Das Schwarze Blut unter dem Palast
Unter dem Palast der Nerub'ar sammelte sich jene Substanz, mit der Königin Ansurek ihre neue Ordnung erschaffen wollte. Das Schwarze Blut war nicht bloß ein Gift. Es veränderte Körper, öffnete Wege zu verstörenden Wahrnehmungen und verband die königlichen Experimente mit Mächten, die weit über Azj-Kahet hinausreichten. Aus diesen Becken erhob sich der blutgebundene Schrecken, eine unförmige Masse, in der das Material selbst zu einem Wächter geworden war.
Das Wesen besaß keine Herkunft, die sich noch von seinem jetzigen Zustand trennen ließ. Es war aus der Verschmelzung von Blut, Leere und misslungenem Leben hervorgegangen. Seine Existenz zeigte, wie weit Ansureks Hof bereits gegangen war. Die Königin ließ nicht mehr nur einzelne Neruber aufsteigen; sie schuf eine Umgebung, in der Verderbnis neue Kreaturen hervorbringen konnte. Der Palast wurde dadurch zu einer Werkstatt, deren Abfälle ebenso gefährlich waren wie ihre vermeintlichen Erfolge.
Ein Blick unter die Wirklichkeit
Wer dem Schrecken gegenüberstand, sah zeitweise in eine Ebene, die unter der gewöhnlichen Wirklichkeit lag. Dort warteten verlorene Wächter und vergessene Herolde, die das Wesen mit neuer Kraft versorgten. Dieser Bereich wurde als das Unscheinbare beschrieben: ein Schatten unter der sichtbaren Welt, in dem die Folgen der Experimente fortbestanden, auch wenn sie im Palast selbst nicht zu erkennen waren.
Damit wurde der Kampf zu einer ersten Begegnung mit der eigentlichen Tiefe von Ansureks Bündnis. Die Angreifer hatten es nicht nur mit Soldaten zu tun, die der Königin Treue geschworen hatten. Das Schwarze Blut hatte Räume geöffnet, in denen verdrängte und geopferte Wesen weiterwirkten. Der Schrecken lebte davon, dass diese verborgene Schicht unberührt blieb. Erst als seine Verbindung dorthin unterbrochen wurde, konnte auch der Körper in der sichtbaren Welt vernichtet werden.
Das Geheimnis der königlichen Erhebung
Ansurek versprach ihrem Volk eine Zukunft jenseits alter Schwäche. Der blutgebundene Schrecken zeigte, was sie dabei verschwieg. Nicht jede Veränderung führte zu einem stärkeren, freien Neruber. Manche endeten in einer Masse ohne Namen und Willen, die nur noch als Wache oder Energiequelle diente. Die Königin nahm diese Verluste in Kauf, weil sie jeden Erfolg als Beweis und jeden Fehlschlag als verwendbares Material betrachtete.
Für die Durchtrennten Fäden war diese Entdeckung politisch bedeutsam. Ihre Rebellion richtete sich nicht allein gegen eine unbeliebte Herrscherin. Sie kämpften gegen ein System, das die Zukunft des gesamten Volkes an eine Substanz band, deren Ursprung und Wirkung niemand vollständig beherrschte. Der Schrecken war ein stummer Zeuge dieser Gefahr. In seinem Körper war zu sehen, was aus Azj-Kahet werden konnte, wenn Ansureks Erhebung nicht beendet wurde.
Eine Wunde, die tiefer reichte
Mit dem Tod des Schreckens trocknete das Schwarze Blut im Palast nicht aus. Weitere Experimente warteten in den Brutkammern, und Ansurek selbst bereitete ihre letzte Verwandlung vor. Der Sieg öffnete jedoch den Weg aus den unterirdischen Becken in die Bereiche, in denen die Verantwortlichen lebten. Von nun an konnten sich Hof und Militär nicht mehr hinter den Ergebnissen ihrer Arbeit verbergen.
Später wurde deutlich, dass Xal'ataths Einfluss nicht an der Königin endete. Die Leere suchte nach Wegen in Körper, Erinnerungen und ganze Reiche. Der blutgebundene Schrecken war eine frühe, rohe Form dieses Zugriffs. Er wollte keine Krone und sprach keine Prophezeiung aus. Sein bloßes Dasein genügte, um zu zeigen, dass unter Ansureks Palast bereits etwas gewachsen war, das sich der Kontrolle seiner Schöpfer entzog.