Der Weg nach Tol Dagor
Tol Dagor erhob sich als Gefängnisinsel vor der Küste von Kul Tiras. Unter Priscilla Aschenwinds Einfluss verschwanden dort nicht nur Verbrecher, sondern auch politische Gegner und Menschen, die ihren Plänen im Weg standen. Eine Flucht führte vom Sand vor den Mauern durch Zellen, Arsenal und Kanonen bis zum Aufseher, der das Gefängnis wie ein persönliches Versuchslabor behandelte. In Jes Knurris nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Jes hatte sich als Pirat einen Namen gemacht, aber keinem Banner lange genug vertraut, um selbst Vertrauen zu verdienen. Zweifelhafte Loyalität war auf See oft ein Vorteil, solange der nächste Handel besser bezahlt wurde. In Kul Tiras führte sie ihn schließlich nicht zu Reichtum, sondern gemeinsam mit seinem Bruder in eine Zelle von Tol Dagor.
Der Aufstand öffnet die Türen
Als im Gefängnis Unruhe ausbrach, erhielt Jes seine Freiheit zurück. Er nutzte sie nicht für einen sofortigen Sprung ins Meer. Die unteren Ebenen waren voller Gefangener, Waffen und alter Rechnungen. Jes erkannte darin ein neues Deck, das nur einen Kapitän brauchte. Bald führte er die Bande, die zwischen den geöffneten Zellen eine eigene Ordnung errichtete.
Die Gefangenen hatten ihre Wärter zurückgedrängt, doch Jes ersetzte deren Gewalt durch seine eigene. Er hielt seine Stellung mit Ruf und Furcht. Das Gefängnis wechselte damit an dieser Stelle den Besitzer, nicht seinen Charakter. Wer durch die unteren Ebenen wollte, begegnete einem Mann, der selbst eingesperrt gewesen war und daraus nicht Mitgefühl, sondern ein genaueres Wissen über die Beherrschung Eingesperrter gewonnen hatte.
Dolche überbrücken jede Entfernung
Jes schleuderte eine Folge blinkender Klingen durch offene Sichtlinien. Säulen boten Schutz, wenn man sie rechtzeitig erreichte. Der Zellenblock wurde dadurch zum Teil seines Angriffs. Mauern, die Menschen voneinander trennen sollten, konnten nun Leben retten, während jeder freie Blick zur Bahn eines Dolches wurde. Die Gefährten mussten das Gefängnis lesen wie Jes einst als Häftling.
Sein furchterregender Ruf ließ Gegner die Kontrolle verlieren und davonlaufen. Jes wusste, dass eine Bande nicht allein durch Stärke geführt wird. Wer den Augenblick bestimmt, in dem andere ihre Haltung aufgeben, beherrscht auch zahlenmäßig größere Gruppen. Der Zauber musste unterbrochen werden, bevor die neue Ordnung der Eindringlinge in dieselbe kopflose Bewegung zerfiel, mit der er seine Gefangenen lenkte.
Rauch öffnet weitere Zellen
Verwundet warf Jes Rauchpulver und ließ zusätzliche Häftlinge frei. Im Nebel verschwand die klare Front, während neue Kämpfer aus ihren Zellen kamen und sich durch gegenseitige Ermutigung steigerten. Seine Macht bestand nun sichtbar aus der Menge, die ihn als Anführer hinnahm. Um ihn zu erreichen, musste die Gruppe jene kurzfristige Loyalität brechen, bevor aus einzelnen Befreiten eine unkontrollierbare Meute wurde.
Jes fiel in dem Reich, das er aus seinem eigenen Gefängnis gebaut hatte. Für die übrigen Insassen bedeutete das nicht automatisch Freiheit; oberhalb wartete weiterhin Aschenwinds bewaffnete Verwaltung. Der Weg führte ins Arsenal zu Kürassier Valyri. Dort waren Menschen keine Bande mehr, sondern Personal zwischen Pulverfässern, und die Leidenschaft ihrer Vorgesetzten für Feuer machte jeden Arbeitsplatz zur nächsten Zelle.