauern überwand, stand noch lange nicht auf sicherem Boden. Die Sandkönigin wartete dort, wo ein erschöpfter Häftling das Ufer bereits für Rettung halten mochte.

Von den Geflohenen bleiben nur Reste

Die Wärter wussten wenig über die Kreatur. Sie mussten auch nicht mehr wissen. Kein Fluchtversuch hatte ihre Jagd überlebt, und am Strand blieben lediglich zerrissene Kleidung und Knochen zurück. So wurde Ungewissheit selbst zum Teil der Strafe. Gefangene konnten sich kein genaues Bild vom Tod machen, der draußen wartete, nur von den Resten jener, die mutiger oder verzweifelter gewesen waren.

Als ein Gefangener der Allianz gemeinsam mit Flynn Schönwind aus Tol Dagor entkam, lag die Sandkönigin auf ihrem Weg. Flynn war Schmuggler, Seemann und Meister darin, aus einem schlechten Plan noch eine brauchbare Richtung zu machen. Doch auch seine Ortskenntnis konnte die Kreatur nicht umgehen. Die Flucht musste sich ihren ersten offenen Raum erkämpfen, bevor die Mauern des Gefängnisses von innen angegriffen werden konnten.

Fallen wachsen aus jedem Schritt

Die Sandkönigin legte Gruben unter ihre Beute. Wer hineintrat, wurde festgehalten und vom Rest der Gruppe getrennt. Mit jeder neuen Falle schrumpfte die freie Fläche. Das Ufer, das nach Weite aussah, wurde zu einem unsichtbaren Gitter. Die Kreatur brauchte keine Schlüssel. Sie ordnete den Sand so, dass jeder falsche Schritt eine eigene Zelle schuf.

Dann grub sich die Königin ein. Ihr Körper verschwand, doch der aufgeworfene Sand verriet, wohin sie sich bewegte. Unter einem gewählten Opfer brach sie wieder hervor und schleuderte alles in der Nähe fort. Überleben verlangte, eine Gefahr zu lesen, die man nicht direkt sehen konnte. Gerade darin glich die Jagd Tol Dagor selbst: Das Entscheidende lag unter der Oberfläche, verborgen hinter Befehlen und Mauern.

Drohnen beantworten ihren Ruf

Jede ihrer Bewegungen rief summende Drohnen herbei. Starben diese zu nahe bei der Königin, verfiel sie in größere Raserei. Die kleinen Helfer durften weder ignoriert noch unbedacht neben ihr erschlagen werden. Die Gruppe musste den Schwarm vom Muttertier trennen und verhinderte so, dass die Beseitigung einer Gefahr unmittelbar die nächste verstärkte.

Mit dem Tod der Sandkönigin verlor Tol Dagor seine natürliche äußere Wächterin. Die eigentliche Macht des Gefängnisses lag jedoch im Inneren. Jes Knurris hatte im Aufstand die unteren Ebenen übernommen, Valyri hütete Aschenwinds Munition und Korgus richtete Azeritkugeln auf Gefangene. Jenseits des Sandes begann eine andere Art von Monstrosität, geschaffen nicht von unbekannter Natur, sondern von Menschen und ihren Befehlen.