Der Weg nach Scharlachrotes Kloster
Das Scharlachrote Kloster hatte den Untergang Lordaerons überdauert und sich dabei immer weiter von dem Schutzgedanken entfernt, aus dem sein Kreuzzug einst hervorgegangen war. Zwischen Friedhof und Kathedrale lebte Reinheit als gewaltsame Behauptung fort. Folterer wurden selbst zu Untoten, fremde Kampfkunst wurde zur Waffe des Ordens, und hinter jeder Predigt wartete die Bereitschaft, auch Lebende als mögliche Träger der Seuche zu vernichten. In Bruder Korloff nahm ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt an.
Pandarische Botschafter reisten durch Azeroth und brachten Bewegungen, Atemlehren und Kampftechniken mit, die viele Bewohner der östlichen Königreiche kaum kannten. Korloff beobachtete diese Kunst und lernte von ihr. Für einen Augenblick begegneten sich zwei weit voneinander entfernte Traditionen nicht auf einem Schlachtfeld, sondern durch Weitergabe und die Bereitschaft, etwas Unbekanntes ernst zu nehmen.
Der Kreuzzug erkennt eine Waffe
Als Korloff seinen Vorgesetzten den neuen Stil vorführte, sahen sie darin keine Einladung, pandarische Philosophie zu verstehen. Sie sahen ein wirkungsvolles Werkzeug. Einstimmig befahlen sie ihm, eine ganze Generation von Initianden auszubilden. Der Kreuzzug nahm die äußere Form der Kunst an und schnitt sie von jenem kulturellen Zusammenhang ab, der Kraft mit Maß und innerer Ordnung verbinden sollte.
Korloff wurde zum lebenden Beweis, dass selbst unbewaffnete Hände tödlicher sein konnten als Stahl. Seine Schüler lernten fliegende Tritte und schnelle Schlagfolgen. Doch jede Technik wurde in ein Weltbild eingefügt, das Reinheit durch Vernichtung suchte. Aus einer Kunst, die Körper und Geist einen sollte, wurde eine weitere Möglichkeit, den nächsten erklärten Feind effizient zu brechen.
Flammen in den Fäusten
Korloffs Schläge brannten. Er ließ Feuer durch Fäuste und Tritte laufen, sprang auf entfernte Gegner zu und wirbelte als Feuersturm durch seine Nähe. Mit jedem Verlust eigener Kraft stieg die Hitze weiter an. Schmerz führte nicht zu Vorsicht oder neuer Haltung, sondern wurde Brennstoff für noch härtere Angriffe.
Schwer verwundet brannte Korloff so hell, dass seine Schritte eine Feuerspur auf dem Boden hinterließen. Der Raum bewahrte jede seiner Bewegungen für einige Zeit als Gefahr. Dies war die endgültige scharlachrote Umdeutung der Mönchskunst: Wo ein Meister vielleicht einen klaren Weg hinterlassen sollte, blieb hinter Korloff nur Boden, den niemand betreten durfte.
Eine entliehene Lehre endet
Korloff erkannte in seinen Bezwingern die Härte von Eisen, bevor er fiel. Seine Niederlage zeigte nicht das Versagen pandarischer Kampfkunst. Sie zeigte, was geschieht, wenn eine Tradition nur nach ihrem Nutzen zum Töten beurteilt wird. Der Kreuzzug hatte ihre Bewegungen übernommen, aber nicht die Weisheit, die hätte fragen können, ob dieser Kampf überhaupt geführt werden sollte.